Tiere

  • 17.08.90

    Ist das Zeichen des Tieres (Geh. Off. 13, 18) das Bekenntnis? (666 ist die Summe aller Zahlen von 1 bis 36 <= (1*2*3)2>)

    Merkwürdig, daß aus dem Begriff der Apokalypse (der wörtlich nur die endgültige Offenbarung der Wahrheit bezeichnet: diese Offenbarung als endgeschichtliches Ereignis oder die reale Geschichte als Teil der Erkenntnistheorie) heute nur noch das katastrophische Moment herausgehört wird, daß er nur noch als Bezeichnung des Weltuntergangs verstanden wird (grundsätzliches Mißverständnis der Johannes-Offenbarung, bedingt durch den veränderten Gegenstandsbezug der Theologie seit dem Beginn des Dogmatisierungsprozesses, dem Einbruch des Herrendenkens in die „altkirchliche Theologie“, dem Ursprung des Konfessionalismus).

    Physik/Naturwissenschaften: das Tier vom Land (aus der Erde); politische Ökonomie: das Tier aus dem Meer (aus den Völkern)?

    (Behemoth, Ijob 40,15ff/ Leviathan, Ijob 3,8 u. 40,25ff, Ps 74,14 u. 104,26/ Rahab, Jos 2 u. 6,22ff, Ijob 9,13, Ps 87,4 u. 89,11/ Meer, Ijob 26,12, Ps 74,13; 77,17 u. 89,19, Offb 21,1/ Drache, <Schlange> 2Mos 7,9.12, <Krokodil> Ez 29,3, <mächtiges, gefräßiges Tier> Jer 51,34, <großes Seetier, Walfisch> 1Mos 1,21, Ps 148,7, <mythisches Wesen> Ps 74,13, Jes 51,9, Ijob 7,12, <Widersacher Gottes> Jes 27,1, <Teufel> Offb 12 u. 20,2)

  • 15.06.90

    „Krieg und Christentum“: Eine Diskussion, die nur auf Strategie, Technik und Psychologie sich beschränkt, aber den gesamtgesellschaftlichen Kontext verschweigt, hilft nicht weiter. Die fürchterlichen Auswirkungen der modernen Waffen, der Zwang, sie zu beschaffen und weiterzuentwickeln, reflektieren einen Aspekt des gesamtgesellschaftlichen Zustands, den D. verdrängt. Nach der DdA steckt in der Vergegenständlichung (im geschichtlichen Erkenntnisprozeß) das Verhältnis des Herrn zum Beherrschten mit drin: Ist der Stand der Waffentechnik, ist die darin sich manifestierende materielle Gewalt nicht auch ein Teil des geschichtlichen Stands der Objekt-Beziehung (der Erkenntnisstruktur) überhaupt? Ist die Rüstung nicht schon Teil des herrschenden Realitätsbegriffs (und war es je anders)?

    Zu S. 185ff: Kennt die Bibel überhaupt die Darstellung von Jagden? – War nur Nimrod ein großer Jäger? – Ist es nicht zu wenig, wenn D. die Tierfeindschaft des AT nur aus seinem Anthropozentrismus ableitet, aber nicht konkret belegt?

  • 14.06.90

    Statt Anklage und Rechtfertigung: Verständnis und Bekenntnis?

    Joh. 14,27: der Friede, den die Welt nicht geben kann. – Aber: Gehet hin und lehret alle Völker und taufet sie im Namen …(Mt. 28,19)/ Geht hin in alle Welt und predigt die Heilsbotschaft allen Geschöpfen …(Mk. 16,15)

    Joh. 8,12ff: Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wandelt nicht im Finstern, sondern wird das Licht des Lebens haben. … Ihr urteilt nach dem Äußeren, ich urteile über keinen. … Wenn Ihr mich kenntet, würdet Ihr auch den Vater kennen.

    Joh. 14,22: Judas, nicht Iskariot, fragte ihn: Herr, wie kommt es, daß Du Dich nur uns offenbaren willst, nicht auch der Welt?

    Konstruktion der Scham (Sexualität; von außen Gesehenwerden, Form der Beziehung zu anderen, Verhältnis zu Anklage und Objekt/Akkusativ; Scham, Anschauungs- und Urteilsformen, Lachen, Geschwätz/Tratsch; Scham der Tiere <Folge des Ausgelachtwordenseins>: Tiere sind nicht nackt, Instinkt und Identifikation mit dem Aggressor; Scham und Organismus, Organisation Problem der Namengebung; Scham, Anklage und Liebe; Scham und Lachen, Scham über das Benanntwerden <Adam benennt die Tiere und – nach dem Sündenfall – Eva>; Benanntwerden und Ansprechbarkeit; Ansprechbarkeit ohne Rechtfertigungszwang; Zeugen und Erkennen: Ursprung des Wissens; Scham als Bewußtsein der Sterblichkeit, des Todes (Überwältigung durch Scham: „Vorlaufen in den Tod“); die Reklame verschweigt den Tod, vollendet die Scham, indem sie sie unsterblich macht: der Reflexion entzieht, in den Rechtfertigungszwang verstrickt; Schamgrenze zwischen Innen und Außen, Ursprung und Geschichte der Intim-/Privatsphäre als Teil der Freiheitsgeschichte; Schamverletzung und totalitäre Systeme, Scham und Geschichte).

  • 04.02.90

    Einer der wichtigsten Gründe für Vorurteil und Ideologie ist das Bewußtsein, im Anblick der Wahrheit und mit dem massiven Schuldgefühl, das damit verbunden ist, nicht leben zu können. Die Folgen sind jedesmal selbstzerstörerisch, gleichgültig, ob sie über den Zynismus oder das pathologisch gute Gewissen vermittelt sind.

    Die Gewalt, die Geld über andere (die die Leistungen erbringen müssen, die man dann für Geld „kaufen“ kann) verleiht, das Gewaltpotential, das im Geld drinsteckt, bedarf des äußeren Daseins: Die Rüstung der Staaten war immer auch ein Maßstab für die Gewalt und die Macht, die das vom Staat herausgegebene und garantierte Geld repräsentiert, die wirtschaftliche Ordnung und der Wert und die Konvertierbarkeit der jeweiligen Währung. Auf diesem Felde werden heute die Kriege ausgefochten und die Siege errungen, hat jetzt „der Kapitalismus über den Kommunismus gesiegt“. Die Verlierer sind immer auch die Verurteilten (das System ist selbst der kurze Prozeß, d.h. Ankläger und Richter in einem); ein Einspruch, eine Revision, ist nicht mehr zugelassen. In dem traditionellen theologischen Sinne ist dieses System obszön, „unzüchtig“ und pornographisch.

    Aber die „Natur“ vor oder nach der gesellschaftlichen Naturbeherrschung (außerhalb des Kontextes der Naturbeherrschung gibt es keine Natur) ist keine heile Schöpfung, sie ist nicht das Werk des siebten Tages. Und es gibt keinen positiven Sinn für irgend eine Form einer „Rückkehr zu Natur“.

    Ist es ein Zufall, daß blütentragende Pflanzen im naturhistorischen Entwicklungsprozeß zusammen mit den Säugetieren (und Vögeln) auftreten, und die Laubbäume zusammen mit den Prähominiden?

    „Der Geist Gottes schwebte über den Wassern“?

Adorno Aktueller Bezug Antijudaismus Antisemitismus Astrologie Auschwitz Banken Bekenntnislogik Benjamin Blut Buber Christentum Drewermann Einstein Empörung Faschismus Feindbildlogik Fernsehen Freud Geld Gemeinheit Gesellschaft Habermas Hegel Heidegger Heinsohn Hitler Hogefeld Horkheimer Inquisition Islam Justiz Kabbala Kant Kapitalismus Kohl Kopernikus Lachen Levinas Marx Mathematik Naturwissenschaft Newton Paranoia Patriarchat Philosophie Planck Rassismus Rosenzweig Selbstmitleid Sexismus Sexualmoral Sprache Theologie Tiere Verwaltung Wasser Wittgenstein Ästhetik Ökonomie