Witz und Empörung sind Instrumente zur Verhinderung der Geistesgegenwart, zur Einübung des Vergessens. Jeder Witz und jede Empörung macht uns ein Stück dümmer.
Das kollektive Lachen (das Gelächter), die Verinnerlichung des Opfers und die Selbstauslöschung des Subjekts (oder: die falsche Versöhnung). Durch Einübung des Herrendenkens versöhnt der Witz die Menschen mit ihrem Objektsein.
Wenn Gunnar Heinsohn die Schuldknechtschaft und das Tauschprinzip alternativ behandelt, das Tauschparadigma perhorresziert und abwehrt, so möchte er das Tauschprinzip nicht mit der Schuld der Schuldknechtschaft befleckt sehen: die Ökonomie soll (wie die Physik) schuldlos bleiben. Wie sie das bleiben kann, wenn nicht nur ihre Ursprünge, sondern auch ihr Bestehen seit ihrem Ursprung auf dieses gräßliche Institut der Schuldknechtschaft zurückweisen, ist nicht zu erkennen; das Konzept ist (wie im Kontext des christlichen Dogmas) nur zu halten durch Individualisierung (Personalisierung) der Schuld, durch Verdrängung des Schuldzusammenhangs. Die Lösung gleicht (antipodisch, aber nicht zufällig) der, die auch seinem Hexenbuch zugrundeliegt. Und es ist die gleiche Logik, die auch die Venustheorie beherrscht.
Habermas verharmlost das Materialismusproblem, indem er das gesellschaftliche zu einem Kommunikationsproblem macht, mit der Vorstellung, daß Vernunft als Möglichkeit zum Konsens sich definieren lasse, und Konsens prinzipiell möglich sein müsse. Er verdrängt den Bruch, den die Heinsohnsche Schuldknechtschaft aufs deutlichste benennt, so wie die Physik seit je den Bruch zwischen schwerer und träger Masse verdrängt hat.
Ohne die Schrift, und d.h. ohne diese Enteignung, Vergegenständlichung und Instrumentalisierung der Sprache, ohne ihre Entfremdung in der Schrift, hätte es keine Großreiche gegeben.
Ist das Produkt des Bindens der Naturbegriff, und war es dieser Knoten, den Alexander nur durchschlagen hat, den es aber heute endlich zu lösen gilt?
Das Christentum hat mit der Rezeption der Philosophie im Dogma das Ungleichnamige gleichnamig gemacht; die letzte Folge dieses Geburtsfehlers der christlichen Theologie ist die Vorstellung des dreidimensionalen Raumes (in dem man Links und Rechts nicht mehr unterscheiden kann und der die benennende Kraft der Sprache endgültig kassiert). Heute erstickt das Christentum an dieser Folge.
Die Gleichnamigmachung des Ungleichnamigen: das ist der Ursprung der Opfertheologie, die Vergegenständlichung und Instrumentalisierung des Opfers, das Unterbinden der Nachfolge, der Verzicht auf die Umkehr, die Verdrängung der Gottesfurcht. So wurde die Kirche zum Scheffel über dem Licht.
Kafkas Wort, wonach es unendlich viel Hoffnung gibt, nur nicht für uns, sollte Anlaß sein, die Hoffnung, die es gibt, endlich auszuschöpfen.
Hegels Bemerkung, die Natur könne den Begriff nicht halten, ist zunächst ein Einwand gegen den Begriff, dann aber auch einer gegen die Natur.
Seit dem Universalienstreit ist Natur ein Totalitätsbegriff, aber zugleich ist der Begriff zum flatus vocis geworden.
Das Haupt – und dann auch das Oberhaupt (der Häuptling, Sich oder Etwas Behaupten, auch die Enthauptung): eine Ersatzbildung für das Angesicht?
Hängt Simon der Kananäer (der Eiferer, Zelot) mit Kana (Hochzeit von Kana, Verwandlung von Wasser in Wein; erneuter Besuch in Kana, Heilung des Sohns eines königlichen Beamten in Kafarnaum, die beiden „ersten Zeichen“ Jesu nach Johannes; Nathanael aus Kana, ein „echter Israelit“, den Jesus unterm Feigenbaum sah) zusammen?
Wasser
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08.09.92
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07.09.92
Die Welt ist alles, was der Fall ist: Das Urteil wird gefällt, und das Objekt fällt unter den Begriff.
Gibt es einen etymologischen Zusammenhang zwischen dem Possessivpronomen 3. Person Singular und dem „Sein“ (wie zwischen dem „Mein“, der Meinung, der Gemeinheit und dem Allgemeinen)? Ist das nicht Hintergrund der Begriffe Welt und Wissen (in beiden ist das Mein der Anderen: das Sein, als Seins- und Begriffsgrund mit enthalten) sowie Grundlage des Naturbegriffs?
Ist der deutsche Artikel gebildet aus den Personalpronomina 3. Person Singular in Verbindung dem der 2. Person: Der = Du-er, Die = Du-sie, Das = Du-es?
Das Symbolum enthielt noch die Erinnerung an die Trennung der Wasser oberhalb und unterhalb des Firmaments. Im Bekenntnis wird diese Trennung verdrängt und vergessen, setzt sich die Subjektivität durch, die so überhaupt erst sich bildet, indem sie versucht, Herr über ihren Teil des Symbolums zu werden (Änderung des Sakramentsbegriffs). Im Bekenntnis wird das Subjekt Herr und Nutznießer des Opfers, verdrängt es die Gottesfurcht.
Wenn sich im Wort vom Binden und Lösen das Lösen auf das „er weinte bitterlich“ bezieht, bezieht sich dann nicht das Binden auf die Geschichte der drei Leugnungen? Ist das Verfahren des Hahns (sein Krähen) in der Regel der correctio fraterna beschrieben (und sein Versagen vorausgesagt)?
Hängt die Feste des Himmels, die die Wasser oberhalb von denen unterhalb trennt, mit dem Ich zusammen? Sind die subjektiven Formen der Anschauung gleichsam der subjektive Rest dieses Zusammenhangs, seine Spur im Ich? Und ist der Regenbogen nach der Sintflut der gegenständliche Repräsentant eines Ich, das sich durchs Fleischfressen (durch den Schrecken der Tiere) und durch Einbindung in hierarchische und durch Gewalt geprägte Gesellschaftsstrukturen bestimmt?
Durch den Objektbegriff wurde die Vernunft in Isolationshaft gesetzt (transzendentale Ästhetik und Logik). Die Hegelsche Philosophie (Konsequenz hieraus) beschreibt aufs genaueste dieses Gefängnis, zu dem die Welt das Urteil spricht. Hierbei ist jedoch daran zu erinnern, daß ein Häftling die genaueste Kenntnis seines Gefängnisses beim Ausbruchsversuch erwirbt.
Liegt nicht die Ambivalenz des messianischen Anspruchs Jesu in dem Wort „Ich bin’s“?
Wenn die Feste des Himmels mit dem Ich zusammenhängt, haben dann die paulinischen Archonten etwas mit den sieben unreinen Geistern zu tun?
Gehört die Trennung von Turm und König zu den Bedingungen des Ursprungs der Schrift und insofern zu den Ursachen der Verwirrung der Sprache?
Die Sünde der Welt auf sich nehmen heißt begreifen, daß ich Anteil an der Auferstehung nur gewinnen kann durch die Hoffnung, die ich nur für andere hegen darf, hindurch. Und nur für andere, das heißt auch: für die Toten.
Das Faktum des Todes hängt mit dem Faktum des Weltbegriffs, d.h. mit der Entfremdung des Denkens und des Dings, mit dem Begriff, der die Dinge von allen hinter ihrem Rücken begreift: mit der Vollendung der verinnerlichten Schicksalsidee im Prozeß der Aufklärung selber, zusammen. Wer die Partei der Welt ergreift, sich dem Gebot der Übernahme der Sünde der Welt entzieht, ergreift die Partei des Todes (vgl. Heideggers „Vorlaufen in den Tod“).
Ist das Sumerische die Wasserscheide, die die indogermanischen Sprachen von den semitischen trennt (Turmbau zu Babel)?
Problem des Sanskrit: Mit welchen gesellschaftlichen und religiösen Institutionen hängt diese Sprache zusammen? (Vgl. Rosenzweigs Konstruktion der indischen Abstraktionsgestalt des Mythos.)
Das Produkt der Universalisierung der Welt ist die transzendentale Logik, die als Sprengung jeglicher Gestalt auch die griechische Kosmosidee sprengt (und zugleich das Außen-Innen-Paradigma begründet). Die Spenglersche Idee, daß die Stelle, die im griechischen Bereich die Götter- (und Heroen-)Statue einnimmt, in der modernen Welt durch die Musik besetzt ist, verweist genau auf diesen Zusammenhang.
Drei Konsequenzen aus dem Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit:
– die objektive Präsenz des sinnlichen Objekts im Licht,
– die Richtungsabhängigkeit des Zeitmaßes und vor allem:
– die Einheit der Zeit, die Konzeption des Raumes als Form der Gleichzeitigkeit, erweist sich als der Schock, der den Dingen erteilt wird und sie zu physikalischen Objekten überhaupt erst macht. Dieser Schock gründet in der mathematisch bedingten Trennung von Raum und Zeit, in der Konstituierung der Vorstellung einer homogenen Zeit.
Wer den Witz erzählt, darf selbst nicht lachen (das gehört mit zur Technik des Unterlaufens der Geistesgegenwart, das die Wirkung des Witzes überhaupt erst ermöglicht); aber alle, die dann lachen, machen sich mit dem Witzeerzähler gegen das Objekt des Witzes gemein. Es sei denn, man lacht nicht mit und versucht (geistesgegenwärtig), den Trick zu durchschauen (der in der Verletzung des Gebots der Übernahme der Sünde der Welt liegt). Aber heißt das nicht auch, daß bisher die Christen mit der Konstruktion der Opfertheologie nur mitgelacht haben über das Opfer, anstatt Gethsemane zu begreifen? Das Christentum heute ist das zwangshaft schallende Gelächter, das das Wort Gottes übertönt. (Unterscheidet sich der jüdische Witz vom christlichen nicht durch das verzweifelte Bemühen, den Christen endlich die Technik des Witzes, den Trick, klarzumachen, indem es die Partei der Opfer ergreift? Hier ist der Erzähler selber zugleich das Objekt.)
Im Witz ersetzt die Pointe den Beweis. Wo liegt die Pointe der Naturwissenschaften? Wer sie findet, kennt den Grund aller Pointen. -
05.09.92
Die Ontologie ist das Inertialsystem der Sprache (Beziehung zur Grammatik; Ursprung und Funktion der Hilfszeitwörter: Beziehung zum Materiebegriff; das Sein als Repräsentant der Funktion des Infinitivs).
Anmerkungen (Leserbrief?) zur raf:
– Verfolgung der raf auch zur Diskriminierung der Diskussion des politischen Problems, für das die raf steht;
– raf selber hat durch ihr Handeln die Diskussion unterbunden, ihr den Boden entzogen, damit der politischen Rechten ungewollt in die Hände gespielt;
– Einäugigkeit der Justiz: wenn Gleichbehandlung aller terroristischen Vereinigungen, müßten Millionen in Isolationshaft sitzen (kein Angehöriger der Justiz wurde wegen Teilnahme an Verbrechen der Nazis rechtskräftig verurteilt);
– Distanzierung der Politiker von den Pogromen z.B. in Rostock nur mit dem Hinweis auf „das Ansehen im Ausland“: heißt das, daß „Asylanten“ straflos verjagt, verbrannt, erschlagen werden dürften, wenn „das Ausland“ zustimmen würde?
– Die öffentlich, auch vor laufenden Kameras, demonstrierte rechte Mordlust wird nicht wahrgenommen, geschweige denn verurteilt (worauf bezieht sich und welchen Sinn hat der Straftatbestand der Volksverhetzung, wann greift er, ist er Teil des 129a?).
– Rechtsradikalismus ist Einübung ins Unpolitischsein, Dummheitstraining, deshalb ist er der etablierten Politik so genehm (gewünscht wird nur, daß er nicht auffällt, insbesondere nicht „im Ausland“).
– Rechts und Links lassen sich durch ihr Verhältnis zur dritten Welt definieren: die linke Staats- und rechte Ausländerfeindschaft (Funktion der Asyldebatte) lassen sich daraus herleiten.
Eine Lokomotive, die auf den Abgrund (den sie rätselhafterweise selber erzeugt) zurast: das Personal verkleistert die Scheiben, damit die Passagiere nichts sehen; die raf erschießt das Personal, anstatt alles zu tun, um den Zug zum Stehen zu bringen; die Rechten bewachen die Türen, daß kein Unbefugter in den Zug hereinkommen kann, und überprüfen alle Insassen, ob nicht welche dabei sind, die wieder hinaus zu befördern sind. Das Recht, mit allem Komfort und unter unaufhörlicher Musikbegleitung in den Abgrund zu rasen, steht nur der zivilisierten Menschheit zu, als deren Kerube sich die Rechten begreifen.
Die biblischen Reinheitsgebote waren geschlechtsspezifisch: wer war in welcher Weise davon betroffen?
Jesus hat nicht gelacht, wohl aber geweint (gleichwohl dürfen auch in der christlichen Welt Männer Witze erzählen, aber nie weinen). Das Lachen konstituiert die Welt, das Weinen rührt an den Grund ihres Bestehens, hängt mit der „Erschütterung der Kräfte des Himmels“ und der Auferstehung der Toten zusammen (Petrus nach der dritten Leugnung: „… er ging hinaus und weinte bitterlich“); wann weinte Jesus?
Die Lazarus-Geschichte: Maria weint, die Juden weinen, Jesus ist erzürnt und erschüttert, und dann weint er auch; dann erweckt er ihn zum Leben.
Das Weinen ist eine Form der Wahrnehmung und Verarbeitung der verandernden Kraft des Seins, daß Lachen instrumentalisiert und benutzt die verandernde Kraft des Seins.
Zum Thema Weinen gehört auch jener paulinische Satz, wonach die ganze Kreatur seufzt und in Wehen liegt: sie harrt auf die Freiheit der Kinder Gottes.
Wie hängt der Taumelbecher mit dem Kelch des Leidens zusammen? Ähnlich wie Lachen und Weinen?
Am Ende wird jede Träne abgewischt, der Himmel (die Feste zwischen den Wassern) wird erschüttert, der Tod, die Vergangenheit und das Meer werden nicht mehr sein.
Der über den Wassern schwebende (oder brütende) Geist Gottes: Ist das nicht ein Hinweis auf etwas dem Weinen Vergleichbares im Schöpfungsprozeß (auf die Wasser, die dann von der Feste des Himmels geteilt werden und später durch die Sintflut die Grenze zur Physis markieren)? Und entspringt daraus (aus dem Brüten des Geistes über den Wassern) das Wort? Und rührt der erste Satz der Philosophie, das „Alles ist Wasser“ des Thales nicht auf eine höchst ambivalente Weise an den Ursprung der Philosophie (Zusammenhang mit der Sintflut, aber auch mit dem Zivilisationsgebot, wonach Männer nicht weinen?)? Und ist nicht die mythische Vorgeschichte der Philosophie, die Geschichte der Idolatrie, des Sternen- und des Opferdienstes, die Geschichte der Verdrängung des Weines? (Und gemahnt nicht der Topos der prophetischen Berufung („schon im Mutterleib …“) auf den Ursprung unterhalb der durchs Weinen bestimmten Grenze?
Die sieben unreinen Geister, sind das sieben Gestalten des Gelächters? Und wie hängen Lachen und Weinen mit der Sintflut und dem Turmbau zu Babel zusammen?
Solange das Weinen der andern noch als unerträglich verdrängt wird, bestehen der Bann und die schlimmen Verhältnisse weiter. Wir haben das Weinen in die Schulen, die Irrenhäuser und in die Gefängnisse verdrängt, in den Kasernen darf ohnehin nicht geweint werden.
Jesu Rat an die Frauen von Jerusalem: „Weint nicht um mich, sondern weint um euch und eure Kinder“ verweist darauf, daß das Weinen über den schlimmen Zustand der Dinge und seine Wurzeln in uns das Entscheidende ist. Dieses Weinen („über“) ist das die verhärtende (objektivierende) Wirkung der Begriffe erschütternde und lösende Kraft, Anfang der Wiedergewinnung der benennenden Kraft der Sprache (des Logos). Im Weinen wird die Klage des Objekts über das ihm vom Begriff zugefügte Unrecht (über die Sünde der Welt) laut.
Das Weinen ist Ausdruck jener Verlassenheit, die das Lachen in seinem Objekt erzeugt (Eli, eli …: Hier wird das Weinen Wort).
Wortgewordenens Weinen: das ist es, was Texte wie die Adornos, Primo Levis, Nelly Sachs‘, Jean Amerys oder Paul Celans so kostbar macht.
Werte sind auch insoweit Teil des Herrendenkens, als sie eher ans Lachen erinnern, das Weinen hingegen ausschließen.
Das Weinen zerreißt die Urteilslogik. Es durchbricht in der Erschütterung und in der Kraft des Lösens die Grenze zur Physis, die Todesgrenze.
Die Erschütterung des Weinens und die Erschütterung des Himmels, der am zweiten Tagen geschaffenen Feste, die die Wasser oberhalb von den Wassern unterhalb trennt, bezeichnet einen Vorgang, der mit der Durchbrechung der Grenze zwischen Geist und Physis zusammenhängt, der an die Todesgrenze rührt.
Zur Verleugnungsgeschichte: Das „Er ging hinaus“ und das „und weinte bitterlich“ gehören zusammen.
Was ist der „Schweiß des Angesichts“, und wie hängt er mit dem Blutschweiß in Gethsemane zusammen?
Verweisen die Symptome der Basedowschen Krankheit, die Vergrößerung der Schilddrüse und das Hervortreten der Augen, nicht auf ein zurückgestautes, verdrängtes Weinen?
Ist die Schizophrenie, eigentlich jede Psychose, nicht nur ein gestörtes und verstörtes Weinen?
Das Verständnis für die Rechten, überhaupt das Verständnis für Gewalt, gründet in dem Verständnis für die Notwendigkeit der Verdrängung des Weinens.
Über das Konstrukt der Opfertheologie hängt die Bekenntnislogik mit dem Ursprung und der Geschichte des Naturbegriffs zusammen.
Die Bezeichnung „persönlicher Gott“ wäre zu reflektieren: Die Anwendung des Personbegriffs auf Gott ist unzulässig; Gott ist gerade keine Person, durch die hindurch ER tönt. Wenn etwas Person genannt werden darf: das, durch das hindurch Gott spricht, so sind das die Engel und die Propheten.
Die Welt ist der Inbegriff alles Wißbaren (unter Ausschluß dessen, was durch das Sieb der Beweislogik fällt), aber Wissen und Wahrheit sind nicht kompatibel, sondern durch den Schuldbegriff getrennt. -
04.09.92
Das Verhältnis des Teils zum Ganzen ist eine dingbezogene Reflexionsform des raumbezogenen Verhältnisses von innnen und außen.
Ist die sumerische Sprache das Ferment, der Katalysator des Ursprungs und der Trennung der indogermanischen und der semitischen Sprachen (Realbedeutung des Turms von Babel)?
Der Satz des Thales, daß das Wasser der Ursprung von allem (Ursprung sowohl des Begriffs als auch des Gegenstandes: „aller Dinge“, welche Vorstellung den Begriff des Alls voraussetzt) sei, wird dementiert durch den biblischen Schöpfungsbericht, in dem dem Wasser (im Gegensatz z.B. zur Erde) jede eigenschöpferische Kraft abgesprochen wird: die Fische gehören zu den drei Dingen (mit Himmel und Erde und den Menschen), die Gott selbst geschaffen hat. Und wenn es in der Apokalypse am Ende heißt, daß das Meer nicht mehr sein wird, so heißt das auch, daß damit der Grund der Philosophie (die verandernde Kraft des Seins, das Herrendenken) nicht mehr sein wird. Mit dem Satz des Thales wird die vornachidische Urgeschichte endgültig verdrängt.
Sind die Fische erschaffen, um das Problem des Wassers zu lösen?
Wenn zur Erläuterung des „Stern der Erlösung“, seines Ursprungs, auf Rosenzweigs Erfahrung des Krieges hingewiesen wird (zuletzt noch bei Stephan Moses), so bedeutet das eine ähnliche Verkennung der Bedeutung des Todes im Systemzusammenhang des Stern wie im Falle der kirchlichen Apperzeption der Gethsemane-Geschichte (der „Todesangst Jesu“) im Systemzusammenhang der christlichen Theologie.
Ist nicht das Angesicht der Erde gleichsam zersprengt in dem der Tiere, und ist die Benennung der Tiere deshalb der adamitische Ursprung der Sprache? Waren es nicht aus diesem Grunde die Tiere (Totems), an denen die ersten Religionen sich abarbeiten mußten (Zusammenhang mit dem Opferdienst)? -
02.09.92
Hat der Turmbau von Babel etwas mit dem Ursprung der Schrift zu tun? Oder gibt es einen Zusammenhang des Ursprungs der Architektur mit dem der Schrift? Und ist Heideggers „Haus des Seins“ ein später Abkömmling des Turms von Babel? Und ist das Sein, dessen „verandernde Kraft“ Franz Rosenzweig bemerkt hat, ein Synonym der Verwirrung, die der biblische Name Babel bezeichnet? Hat der Turmbau von Babel etwas mit dem Ursprung und der Struktur der heute so genannten „sumerischen“ Sprache zu tun?
Im Verhältnis von Architektur und Sprache reflektiert sich erstmals das Verhältnis von Raum und Sprache: Das Außen-Innen-Paradigma hat hier seinen Ursprung; und der Turmbau zu Babel ist die erste Gestalt dessen, was Kant später die subjektive Form der Anschauung genannt hat. Erinnert nicht jeder Turm seitdem an den von Babel?
Das Außen-Innen-Paradigma ist ein politisches und ein architektonisches Paradigma.
Zur Geschichte des Turmes gehört auch die Erfindung der Turmuhr und der Glocken, sowie die Domuhren, die nicht nur die Zeit, sondern auch den Stand der Sterne, des Mondes und der Sonne anzeigten. Aber auf der Kirchturmspitze sitzt der Hahn.
Die Ziegel, aus denen der Turm zu Babel erbaut wurde: sind das nicht die Keilschrift-Ziegel? (Zusammenhang des babylonischen Turms mit dem Ursprung der Schrift, des Geldes, der Tempelwirtschaft, der Astronomie: schließlich der Idee des „Universums“, der „in eins gewendeten“ Welt: der Universitäten und des Wissenschaftsbegriffs.)
Die biblischen Witwen und Waisen, sind das die gottlosen Staaten und ihre Bürger (Ninive und die 120000, die Rechts und Links nicht unterscheiden können)? Vgl. hierzu auch Jesaia (10. Kap.?). – Muß man zum Buch Jona nicht auch die übrigen Ninive-Stellen hinzunehmen (von Nimrod bis zur realen Zerstörung Ninives)?
Zum Rousseauschen Begriff der Natur gehört die Vorstellung eines Bereichs der Freiheit von Schuld, eines Bereichs, in dem man dem zivilisatorischen (gesellschaftlichen) Schuldzusammenhang entronnen ist. Die Vorstellung einer natürlichen Unschuld und einer unschuldigen Natur stammt hierher; und der Schöpfungsbegriff in der Parole von der „Bewahrung der Schöpfung“ ist durch diese Vorstellung gefärbt.
Natur als Abfalleimer (oder zum Ursprung des Begriffs der Materie): Die Funktion des Naturbegriffs war es, das Subjekt von der „Sünde der Welt“ zu entlasten. Die Natur wurde (im Ansatz bereits seit dem philosophischen Ursprung ihres Begriffs, explizit jedoch seit Rousseau) als ein Bereich der Unschuld, der Freiheit von den Belastungen und Pflichten des Lebens in der vom Geld beherrschten Gesellschaft (im Staat, dem Demiurgen, dem „Schöpfer“ der „Welt“), vorgestellt, als Folie für die Beschwernisse des urbanen Lebens; Aufgabe dieses Naturbegriffs war es, die „Sünde der Welt“ auf sich zu nehmen und die Sichtbarkeit dieser „Schuld“ gegen ihre realen Urheber abzuschirmen, diese so zu exkulpieren (ähnlich nehmen das Opfer, der Herrscher und am Ende der „Führer“ die Schuld aller auf sich: und exkulpieren sie damit – Zusammenhang mit dem Bekenntnisbegriff?). Und wenn im Naturbegriff (bis heute unbemerkt) auf diesem Wege die christologische Logik wiederkehrte und zugleich verdrängt wurde, so widerfuhr ihm das gleiche Schicksal, das er einmal seinem Erzeuger, dem Mythos, der Idolatrie, dem Sternen- und Opferdienst bereitet hat. Merwürdige Stellung des christlichen Dogmas in diesem Prozeß!
Wie hängen rein und unrein (in der Bibel und in der Waschmittelreklame) mit Schuld und Unschuld zusammen; und weshalb ist die Materie dunkel?
Eine Kritik der Naturwissenschaften ist ohne die Idee der Auferstehung der Toten nicht mehr möglich; aber auf diese Idee der Auferstehung der Toten können sich die Täter von Auschwitz nicht mehr berufen.
Der Begriff der Erschaffung der Welt, der aus der Philosophie stammt, aus der aristotelischen Tradition, bezieht sich eher auf das zweite bara im Schöpfungsbericht, nicht auf das erste (die Erschaffung des Himmels und der Erde): auf die Erschaffung der großen Seeungeheuer am vierten Tag. Zu diesen „großen Seeungeheuern“ gehören sicher u.a. die großen Fische im Buch Jona und im Buch Tobit, wahrscheinlich auch die „153 großen Fische“ am Ende des Johannes-Evangeliums; dazu wäre noch hinzuweisen auf die Stelle in der Geheimen Offenbarung, in der die Wasser, an der die Hure Babylon sitzt, dechiffriert werden als „Völker, Sprachen, Stämme und Nationen“: sind nicht eben diese gemeint als die „großen Seeungeheuer“? Hier stellt sich die Beziehung zum Weltbegriff her, der das Erbe der Idolatrie, des Sternen- und des Opferdienstes angetreten hat und durch sie in die Geschichte der Völker, Stämme, Sprachen und Nationen verflochten ist.
Völker, Stämme Sprachen und Nationen: sind das die Nachkommen Abrahams, die Söhne Jakobs, die Hebräer und die Israeliten?
Wie hängt der Begriff der Nation mit dem der Natur zusammen?
Die dritte Phase der Verleugnung ist die des „von allen Seiten hinter dem Rücken“: die der Geschichte der Naturwissenschaften (der unendlichen Welt) und des Kapitalismus. Beide werden beherrscht durch den ihnen einwohnenden Systemcharakter (Inertialsystem und Gravitationsgesetz, Subsumtion der Arbeit unters Tauschprinzip, Organisation politischer System: Ursprung der „Polizeywissenschaft“ – Subsumtion unter die Vergangenheit).
„Von Gott wissen wir nichts, aber dieses Nichtwissen ist Nichtwissen von Gott“ (Franz Rosenzweig: Stern der Erlösung): Die Idee Gottes schließt jede Vergangenheit, und damit jedes Wissen, von sich aus. Nur wer Gott sucht, erträgt das Nichtwissen, hält sich offen für eine Erkenntnis, die nicht im Wissen sich erfüllt. Wer in allem die Sicherheit des Wissens sucht (die Unsicherheit des Nichtwissens nicht erträgt) sucht eine Position hinter den Dingen (in ihrem Rücken) zu gewinnen und verrät mit Gott auch die Dinge (der Atheismus der Naturwissenschaft und des Kapitalismus). -
22.08.92
Das Staunen Gunnar Heinsohns darüber, daß die gleiche israelitische Geschichte, die einmal Maßstab war für die altorientalische Chronologie, dann daraus gestrichen wurde, während die so entstandene Chronologie im übrigen unverändert beibehalten und dann antisemitisch genutzt wurde, paßt sehr genau zusammen mit jener merkwürdigen Geschichte, in der die christliche Theologie (die dogmatisch verstandene Orthodoxie) objektiv zu den Entstehungsbedingungen der modernen Naturwissenschaften gehört – wobei der moderne Naturbegriff ohne die christologische Logik (die den Täter exkulpierende Logik der Vergöttlichung des Opfers) nicht zu denken ist -, nicht den Naturbegriff in Frage stellt, sondern durch ihn hindurch die Theologie so verhext, daß sie, zur Unkenntlichkeit entstellt, ohne Gefahr des Einspruchs bestritten werden kann.
Die Astronomie gehört seit je zu den staatsbegründenden Wissenschaften (Kopernikus, Bodin, Kolumbus und die Hexenprozesse).
Wo liegt die Differenz zwischen einer gesellschaftlichen und einer realen Naturkatastrophe? In ihren Auswirkungen auf die Opfer kann sie nicht liegen. Worin lag die Bedeutung des Erdbebens von Lissabon für die Geschichte der europäischen Aufklärung? Lag sie nicht darin, daß es sich hier um eine Katastrophe handelte, die keinen Schuldigen brauchte?
Die subjektiven Formen der Anschauung sind die subjektiven Formen der Anschauung der anderen; in ihnen bezieht sich das Denken auf das Denken der anderen; sie sind die Statthalter der anderen im Subjekt (Medium der Vergesellschaftung des Subjekts). Darin liegt ihre große Bedeutung für die philosophische Begründung des Wissenschaftscharakters der naturwissenschaftlichen Erkenntnis. Hier lernt das Subjekt sich selbst von außen (in den Augen der anderen) sehen. Das gehört in die Geschichte vom Sündenfall: Da gingen ihnen die Augen auf, und sie erkannten, daß sie nackt waren.
Das, was im Objektivationsprozeß nach innen verdrängt wird, wird verdrängt vor der Gewalt des Äußeren, vor der das Subjekt schon kapituliert hat. Diese Kapitulation ratifiziert das Ende des Prozesses: das Barbarisch-Werden und schließlich das Verschwinden dessen, was unterm Begriff des Inneren falsch begriffen wird. Die Idolatrie und der Ursprung des Weltbegriffs bezeichnen den Anfang dieses Prozesses.
In der Diskussion der transzendentalen Logik gab es die Frage nach der transzendentalen Ableitung dieser Schreibfeder, die Aufforderung an den transzendentalen Idealismus, ihre Existenz aus den Voraussetzungen der reinen Vernunft zu konstruieren. Mit diesem Beispiel wurde auf den auch durch den transzendentalen Idealismus nicht aufgehobenen Wert der Empirie hingewiesen. Aber dahinter steckt ja doch auch noch ein anderes: Ist die „Ableitung“, die „apriorische Konstruktion“ einer Schreibfeder so denkunmöglich? Wäre sie nicht doch zu leisten durch eine Erinnerungsarbeit, die mit der Schreibfeder die ganze Geschichte der Schrift und ihrer Stellung im Lebensprozeß der Gesellschaft (Zusammenhang der Schrift und ihrer Techniken mit der Urgeschichte des Staates und der Zivilisation, des Geldes, der Sprache, des Mythos, der Philosophie, der Prophetie) und den Stand dieser Geschichte in der Gegenwart, in der die Schreibfeder (dann der Füllfederhalter, die Schreibmaschine, die elektronische Textverarbeitung) ein wichtiges Indiz für die Stellung des Bewußtseins zur Objektivität und für die geistigen Produktions- (und Erinnerungs-)Bedingungen ist.
Die Ezechielstelle über Jerusalem (Vater ein Amoriter, Mutter eine Hetiterin) mit Abraham-Melchisedek, mit Davids Eroberung Jerusalems und dem Hebräer-Brief vergleichen?
Die Frage, ob das Tausch-Paradigma oder das Schuldknechtschafts-Paradigma wichtiger sei für die Gesellschaftserkenntnis, scheint mir der anderen Frage vergleichbar zu sein, ob der begriffliche Zusammenhang der Mechanik besser durchs Relativitätsprinzip oder durchs Gravitationsgesetz zu bestimmen sei. Beide Aspekte gehören zum Begründungszusammenhang ihres Objektbereichs und zum Konstitutionszusammenhangs ihres objektbegründenden Referenzsystems. – Bedeutung der Relativitätstheorien Einsteins, die zwar nicht die Lösung bieten, aber die bis heute genaueste Darstellung des Problems.
Zur Kritik der Naturphilosophie: Bezeichnet nicht der Naturbegriff seit je den Mülleimer der Philosophie: Mit dem Naturbegriff wurde der Widerspruch zugedeckt, der von der Arbeit des Begriffs nicht abzulösen ist. Wer diesen Mülleimer öffnet, muß damit rechnen, daß, was er darin sieht, nicht mehr mit der Philosophie zusammen sich anschauen läßt. Mit der Auflösung des Rätsels des Naturbegriffs löst sich die Philosophie selber auf. Seit ihrem Ursprung hat die Philosophie den Naturbegriff als Mittel ihrer Selbstkonstituierung benutzt; sie hat ihn damit der Reflexion entzogen und ihm zugleich eine Last aufgebürdet, die er zu tragen nicht imstande ist.
Wenn man die hegelsche Philosophie – das Autodafe der bisherigen Philosophie, wie Franz von Baader sie genannt hat – als die Selbstverständigung der Geschichte des Herrendenkens begreift, und wenn man das Herrendenken als die Außenseite der Theologie begreift, dann ist Adornos negative Dialektik Theologie.
Der Nationalsozialismus, die Rassenideologie, enthält wie jede Ideologie (oder auch wie jeder Wahn) einen rationalen Kern. Diesen rationalen Kern mit aufzuarbeiten, ihn mit zu reflektieren, heißt auch: ihn dadurch, daß man ihn reflektiert, ihn ins Bewußtsein hebt, zu neutralisieren, ihm seinen wahnhaften Charakter zu nehmen.
Die Tatsache, daß die hebräische Sprache kein Futur kennt, hängt mit dem Bilderverbot zusammen. Umgekehrt hängt die Existenz der futurischen Formen in den sogenannten indogermanischen Sprachen mit der Ausbildung des mythischen Denkens, mit der Geschichte der Säkularisation des mythischen Denkens durch Verinnerlichung des Schicksals, des Ursprungs und der Entfaltung des begrifflichen Denkens zusammen, bis hin zum Ursprung des Weltbegriffs, des Inertialsystems und der naturwissenschaftlichen Aufklärung. Der Schritt über die vorgriechische Geschichte hinaus wird präzise bezeichnet durch die Bildung des Weltbegriffs, mit dem Naturbegriff gleichsam als Abfalleimer.
Die Wiedergewinnung des messianischen Element ist ohne die Kritik der Christologie und ihres Zusammenhangs mit dem philosophischen Naturbegriffs nicht zu leisten.
Die Entdeckung des Blutkreislaufs und die Entdeckung des kopernikanischen Systems sind gleichzeitig; sie stehen in einem Schuld-und Systemzusammenhang mit dem anatomischen Ursprung der modernen Medizin und der gleichzeitigen Geschichte der Hexenverfolgung.
Kann es sein, daß der Begriff der Arier kein stammesgeschichtlicher, sondern ein herrschafts- und sprachgeschichtlicher (Ursprung der staatenbegründenden Sprache) und damit primär ein soziologischer ist?
Ist das Wasser, dieses flüssige Element, ein Symbol der Zeit, genauer: der Zeit, wie sie im Zusammenhang mit dem Futur II und dem Inertialsystem sich darstellt (der Fähigkeit, die Zukunft als vergangen zu denken)? Und wird dieses „flüssige Element“ im Relativitätsprinzip (in dem der speziellen und der allgemeinen Relativitätstheorie gemeinsamen Prinzip) benannt? Das würde die Einsteinsche Theorie erst in den Zusammenhang ihrer realen Bedeutung stellen: So wäre sie unmittelbar auf Thales („Alles ist Wasser“) und auf den biblischen Schöpfungsbericht (Geist Gottes über den Wassern, Scheidung der Wasser durch die Feste). – Die Festkörperphysik und die Gastheorien sind Objekttheorien, während die Flüssigkeitsphysik eine Systemtheorie sein müßte. Der speditionelle Begriff des Massengutes rührt ebenso wie der damit verwandte Begriff der flüssigen (nicht festen) Materie an den Grund des philosphisch-naturwissenschaftlichen Massenbegriffs.
Der Arzt als magischer Helfer: diese Vorstellung ist ein Produkt der exkulpatorischen Delegation der eigenen Verantwortung für die eigenen Physis und die Gesundheit an einen Sündenbock; auch ein Versuch, schuldlos zu erscheinen (exkulpatorisches Element in der Krankheitslust).
Das unbekehrte Christenum ist verinnerlichte Idolatrie, die so zum Ferment des Bösen wird: daher die Bedeutung der Teufel, Dämonen, unreinen Geister und die Höllenvorstellung im Christentum.
Der Weltbegriff ist ein Begriff der Herrschaftsgeschichte, nach der Vergesellschaftung von Herrschaft, nach der Implantierung der subjektiven Formen der Anschauung im Subjekt, fast nicht mehr kritisierbar.
Die Marxsche These (aus den Thesen über Feuerbach):
Bisher haben die Philosophen die Welt nur verschieden interpretiert, es käme aber darauf an, sie zu verändern,
genauer bestimmen:
Bis jetzt steht die Philosophie unter dem logischen Gesetz des Weltbegriffs, es käme aber darauf an, sie aus dieser Verstrickung zu lösen.
Mit der Reformation hat die Kirche ihre „häresienbildende Kraft“ verloren. Seitdem schmort sie in ihrem eigenen Saft.
In dem in traditionellen Darstellungen der Logik beliebten Beispiel eines logischen Schlusses:
Alle Menschen sind sterblich.
Sokrates ist ein Mensch.
Also ist Sokrates sterblich.
wird unterschlagen, daß Sokrates sich dem Verfahren eines amtlich verordneten Selbstmords unterworfen hat. Er hat die Todesstrafe, die die polis über ihn verhängt hat, selber vollstreckt und den ihm nach seiner Verurteilung überreichten Schierlingsbecher getrunken. Das, so scheint mir, ist das Modell für das Heideggersche „Vorlaufen in den Tod“, die durch den Tod vollzogene Identifikation mit dem Kollektiv (Hegels „Substanz als Subjekt“); dieser Tod ist die Grundlage des Herrendenkens. Und die Heideggersche „Eigentlichkeit“ ist die Schrumpfform des philosophischen Unsterblichkeitsgedankens. Aber in dieser Konstruktion steckt zugleich das Echo aus der Geschichte vom Sündenfall: Wenn ihr von diesem Baume eßt, müßt ihr sterben, sterben. Hier wird der Tod als eine Konsequenz an eine Gestalt der Erkenntnis geknüpft, die seitdem der Grund ist für die Instrumentalisierung der Welt: die Erkenntnis des Guten und Bösen. Es ist der gleiche Prozeß, in dem über die Gestalt des sokratischen daimon und durch die Verinnerlichung der mythischen Schicksalsidee das Subjekt glaubt, aus dem mythischen Schuldzusammenhang heraustreten zu können und sich als „philosophisches Subjekt“ und als Teil der („zivilisierten“) Welt konstituiert. Die verinnerlichte Struktur des Schicksal ist zum Wesen des Begriffs geworden, unter dessen Herrschaft die Welt als Welt sich konstituiert. -
03.08.92
Wann war Jesus „erschüttert“? – Beim Tod des Lazarus (Joh 1133) und bei der Ankündigung des Verrats (Joh 1321). Und im Garten Gethsemane?
Zum evangelischen Rat der Armut: Mit dem Eigentum verlängere ich meine Sinnlichkeit (über die Abtötung der eigenen Sinnlichkeit: Ursprung der christlichen Sexualmoral), mache ich mich über meine Physis hinaus (in die Dinge hinein) empfindlich und verletzbar. Dazu muß ich sie vorher töten: Das historische Mittel dazu ist der Begriff, dann die Universalisierung des Begriffs in der Geschichte der naturwissenschaftlichen Aufklärung (die Verweltlichung der Welt: ein verkehrt magischer Vorgang oder die Umkehrung der Magie). Der Satz „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ am Frankfurter Gerichtsgebäude meint eigentlich: Das Eigentum – denn darin verkörpert sich fürs Recht die Würde des Menschen – ist unantastbar („Faß mein Auto nicht an“).
Ist das nicht der Grund, aus dem die Geschichte der Medizin erwächst (vgl. die gesellschaftlichen Bedingungen für den Ursprung der Anatomie)? Mit der medizinischen Wissenschaft melden die Ärzte ihre Eigentumsansprüche an die Körper der Menschen an. – Welche gesellschaftlichen Veränderungen drücken sich heute in den Fortschritten der Medizin und in den Veränderungen der Einrichtungen des Gesundheitswesens aus? Fallen nicht mittlerweile die Zähne unter den Eigentumsanspruch der Zahnärzte, die operierbaren Teile des Körpers unter den der Chirurgen? Sind nicht Vorsorgeuntersuchungen vorsorglich geltend gemachte Eigentumsansprüche? (Sind Ärzte nicht in einem sehr tiefen Sinne Verbündete des Todes, Erben, die ihre Ansprüche schon vor dem Ableben geltend machen?)
Eigentum ist kein einfacher Sachverhalt mehr; Mein und Dein lassen sich nicht mehr säuberlich trennen. Es gibt nicht mehr nur sich wechselseitig berührende, sondern auch wechselseitig sich durchdringende und überlagernde Eigentumsansprüche.
Der Systemfehler des Rechts liegt darin, daß es die Grundsätze des (zukünftigen) Handelns zu Kriterien des Urteils über vergangenes Handeln macht: in der Zeitumkehr, die es (als weltbegründendes Institut) mit den nachfolgenden Naturwissenschaften gemeinsam hat. Hierin liegt das vom Recht nicht abzulösende Herrschaftsmoment. Über die Logik der Rechtfertigung führt das dazu, daß das Richten über die Objekte, das Gericht nach draußen (die subjektive Form der äußeren Anschauung), von der Selbstexkulpierung, der Barmherzigkeit nach innen, nicht abzulösen ist (Projektion).
Die materiale Wertethik führt nicht heraus aus dem Formalismus in der Ethik, sondern schürzt den Knoten der Verstrickung zur Unlösbarkeit.
Der transzendentale Idealismus ist der Beweis für den idealistischen Ursprung des Materialismus.
Wissen ist Macht, und Begriffe sind Eigentumsansprüche; das Mein in Begriff des Allgemeinen und in dem der Meinung (auch in dem des Gemeinen, der mit dem des Allgemeinen ähnlich zusammenhängt, wie die Allbarmherzigkeit Allahs mit der Barmherzigkeit) erinnert daran. So ist die Philosophie sowohl das Modell der modernen Aktiengesellschaft als auch des demokratischen Staates, der das Eigentum aller ist, und dessen Gewalt und dessen Handeln der gemeinsamen Verantwortung aller unterliegen. Und der Widerspruch zwischen Aktiengesellschaft und Staat ist als Widerspruch in der Philosophie nicht zu heilen, auch nicht durch (rechte oder linke) Parteinahme aufzulösen, nur zu reflektieren.
Die christliche Sexualmoral, wenn sie aus dem Kontext der Urteilsform herausgenommen wird, gewinnt prophetische Bedeutung.
Gibt es einen Zusammenhang der „sieben unreinen Geister“ mit den mosaischen Reinheitsgeboten, die auf der einen Seite mit dem Gebot der Beschneidung verbunden waren, auf der anderen Seite in den Essens-, Sakral- und Sexualbereich hineinwirken, und die insgesamt dann aufgehoben worden sind durch die petrinische Vision? – Der Kreuzestod ist in der Tat die Abgeltung des Opfers, aber in einem Kontext, der mit dem Ursprung und der Bedeutung des Weltbegriffs zusammenhängt. Eben darin ist die ungeheure Ambivalenz begründet, die vom Christentum seit seinem Ursprung nicht abzulösen ist (Unkraut und Weizen).
Das Wasser als realmythisches Symbol: Es gibt eine Festkörperphysik und eine kinetische Gastheorie, und es gibt (im Planckschen Strahlungsgesetz) eine „Theorie des Feuers“. Aber es gibt keine Physik des Flüssigen (keine Wasserphysik). Es gibt allerdings die metaphorischen Begriffe des Verflüssigens und der Liquidation (Tötung des Verräters und Aufforderung zur Begleichung einer Schuld). -
01.08.92
Kirche, Glaube und Theologie nach Auschwitz: die Probe aufs Exempel der Lehre von der Auferstehung (vgl. Paulus: den Juden ein Ärgernis, den Griechen eine Torheit – 1 Kor 123).
„Experiment Auschwitz“: Während unmittelbar nach dem Kriege in katholischen Kreisen noch Ängste geäußert wurde: „das wird sich einmal rächen!“, scheint heute Auschwitz nur noch als Widerlegung der Lehre von der Auferstehung der Toten nachzuwirken. Diese „Widerlegung“ scheint sich aus zwei Motiven zu speisen:
– aus einem gleichsam naturwissenschaftlichen Kontext: das Experiment hatte ein negatives Ergebnis; die Erschlagenen und Vergasten sind nicht auferstanden und die Täter nicht zur Rechenschaft gezogen worden; und zudem:
– wie würden es die Täter (zu denen auch, bis in die Kirchen hinein, die gehören, die es wahrgenommen und gewußt, aber nicht eingegriffen haben, und die, die in dieser unaufgearbeiteten Tradition stehen) aushalten, wenn sie die Lehre von der Auferstehung ernst nähmen (wenn sie an die Auferstehung glaubten); welche Konsequenzen müßten sie dann ziehen?
Mizraim, der hebräische Name Ägyptens, ist nach Wilhelm von Humboldt ein Dualis.
Die „Unschuld“ in der Heiligengestalt der Virgo bezeichnet keine natürliche Qualität (Beginn der Islamisierung des Christentums und christlicher Ursprung des Islam), sondern den Zustand nach der Befreiung von den sieben unreinen Geistern (zur Kritik der kirchlichen Sexualmoral: Sexualmoral, Verzicht auf Kritik des Herrendenkens und Ursprung der modernen Naturwissenschaften). Vorgeschichte dieser „Unschuld“: das Martyrium (die Blutzeugenschaft, die durch Teilhabe am Kreuzestod von der Schuld befreit) und dann seine verinnerlichte, vergeistigte und vermännlichte Gestalt in der confessio, die als weibliches Korrelat die virginitas nach sich zieht. Gehören diese confessio und die virginitas – als Nährboden des Sexismus – zu den Ursprüngen der sieben unreinen Geister?
Das Dogma als Instrument der Enttheologisierung der Theologie: Dogmatiker kann man nur werden, wenn man nicht mehr glaubt.
Der jüdische Kampf gegen die Idololatrie war der Kampf gegen die Mechanismen, die die realen Opfer durch Reduplikation (durch Identifikation mit den Tätern) zu verdrängen und erträglich zu machen suchten: um den Preis, den Gott durch Ernennung zum Gott zu entmächtigen. Diese gesamte Konstellation ist dann (im Kontext und auf der Grundlage der sich entfaltenden und ausbreitenden Geldwirtschaft) in den Begriff der Welt eingewandert. Problem seit der antiken Schuldknechtschaft: Verschuldung der Armen als die den gesellschaftlichen Lebensprozeß tragenden Schicht (Latifundienwirtschaft, Verschuldung der Dritten Welt).
Die Installation des Weltbegriffs bezeichnet genau die Wasserscheide, die die Zivilisation von ihrer Vorgeschichte trennt.
Der Fundamentalismus ist die vom Feind unterwanderte Wahrheit.
Zum Buch Judith: wer ist Holofernes („fortis dux“)? -
30.07.92
Das Ganze ist das Unwahre. Dann schließt allerdings die Idee der Wahrheit die Unabgeschlossenheit der Vergangenheit: die Idee der Auferstehung der Toten, mit ein. Und die Toten werden unsere Richter sein.
Die Pharisäer und die Sadduzäer unterschieden sich u.a. durch ihr Verhältnis zur Lehre von der Auferstehung der Toten. Droht nicht heute der Kirche die Gefahr, sadduzäisch zu werden (die Griechen leugneten die Idee der Schöpfung, der vollendete Kapitalismus die der Auferstehung von den Toten; das Judentum gründet in der Schöpfungsidee, das Christentum in der Auferstehungsbotschaft)? Und welche Bedeutung hat dann die Magd des Hohepriesters in der Geschichte der drei Leugnungen? Ist die erste Leugnung die opfertheologische Interpretation des Kreuzestodes und der Auferstehung?
Hängt die Lehre von der Auferstehung der Toten mit der Geschichte von den sieben unreinen Geistern zusammen (Maria Magdalena, die erste Zeugin der Auferstehung)?
Ist das nicht ein ungeheures Bild: die Frauen, die zum Grabe eilen, um den Leichnam des Gekreuzigten zu salben, ihm als Opfer die messianische Würde zu geben; und sie finden das Grab leer.
Gibt es einen Unterschied zwischen dem johanneischen Passionsbericht (ohne Abendmahl) und den Passionsberichten der Synoptiker, insbesondere im Hinblick auf Frauen (die am Abendmahl nicht teilnehmen)?
Hängt der Dualis, überhaupt die Vorstellung des Paares, mit einer Geschichtsphase zusammen, in der die Unterscheidung von Rechts und Links noch erheblich war? Und verweist das Ende des Buches Jonas (… die Rechts und Links nicht mehr unterscheiden können) nicht auf das Verschwinden des Dualis? Diese 120000 sind die, die glauben, sich selbst im Spiegel zu sehen, und nicht begreifen, daß sie sich spiegel-, d.h. seitenverkehrt sehen. Und ist das nicht der Inhalt des Reflexionsgesetzes, das der Hegelschen Logik zugrundeliegt: das Eine ist das Andere des Anderen? Aber ich sehe mich im Spiegel eben nicht so, wie die anderen mich sehen. Es ist das gleiche Reflexionsgesetz, das die Philosophie an die Ontologie bindet. Aus dem gleichen Grunde verfängt sich die Husserlsche Intentionalität in ihren eigenen Verstrickungen. Die Wahrheit ist niemals Gegenstand intentionaler Akte (vgl. 1 Kor 1312 und Jak 123). Die Folgen des Verschwinden des Dualis sind an der kantischen transzendentalen Logik ablesbar, es sind die Folgen, die aus der Hypostasierung des Raumes (die auch in der Gestalt der transzendentalen Ästhetik sich erhält) sich ergeben.
Hegels Philosophie erhebt den Anspruch, nicht über der Sache, sondern in der Sache zu sein; aber in der Sache unterliegt sie der Gewalt der Reflexionsbegriffe, wird sie gleichsam seitenverkehrt. Darum ist sie eine Weltphilosophie und eine Philosophie des Weltgerichts.
Als „subjektive Form der äußeren Anschauung“ hat Kant den Raum zugleich kritisierbar und unkritisierbar gemacht.
Bezeichnet die kantische Unterscheidung von Welt- und Schulphilosophie das Verhältnis von protestantisch-bürgerlichem zum katholisch-feudalen Wissenschafts- und Philosophie-Verständnis?
Schließt der Dualis und die Unterscheidung von Rechts und Links auch die Unterscheidung von Zukunft und Vergangenheit (oder auch von Himmel und Erde) mit ein? Der Dualis wird verdrängt in der Geschichte der Universalisierung der Welt.
Der „Stern der Erlösung“ ist ein archäologisches Werk; darauf verweist vor allem der Rosenzweigsche Begriff der Vorwelt (und der des Mythos). Es käme heute darauf an, das archäologische Element auch an der Psychoanalyse zu begreifen, sie von ihrem „psychologischen“ Bann (aus dem Bann des Privaten) zu befreien: zu begreifen, daß die Verdrängung und der Begriff des Unbewußten nicht nur auf das psychologische Innere sich beziehen, sondern einen realen objektiven Anteil haben.
Verdankt sich der indische Frauenmord der Verschmelzung der Friedmanschen Ökonomie mit vorkapitalistischen Religionsresten (Zusammenhang mit dem Ursprung der Fundamentalismen)? Hier bestätigt sich die Benjaminsche These, der Kapitalismus sei ein reiner Kult ohne Dogma: der reinste Opferdienst, der wegen seiner „Ideologiefreiheit“ sich mit allen Religionsformen verbinden kann, allerdings um den Preis ihrer Wahrheit. Ich glaube, die Kapitalismuskritik beginnt erst, sie ist nicht zu Ende. Nur war sie untauglich als Ideologie.
Der moderne Bekenntnisbegriff entspringt genau an der Stelle, die Walter Benjamin bezeichnet hat, wenn er den Kapitalismus einen reinen Kult ohne Dogma genannt hat: es ist eine Leerstelle. Hier wird jede Religion, die auf die Kapitalismus-Kritik verzichtet, fundamentalistisch.
Kriegszeiten sind Bekenntniszeiten: Der kalte Krieg wurde eingeleitet durch die MacCarthy-Ära, in der Bundesrepublik durch den Radikalen-Erlaß. Und die Bildzeitung hat es auf den Punkt gebracht, wenn sie die Frage, woran Eltern erkennen können, ob ein Kind in der Gefahr steht, Terrorist zu werden, damit beantwortet: Wenn es sich zu sehr um Gerechtigkeit kümmert. Die Terrorismus-Fahndung folgte immer schon der Methode: Haltet den Dieb. Sie selber ist der Terrorismus, den sie verfolgt, und dessen sie aus eben diesem Grunde nie habhaft wird.
Die Blasphemie, die in der Bekenntnisforderung des Staates steckt, wird von den Kirchen deshalb nicht erkannt, weil sie selber die Erfinder, ersten Anwedner und ersten Nutznießer dieses blasphemischen Bekekenntnisbegriffs waren. Dieser Bekenntnisbegriff besetzt genau die Stelle, an der das wirkliche Bekenntnis real werden könnte: die benennende Kraft der Sprache. Es ist dieser Bekenntnisbegriff, der den Namen des Sohnes und mit ihm den Ursprung des Parakleten leugnet.
Der liberale Ideologiebegriff entspricht genau der Benjaminschen Definition des Kapitalismus als Kult ohne Dogma. Jede Gestalt der Lehre wird angesichts dieses Kults zur Ideologie.
Was muß erst passieren, bis auch die Kirchen begreifen, daß der „Sieg über den Kommunismus“ die bestehenden Probleme nicht gelöst, sondern nur verschärft hat, und daß eine der Triebkräfte, die zur Brutalisierung der Versuche, die ungelöstem Probleme zu lösen, geführt haben, in der blinden Regression der Rückkehr zu den traditionellen Religionen liegt. Der Jugoslawien-Konflikt sollte eigentlich auch die beteiligten Kirchen (u.a. die katholische) an ihre Mitschuld erinnern.
Sind die lutherische Rechtfertigungslehre und das hobbessche „homo homini lupus“ nicht zwei Seiten ein und derselben Sache? Und richtet sich dagegen nicht auch das Wort: „Seht ich sende euch wie Schafe unter die Wölfe …“
Die kirchliche Lehre von den Schafen und der Weideauftrag an Petrus (Joh 2115ff) werden sinnvoll und verständlich nur vor dem Hintergrund des Deuterojesaias, der Gottesknechts-Kapitel, und von Joh 129.
Zum Verständnis der Lehre vom corpus Christi mysticum: Wer wird im liturgischen „agnus dei, qui tollis peccata mundi“ angesprochen: Christus oder nicht doch jeder Christ?
Zum messianisch-parakletischen Element in der Einsteinschen Relativitätstheorie:
– sie verleiht dem Inertialsystem (dem logisch-mathematischen Zentrum der gesamten naturwissenschaftlichen Aufklärung) eine Exzentrizität, sie rückt es aus dem erkenntnistheoretischen Zentrum, in das es die kantische Erkenntniskritik (die Lehre von den subjektiven Formen der Anschauung) gebracht hat, heraus.
– Offen bleibt jedoch die Beziehung zu dem theoretischen Bereich, auf das die allgemeine Relativitätstheorie sich bezieht, die Gravitation. Ist hier nicht eine Lösung denkbar, die auch die zentralen Konstanten (die Lichtgeschwindigkeit und die Gravitationskonstante) in einen Beziehung wechselseitiger Abhängigkeit rückt, ihnen den Charakter der Konstanten nimmt.
Zum solaren Mythos: Ist nicht auch das Matriarchat eine männliche Erfindung?
Zum Begriff der arche und zum Thales’schen Satz „Alles ist Wasser“: Bezeichnet nicht der Begriff der arche die bis heute unaufgelöste, aber aufzulösende Bindung von Ursprung und Herrschaft (Schuld und Schicksal, das Wasser als realmythische Symbol)? Und worauf beziehen sich dann die paulinischen Archonten (die Herrschaften und Mächte)?
Hängt der Stich in die Seite beim Kreuzestod Jesu mit der Erschaffung Evas (aus der Seite Adams) zusammen?
Ist die Maria Magdalena-Geschichte insgesamt prophetisch, und bezieht sich die Geschichte mit den sieben unreinen Geistern auf die Kirche (als Korrelat zur Leugnungs-Geschichte)? -
10.06.92
Ist die Magd des Hohepriesters die ancilla theologiae (die Philosophie)?
Die Arbeit ist immer die Arbeit anderer, und deshalb ohne Schmerz und ohne Mühsal, d.h. unkörperlich (vgl. Assmann, S. 88). Grundsatz der Mechanik: Man muß Schläge einstecken, um Schläge austeilen zu können. Und verdrängt werden die „Taten und Leiden des Lichts“. Nur mein Schmerz ist realer Schmerz; er ist irreal für andere, und mit dem Für-andere-Sein wird der Schmerz irrealisiert, gegenstandslos.
Zu dem Satz „Da interessiert sich kein Schwein für“ und zu der Geschichte mit den Dämonen und der Schweineherde: Das Schwein ist schamlos, aber nur deshalb, weil es keine Fähigkeit zur Selbstreflexion von außen hat. Es ist ebenso unfähig sich selbst in den Augen anderer wahrzunehmen wie, in den anderen mehr als nur ein Objekt zu erkennen; Schweine fressen ihre eigenen Kinder. Sie wälzen sich im eigenen Dreck, sind Verkörperungen des Kummerspecks, und sie sind „nackt“. Aber werden sie dazu nicht erst im Zuge ihrer Domestikation? Sind Tiere nicht generell Verkörperungen von natürlichen Sozialcharakteren, und liegt darin der Grund für das Symbol Behemoth?
Ist das Ich nicht pathologisch, Produkt eines Entzündungsvorganges (des induzierten Selbstinteresses)?
Das Wunder von Kana: die Verwandlung von Wasser in Wein. Sind es die Wasser oberhalb oder unterhalb des Firmaments, die in den Wein des Taumelkelchs verwandelt werden? Und worauf verweist die Hochzeit zu Kana? In welcher Beziehung steht der Wein zur Hochzeit (vgl. die Töchter Lots)?
Ist nicht die Atomistik mit all ihren Differenzierungen, die ganze Mikrophysik (mit Elektro-, Thermodynamik und Chemie), Produkt der dem Inertialsystem immanenten apriorischen Objektbeziehung (der Einbeziehung des Objekts in die Urteilsform: der transzendentalen Logik), Pendant der Subsumtion der Lohnarbeit unters Tauschprinzip im Ursprung des Kapitalismus (paradigmatisch die Verschiebung der Arbeit vom realen Arbeitenden ins Kapital)? Ist hier nicht der Punkt, an dem die verwirrende Obszönitat des Zusammenhangs von Zeugung und Zeugenschaft sich zu klären beginnt?
Zusammenhang und Differenz von Geld und Raum: Der Kapitalismus subsumiert die Vergangenheit unter die Zukunft (zerstört durch die Subjektivierung und Instrumentalisierung der Zwecke die Idee einer objektiven Teleologie), während die Naturwissenschaft die Zukunft unter die Vergangenheit subsumiert; zusammengehalten wird beides durch die Vorstellung einer homogenen Zeit. Aber deshalb ist nur die Naturwissenschaft in einem strengen Sinne prognostisch. – So hängen Götzendienst, Sternendienst und Opferwesen zusammen.
Zwölf Apostel und sieben Diakone: Tierkreis und Planetensystem? Wer waren die sieben Diakone, und weshalb war Stephanus (die Krone) der erste Märtyrer?
Weitere Zuordnungen zu 12 und 7: Judentum und Heidentum (12 Stämme und 12 Apostel, aber 7 Diakone); 12 Monate und 7 Tage (Jahr und Woche); 12 Tierkreiszeichen und 7 Planeten.
Worin bestand die Buße der 120000 in Ninive, die Rechts und Links nicht unterscheiden konnten, und des Viehs?
Was bedeutet es, wenn im Buch Tobit der Dämon Asmodai siebenmal den Bräutigam der Sara in der Brautnacht tötete, und erst Tobias die Sara von diesem Fluch befreit; und wie hängt das zusammen mit der Geschichte des Tobit, der erblindete, weil er gegen den Befehl des Königs die Toten begrub, und nach der Tötung des Fischs geheilt wird? Aber am Ende wird Ninive dann doch zerstört, weil Jona es prophzeit hatte.
In der Skyline Frankfurt kehrt die ökonomische Rationalität des Marktes in ihre idolatrischen Ursprünge zurück.
Jesus hat gesagt: Ich bin gekommen, Feuer auf die Erde zu bringen, und ich wollte, es brennte schon. Gilt auch für Theologie: Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß?
Ist das Heute nicht etwas anderes als das An diesem Tag? Es gibt kein Gestern, das nicht zuvor ein Heute war (es gibt kein ursprüngliches Gestern: zum Begriff der Ewigkeit).
Die Bedeutungen der Präpositionen und der Präfixe überschneiden sich, sie lassen sich nicht eindeutig trennen. Soweit sie sich trennen lassen, sind Präpositionen in erster Linie räumliche und zeitliche Objektbestimmungen, während Präfixe objektbezogene Bestimmungen des Tuns und Leidens sind. Auch Präfixe sind vom Ursprung her Präpositionen, nur daß sie ins Werk zurückgenommen worden sind und ihm eine prismatische Vielfalt von Bedeutungen verleihen (be-, ver-, zer-, ent-, etc.).
Gibt es eigentlich die Hilfszeitverben (sein, haben etc.) ohne das Futur II?
Würde nicht die Bedeutung des Marktparadigmas und auch die der politischen Ökonomie entscheidend sich ändern, wenn man die Geschichte der Banken (Schuld und Kredit) mit hereinnimmt?
Das Hinter dem Rücken ist kein einfacher Tatbestand, sondern setzt sich zusammen aus den Prinzipien der Anklage, der Verwirrung und der Zuteilung des Schicksals (des Zufalls: Modell der Zuordnung von Begriff und Objekt). Die Zuteilung des Schicksals ist die Macht, die das Prädikat im Objekt über das Subjekt gewinnt (die adaequatio intellectus et rei ist mehr als die „Übereinstimmung von Begriff und Gegenstand“). Wer gemordet hat, ist ein Mörder: Diese Macht ist zugleich das Prinzip der Hypostasierung (der Personbegriff in der Trinitätslehre) und der Ursprung des Begriffs der Materie.
In der Geschichte des Bekenntnisbegriffs wurde der Knoten geschürzt, der uns heute zu strangulieren droht.
Zum Heideggerschen Begriff des Daseins: Dieses deiktische Da -Heidegger spricht auch vom „Sein des Da“ – enthält die Leugnung des Du; das Dasein ist das zum Verstummen gebrachte, fertiggemachte, aus der Kommunkation herausgefallene („geworfene“) Subjekt.
War die Gnadenlehre nur möglich in einem sprachlichen Kontext, in dem es den Dativ und den Konjunktiv gibt?
Liegt der Fehler des Augustinus, der bis in die Taten der raf nachwirkt, nicht darin, daß er das „Nicht soll ihrer gedacht Werden“ ersetzt durch den fixierenden Genuß der Seligen im Himmel im Anblick der Leiden der Verdammten.
Die falsche Übersetzung des tollere (airho – aufheben, aufnehmen) mit „Hinwegnehmen“ hängt zusammen mit der falschen Identifikation des johanneischen mit dem philosophischen (philonischen?) Logos-Begriff (genauer: der Verwechslung von Name und Begriff). Sie bezeichnen gemeinsam präzise den Sündenfall der Theologie.
Zu den Unterschieden des Opferparadigmas in Markt- und Planwirtschaft: Hier wäre auch hinzuweisen auf die Selbstopfer und die Opfer der Vernunft, die von den Angeklagten in den stalinistischen Schauprozessen gebracht worden sind (nur weil es der Sache diente, der Lüge zuzustimmen, deren Opfer sie selbst dann waren). Schon vor diesem Hintergrund wäre die Klärung der Frage der Tode von Stammheim wichtig (waren es marktwirtschaftliche Morde oder stalinistische Selbstopfer: hier konvergieren beide Paradigmen).
Das In-der-Welt-Sein ist die Vorprägung durch die Welt, zu der es fast keine Distanz mehr gibt, nur noch das Mitmachen.
Liegt das Firmament (die Mondsphäre), die die Wasser oberhalb von den Wassern unterhalb scheidet, nicht auch zwischen Nord und Süd (Links und Rechts)? Gehören Kopernikus und Kolumbus nicht auch in diesem (geschichtstheologischen) Sinne zusammen? Wo liegt das „Schwarze Loch“: in Süd- oder in Nordamerika?
Hat das firmamentum, die Feste, die Trennung der Wasser oben und unten und die Einheit von Feuer und Wasser, etwas mit der Beziehung von Reichtum und Armut zu tun?
Zum Verhältnis von Opfer und Gewalt siehe Assmann, S. 184.
Ist die „Sinnfrage“ (die Husserl noch in der Bedeutungslehre rationalisieren konnte) nicht das letzte Rudiment der Namenlehre in der vom Begriff durchherrschten Sprache? Zusammenhang mit der Idolatrie: sie ist Ausdruck der Hybris des Subjekts, sie macht das Subjekt zum Logos (Sinn ist Sinn für mich; und wenn, dann soll die Welt Sinn für mich haben; Konsequenz aus dem heutigen Verständnis der Unsterblichkeitslehren: was scheren mich die anderen).
Heute ist schon der Begriff des Eigentums transzendental: alle sind Proletarier; und das Eigentum repräsentiert das trandzendentale Subjekt.
BEF und BALM: Der Unterschied zwischen einem Amt und Anstalt (zwischen Beamten und Angestellten) ist in vorliegendem Falle haushaltsrechtlich begründet. Der Haushalt eines Amtes (einer nachgeordneten Behörde) ist im Bundeshaushalt auszuweisen, während bei einer Anstalt nur die Kosten der Anstalt auszuweisen sind (z.B. im Falle einer Kreditaufnahme nur die Kosten des Kredits, der Schuldendienst, nicht die Kreditaufnahme selber). Aber weshalb heißen dann Schulen, Gefängnisse, Irrenanstalten und Krankenhäuser sowie die Rundfunk- und Fernsehanstalten auch Anstalten? Kommen etwa alle, die angestellt werden oder etwas angestellt haben, in eine Anstalt? Und wie hängen Anstalten mit Veranstaltungen zusammen?
Müßte nicht in etymologischen Wörterbüchern die Darstellung der Herkunft von Begriffen außer auf die Geschichte der Wortbedeutung auch auf die institutionelle Geschichte seiner Anwendung (zuletzt auf die politische Ökonomie) reflektieren?
War nicht die Führerrede das Realsymbol des Rundfunks; was ist das Realsymbol des Fernsehens? Es müßte irgendwo in der Fluchtlinie der Einheit von Sport und Kultur zu suchen sein: der Stillstellung des Subjekts im Zuschauer. Unterhalten werden, um nicht auf den richtigen Gedanken zu kommen?
Ist nicht der Titel „Götze Markt“ und das Konzept, das dahinter steht, auch ein Stück Verharmlosung? Ein Freund der Familie, der Anfang der vierziger Jahre für kurze Zeit aus Dachau entlassen wurde, antwortete damals auf die Frage „Wie war’s“: „Noch schlimmer“. Hier wird etwas identifiziert, was getrennt gehalten werden muß: Das Marktparadigma (Privateigentum, Geldwirtschaft, Handel; Ursprung des Rechts) ist nicht selbst der Götze, sondern in der Tat, auch historisch, die Wurzel der Idolatrie (es wäre Aufgabe der Altorientalistik, das endlich aufzuarbeiten: nur so wäre auch dem Ursprung der Religonen und der politischen Institutionen der frühen Großreiche, des Geldes und auch der Schrift auf die Spur zu kommen). Die Idolatrie war eine Form der Absicherung, der Herstellung von Strategien der Schuldverarbeitung, die notwendig waren, um die durch das Marktparadigma veränderten Bedingungen der Erfahrung zu verarbeiten. Zum Ursprung des Christentums: Was einmal der Götzendienst leistete, wurde dann durch den Ursprung und die Konstituierung des Weltbegriffs übernommen (über die Philosophie und die Institutionen des Römischen Reiches), das Christentum ist nur die jüdische Antwort auf diese veränderte Situation (eine Antwort, die dann allerdings von real existierenden Christentum im Sinne der Idolatrie verfälscht wurde: das Marktparadigma ist gleichsam in die Substanz des historischen Christentums mit eingegangen).
Insbesondere wird bei Assmann (obwohl er die „Dialektik der Aufklärung“ zitiert) ausgeblendet, daß in diese Geschichte des Marktparadigmas (als Grund und Teil der Herrschaftsgeschichte) auch in die Geschichte der Auseinandersetzung mit der Natur mit eingegangen ist, daß es einen realhistorischen Zusammenhang des Marktparadigmas mit dem Grundkonstrukt, dem dann – durch Vermittlung der Theologie – die naturwissenschaftliche Aufklärung sich verdankt, gibt. Auch deren Anfänge liegen in der altorientalischen Geschichte.
Die Übersetzung des zweiten Gebots durch das Gebot „Du sollst nicht fluchen“ ersetzt die Gottesfurcht durch die Herrenfurcht und unterbindet das Gottsuchen, sie installiert im Zentrum der Theologie den Götzendienst, die Idolatrie. -
30.05.92
Joachim Fest hat seine Hitler-Biographie seinerzeit als „Geschichte einer Karriere“ verstanden. Er hat damit einen wesentlichen Punkt heutigen Politikverständnisses getroffen: Wo die Politik zu Karriere wird, wo Politik am Prestige gemessen wird, das sie gewährt, wird sie tendentiell faschistisch. Das Prestige, der Ruhm, das Sich-Spiegeln im Urteil der Öffentlichkeit, der Welt oder gar „der Geschichte“ ist Produkt einer pathologischen, Welt und Geschichte mit einbeziehenden Potenzierung des Exkulpationstriebs. Die größte Verführung für den Politiker ist das Gefühl, zum Herrn der Sprache zu werden, durch Sprachregelungen (bis in die Medienpolitik hinein) zwar nicht mehr die Dinge, wohl aber (im Interesse der eigenen Karriere) das Bewußtsein der Dinge bestimmen zu können.
Der Fluch über die Schlange: „auf dem Bauche sollst du kriechen und Staub sollst du fressen“ ist nur ein anderer Ausdruck für den automatisierten Objektbezug (den apriorischen Objektbezug der transzendentalen Logik). Ist es nicht diese Schlange, die am Boden der Tatsachen klebt („die Welt ist alles, was der Fall ist“)?
Die Schlange ist die Verkörperung der Leugnung der Umkehr, die Welt ist der Inbegriff dieser Leugnung.
Die Beziehung von Licht und Finsternis, hat das etwas mit dem Entstehen und Vergehen zu tun (mit dem Verhältnis des Lichts zur Gravitation)? Und drückt sich das nicht in den Farben aus?
Wenn die Fische auf die Wasser unterhalb des Firmaments bezogen sind, sind dann die Vögel auf die Wasser oberhalb bezogen?
Der Turm zu Babel, der bis zum Himmel reicht: war das die Astrologie?
Sind nicht die modernen, nach-einsteinschen Kosmologien (wie zuvor schon die sogenannten nicht-euklidischen Geometrien) Nachfahren der ptolemäischen Epizyklen – auf der Basis der kopernikanischen Wende?
Kommen Leviathan und Behemoth nicht auch im Buch Jonas vor: als der große Fisch (bei der Flucht nach Tarschisch) und als „so viel Vieh“ in Ninive?
Der Herrschafts-, Schuld- und Verblendungszusammenhang hängt mit den drei Dimensionen des Raumes zusammen: mit der Beziehung von
– Im Angesicht und Hinter dem Rücken,
– Gericht und Barmherzigkeit (rechts und links) und
– Oben und Unten (Herrschaft und Gottesfurcht).
Genau hierin gründet der Primat der Ethik, das Konzept der Ethik als prima philosophia.
Prophetie und Sexualität: ein unbearbeitetes Thema (war nicht Jeremias unverheiratet, aber schon „im Mutterschoße“ erkannt; vgl. auch die Ehegeschichte des Hosea sowie den prophetischen Begriff der Hurerei)?
Augustinus, der ausdrücklich darauf verzichtet, im Buche Genesis die „Rätsel der Prophetie“ zu lösen, nimmt damit das Recht der Schlange wahr (und begründet die Allegorie, christliche Sexualmoral und die Höllenlehre).
Labor und Verwaltung; weitere Äquivalenzen: Industrie, Militär, Justiz und Strafvollzug, Schule, Psychiatrie. Definieren sie nicht alle geschlossene Systeme, die aber zugleich alle einander äußerlich sind?
Innen und Außen (rechts und links?): Die Gesinnung verdankt sich der Subjektivierung der exkulpierenden Instanz, die Verantwortungsethik ihrer Objektivierung. Gesinnung und Empörung gehören zusammen (die Empörung ist ein Ausfluß und ein Stabilisator der Gesinnung), beide sind zusammenhängende Quellpunkte einer selbstzerstörerischen Dynamik. Im Begriff der Verantwortung steckt die Beziehung auf eine äußere (richtende, zur Verantwortung ziehende) Instanz. -
29.05.92
Ist nicht die „Gottesruhe“ (Augustinus), das selige Ruhen Gottes in sicher selber, die Kehrseite des Gottesschreckens, den der „selige“ Gott in der Geschichte des Christentums nach außen verbreitet hat?
Hinweis des Augustinus darauf, daß das Kreuzeswort Jesu „Es ist vollbracht“ und die anschließende Grabesruhe dem Ende des Schöpfungswerks und der Ruhe am siebten Tag korrespondiert. Ergibt sich daraus nicht der natürliche Schluß, daß das Christentum insgesamt dann den drei Tagen im Grab (dem Zeichen des Jona) entspricht?
Neutralisiert die Unterscheidung der Erkenntnis vor, in und nach der Sache (die spätere analogia entis) nicht die Bedeutung der Umkehr für die Erkenntnis (Herrschafts-, Schuld- und Verblendungszusammenhang), den Begriff der Prophetie (Grund seiner Umwandlung in Allegorie)?
Es gibt kein Feindbild ohne projektives Element. Und der Götzendienst hat genau diese Funktion: das projektive Element abzustützen, das Feind- (und Herren-)denken zu exkulpieren. In der Philosophie wird dieses projektive Element über den Begriff der Materie, in der Theologie durch die Allegorie, die Vorstellung des Teufels und der Hölle und durch den Zusammenhang von Bekenntnis und Frauenfeindschaft, in der objektiven Realität selber verankert (Grundlage und Reflex des Weltbegriffs).
Die Unterscheidung von Gesinnungs- und Verantwortungsethik gehört zum System der transzendentalen Logik; sie unterliegt selber der moralischen Urteilslust, dem Empörungs-, dem Feinddenken, die sie in der Gesinnungsethik denunziert. Die bloße Gesinnung ist in der Tat bloß Ausdruck des ohnmächtigen Exkulpationswunsches, der durch die Verurteilung des andern glaubt, sich selbst reinwaschen zu können (Sündenbockmechanismus). Sie kommt zu sich selber erst im Verzicht auf Exkulpation: im Kontext der Gottesfurcht. Diese neue Gestalt der Gottesfurcht war das Feuer, das Jesus auf die Erde bringen wollte, und von dem er wünschte, es brennte schon.
Die Vergegenständlichung des Lichts ist mit der Elektrodynamik erkauft. Das am ersten Tage geschaffene Licht hat weniger mit dem physikalischen Objekt als vielmehr mit dem Beginn (der Potenz) der Einsicht zu tun. Das Licht ist das Medium des Angesichts. Extreme des Angesichts: das Lachen und der Schrecken.
Das ist der entscheidende Einwand gegen Heidegger: es gibt keine objektlose Angst; oder anders: es gibt keine Angst ohne Objektbezug. Insofern ist die Angst ein Sinnesimplikat der transzendentalen Logik (ihres apriorischen, aber leeren Objektbezugs) und vom Geltungsbereich der Begriffe Natur und Welt nicht abzulösen. Gegenstand der Angst ist der Tod; und die heideggersche objektlose Angst ist ein Produkt seiner „Entschlossenheit“, des „Vorlaufens in den Tod“, sie ist der Preis für die „Eigentlichkeit“. Der Tod wird immer nur als Tod anderer erfahren. Der eigene Tod ist nicht erfahrbar. Soweit ich mich im eigenen Tod erfahre, erfahre ich mich nur durch Reflexion: als Anderer für Andere. So ist die „Erfahrung“ des eigenen Todes nur ein Sinnesimplikat meines In-der-Welt-Seins. Aber: Stark wie der Tod ist die Liebe. Und Adornos Satz: Heute fühlen sich alle ungeliebt, weil keiner zu lieben fähig ist, wäre insoweit auch auf diese Beziehung von Angst und Tod anwendbar. – Ist die heideggersche „Entschlossenheit“ nicht doch nur der Kult des Selbstmitleids?
Stark wie der Tod ist die Liebe: Schließt das nicht eine neue Gestalt der historischen Erkenntnis mit ein, nämlich als Erinnerungs- und Trauerarbeit. Und ist nicht diese Erinnerungs- und Trauerarbeit im Credo vorbezeichnet in dem Satz: abgestiegen zur Hölle.
In der objektlosen Angst, in der Entschlossenheit und in dem Vorlaufen in den Tod, sowie im Begriff der Eigentlichkeit hat Heidegger etwas von der Innenerfahrung der Arbeit des Begriffs erhascht.
Hoffnung ist uns allein um der Hoffnungslosen willen gegeben: das ist der Anspruch, den die Toten an uns haben.
Entspricht nicht der Feste oben (zweiter Tag) das Trockene unten (dritter Tag)?
Sed libera nos a malo, muß das nicht heißen: sondern befreie uns von der (von unserer) Bosheit.
Kritik des Dogmas, oder die Entkonfessionalisierung der Kirche.
Der Unsterblichkeitsglaube hat das Selbsterhaltungsprinzip in die Theologie eingeschmuggelt.
Hat der Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen etwas mit dem Geld (mit der erkenntnisleitenden Funktion des Geldes in der durch Eigentum definierten Gesellschaft: mit der Geltung des Selbsterhaltungsprinzips) zu tun?
Sind nicht die drei Verleugnungen des Petrus eigentlich Identifikationen mit dem Aggressor, d.h. gleicht Petrus sich nicht durch die Verleugnungen dem anklagenden Prinzip, das von der Magd des Hohepriesters und den Umstehenden vertreten wird, an (bis hin zur Selbstverfluchung)? Beginnen die Verleugnungen nicht mit der Opfertheologie, mit der falschen Übersetzung des „tollere“ im „ecce, qui tollit peccata mundi“ (und ist die Figur des Täufers in diesem Zusammenhang auch typologisch zu begreifen: ist er der Hahn; Geschichte des Herodes; Verhältnis von Wasser- zu Geisttaufe)?
Die Feindesliebe und die Erneuerung des Antlitzes der Erde.
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