Wasser

  • 03.04.92

    Es hat Zeiten gegeben, in denen Eltern ihre Kinder und Könige ihre Untertanen in der dritten Person Singular anredeten. Umgekehrt durften die Untertanen den König nur in der dritten Person Plural ansprechen (ähnlich die Kinder ihre Eltern). Diese Anrede in der dritten Person Plural ist im Prozeß der Vergesellschaftung von Herrschaft mit vergesellschaftet worden. Steckt in dieser Kollektiv-Anrede nicht die (durch die Institution des Königs vermittelte, dann im Christentum institutionalisierte) Anerkennung der Welt (als Kollektivsubjekt aller objektiven Urteile).
    Im Englischen ist es das wechselseitige „you“, die zweite Person, die sowohl im Singular wie im Plural verwandt wird. Hängt das Kollektiv-Du mit dem englischen Empirismus zusammen?
    Was ist der Unterschied zwischen Kollege, Kamerad und Genosse?
    Das katholische pokerface, diese harten, verschlagenen Gesichter, Produkt eines Religionsverständnisses, das nicht mehr die Schuld auflöst, sondern nur noch das Schuldbewußtsein wegnimmt und deshalb der Reue, der Umkehr nicht mehr bedarf, sie – mehr noch – diskriminiert. Wer büßt, der muß es schlimm getrieben haben. Und Umkehr wird nur noch als Eingeständnis der Schuld verstanden (anders hätte es der Umkehr nicht bedurft), das aber darf um keinen Preis laut werden (Ursprung der Apologetik, mit deren Hilfe immer schon die schlimmsten Untaten gerechtfertigt, und d.h. im Nachhinein begründet wurden).
    Die subjektive Form der Anschauung ist
    – der Angelpunkt, um den sich die Welt dreht,
    – das firmamentum, das die Wasser über und unter dem Firmament scheidet,
    – der Balken, durch dessen Optik hindurch die Splitterforschung betrieben wird.
    Das Poe’sche Bild vom Maelstrom, das Adorno in seinem Kierkegaard-Buch zitiert, realisiert sich im Hegelschen Absoluten (Inbegriff und Modell der Isolationshaft des Denkens).
    Philosophie in Erfahrung übersetzen bedeutet heute insbesondere: endlich den Geburtsfehler der Philosophie begreifen. Die Philosophie ist der Balken im eigenen Auge.
    Vom Splitter und vom Balken: Der Balken, ist das der Baum der Erkenntnis?
    Die Person ist als Objekt, was die Persönlichkeit als Subjekt ist.
    Das Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit rührt von der anderen Seite her an den Begriff der Materie. Es bezeichnet gleichsam dessen Innenseite und macht damit die Naturwissenschaft zur Schale, die zu knacken ist, wenn man an den Kern herankommen will.
    Ist der (christologisch bestimmte) Naturbegriff der (gordische) Knoten, den Alexander bloß durchschlagen hat, und den es jetzt endlich zu lösen gilt?
    Ist der Hahn in der Geschichte der drei Leugnungen eine Metamorphose des über den Wassern brütenden Geistes, der auch vor der Morgendämmerung des ersten Tages erscheint?
    Haben die Wasser oberhalb und unterhalb des Firmaments etwas mit der Gravitation zu tun? Und hat die Feste, die die Wasser scheidet, etwas mit den kantischen subjektiven Formen der Anschauung oder mit dem Inertialsystem zu tun? Steckt nicht in dem kantischen Wort von dem erhabenen Sternenhimmel über mir und dem moralischen Gesetz in mir ein Hinweis auf diese Feste?
    Haben die Wolken des Himmels etwas mit den Wassern oberhalb des Firmaments zu tun?
    Der Balken im eigenen Auge wächst mit der Anpassung an die Welt: Die Welt ist alles, was der Fall ist; d.h. die Welt ist der Abgrund, der die Menschen voneinander trennt, und dem sie in dem Maße verfallen, in dem sie selber der Welt sich anpassen.
    Der descensus ad inferos hat mit der Lösung des Drachens am Ende des Millenariums zu tun (Signatur dieser Epoche).
    Der Unterschied zwischen Genitiv und Dativ ist bei „trotz“ und „wegen“ der Unterschied ums Ganze. (Nach der Duden-Grammatik, Nr. 641, ist der Dativ in der Regel veraltet, regional oder umgangsprachlich: Es wäre nun doch wohl an der Zeit, endlich einmal den Geist der Duden-Grammatik zu bestimmen.)
    Babylon, genauer Ur in Chaldäa (die Schuldknechtschaft), ist der Ursprung der Hebräer, Ägypten (das Sklavenhaus) ihr natürliches (unerlöstes) Telos.

  • 01.04.92

    Gleichnamigkeit des Ungleichnamigen: Grund des Selbstmitleids (Symbol des Kelches, Getsemane, unbekehrtes Christentum); der verandernden Kraft des Seins: das Eine ist das Andere des Anderen. Unvermeidbarkeit unter den Bedingungen des Nominalismus (der Vorstellung des unendlichen Raumes). Erste reale Anwendung: das newtonsche Gravitationsgesetz. Verhexung Gottes, der Natur und der Menschen. Anwendung auf die Naturphilosophie: erstes Opfer das Licht, das einzige direkt durchs Wort Geschaffene?
    Erkennbar ist die Gleichnamigkeit des Ungleichnamigen im Kontext von Schuld, Verdacht und Empörung (und hier liegt zugleich der Grund der Mathematik). Indiz für den Stand der Dinge sind die Erkenntnisse von Marx und Freud, die als Wissenschaften des Verdachts seit je Empörung provoziert und auf sich gezogen haben (Beweis des flüssigen Charakters der Schuld).
    Modell der Gleichnamigmachung des Ungleichnamigen: die Abtreibungsdebatte (Beispiel für das Verfahren der Verschiebung und Projektion: Zusammenhang mit der Raumvorstellung).
    Die praktische Bedeutung der Marxschen und Freudschen Theorien (proletarische Revolution und Psychoanalyse als Therapie) ist sicherlich zu Recht umstritten, nicht aber die theoretische Bedeutung, ihre originäre Beziehung zur „Sünde der Welt „; und praktische Bedeutung hat weiterhin der Umgang mit diesen Theorien: ihre Abwehr führt genau in jenen Bereich (der Schuld) herein, der von ihrer Kritik getroffen wird.
    Biblische Elementenlehre: Hier sind die „Elemente“ die Buchstaben der Schrift; aber welche Bedeutung haben Erde (und Himmel), Wasser (unter und über dem Firmament), Luft (pneuma, ruach) und Feuer (fire next time)?
    Der Begriff des Volkes bezeichnet die Schicksalsgemeinschaft, der der Nation die Sprach-Gemeinschaft (unterm Gesetz des Inertialsystems die „Rasse“-Gemeinschaft: Grund in der Trinitätslehre nach der Verknüpfung von Logos und Zeugung?), oder die Rechtsgemeinschaft (Bund, Vertrag, Verfassung)?
    Num 2420: Amalek war das erste unter den Völkern, doch es endet im Untergang.
    Zum Begriff der Welt vgl. Deut 2849f: Der Herr trägt zum Kampf gegen dich ein Volk aus der Ferne herbei, von den Enden der Erde, das wie ein Adler herabstößt, ein Volk, dessen Sprache du noch nie gehört hast, ein Volk mit unbeweglichem Gesicht, das sich dem Greis nicht zuwendet und für das Kind kein Mitleid zeigt.
    Das Bekenntnis ist die genaue Umkehrung des anklagenden, richtenden Denkens. Beide beziehen sich auf die gleiche Schuld, nur mit dem Unterschied, daß das (objektivierende) anklagende, richtende Denken diese Schuld nach außen projiziert und so sich selber in den Schuldzusammenhang verstrickt, während das Bekenntnis (als Bekenntnis zum messianischen Namen) seinen Anteil an der Auflösung des Schuldzusammenhangs durch die (messianische, parakletische) Übernahme der Sünde der Welt wahrnimmt. Dieses Bekenntnis ist dem anderen genau entgegensetzt: die entfremdete Bekenntnislogik hat das objektivierende, anklagende und richtende Denken zur Voraussetzung. Es ist mit ihm wesensgleich und verhärtet, stabiliert es zugleich. Das wirkliche Bekenntnis konstituiert sich in der Umkehr des entfremdeten als Gottesfurcht.

  • 30.03.92

    Der Dativ bezeichnet den Adressaten der Gnade, der Barmherzigkeit, des Schenkens, der Akkusativ den des Gerichts, der Genitiv das Subjekt-Objekt der Herrschaft und des Eigentums. Abgedeckt wird in der Sprache das Verhältnis von Rechts und Links, Oben und Unten, während das Verhältnis von Im Angesicht und Hinter dem Rücken innersprachlich (außer an der Qualität eines Textes) nicht sich nachweisen läßt, dafür aber an den Grund der Sprache selbst rührt.
    Ist nicht die Gründung des Staates Israel, zu der es keine Alternative gab, ein weiteres Indiz für den Rückfall in Naturgeschichte, für einen Zustand, der gleichzeitig dadurch bezeichnet ist, daß nach dem zweiten Weltkrieg ein Friedensvertrag in Europa nicht mehr möglich war. (Lassen sich die Bedeutung und die Folgen des Zusammenbruchs des „real existierenden Sozialismus“ auch im Hinblick auf die innere Entwicklung Israels ermessen? Wäre es denkbar, daß der Islam als gleichsam naturgeschichtlicher Erbe die Nachfolge des Ostblocks antritt?)
    Ein Friedensvertrag, eine neue Grenzsetzung, war nach Auschwitz deshalb nicht mehr möglich, weil zum Verfahren der „Endlösung“, des Holocaust, auch die Instrumentalisierung der Grenzfrage gehörte: Bevor sie umgebracht wurden, wurden die Juden (durch einen Gesetzesautomatismus) staatenlos gemacht und dann jenseits der Grenzen des Reiches vernichtet (vgl. Hannah Arendt).
    Das homousia ist nicht nur eine Manifestation des cäsarischen Gewaltmonopols, sondern seit seiner konstantinischen Dogmatisierung der Rechtfertigungsgrund des Gewaltmonopols des Staates (Grenz- und Wasserscheide der Zivilisation).
    Daß „die Theologie heute klein und häßlich ist und sich ohnehin nicht darf blicken lassen“ (Walter Benjamin), hängt mit der Geschichte des Zerfalls der staatlichen Strukturen (Faschismus, Holocaust, Unmöglichkeit eines Friedensvertrages nach den Weltkriegen), dem Rückfall in Naturgeschichte, der Unmöglichkeit, ökonomische Macht nochmal zu domestizieren, und dem damit (mit dem Zerfall des Staates) zusammenhängenden Zerfall der Logik, des argumentativen Denkens, zusammen. Adornos Bemerkung, daß die Studenten heute nur noch heraushören, wofür oder wogegen einer ist, sonst aber an sachlicher Argumentation nicht mehr interessiert sind, hat darin ihr fundamentum in re.
    Die Menschen können den Gedanken an Gott, unabhängig von den damit begründeten gesellschaftlichen Institutionen, Normen und Abhängigkeiten, nicht mehr denken, weil sie ihn nicht mehr ertragen: Die darin (in der Gottesfurcht) liegende Autonomieforderung, die nicht mehr zuläßt, sich hinter der kollektiven Absicherung eines Bekenntnisses (zur Konfession, zum Staat) und d.h. hinter dem Weltbegriff, auf dessen Sanktionierung jedes Bekenntnis hinausläuft, zu verstecken, ist nicht mehr zu erfüllen.
    Begriff und Schluß sind durchs Urteil vermittelt, beide drücken die Gewalt des Schuldzusammenhangs aus.
    Ambivalenz des Bindens und Lösens: Auch das Millenarium ist eine Geschichte des Bindens und Lösens; es gründet im Binden des Drachens und endet mit seiner Lösung. Aber die Dialektik des „je schlimmer, umso besser“ (die Säkularisierung der Lehre vom Antichrist) dürfte nach dem Faschismus nicht mehr zu halten sein.
    Das Heideggersche „In-der-Welt-Sein“ bezeichnet den Ursprungs-und den Wendepunkt der Bekenntnislogik, ihren irreversiblen Verfall an die Ambivalenz.
    Hält nicht die Ilias und Odyssee, eigentlich das Epos überhaupt (wie das Gilgamesch-Epos, die Aeneas und auch das Nibelungenlied) die entscheidende Phase der Ursprungsgeschichte des Patriarchats (des Privateigentums, der Ehe, des Geldes und der Schrift) fest: die Geschichte der vaterlosen Söhne und ihrer Auseinandersetzung mit den Müttern? Und gibt es eine Beziehung zwischen Sodom und Gomorra und der Geschichte von Troja?
    Zusammen mit der Entdeckung der Flächengeometrie (des Winkels) entsteht die menschliche Skulptur, zusammen mit der Geometrie des Raumes (der Entdeckung der Perspektive und des Inertialsystems) das Portrait.

  • 25.03.92

    „Vom Fresser kommt Speise, vom Starken kommt Süßes“ (Ri 1414), oder zur Kritik des Darwinismus: Das wirkliche Fressen und Gefressenwerden findet nicht mehr in der Natur, sondern in der Gesellschaft statt und läßt sich an der Veränderung der Funktion des Gebrauchswerts demonstrieren: Es gibt keinen Tausch- ohne Gebrauchswert, und zu den Gebrauchswerten zählen nicht mehr nur so schöne Dinge wie der Gänsebraten, der Wein und das schöne Kleid, sondern auch die Arbeitskraft und das „sinnliche Ding“, die Frau. Und Konsumenten sind nicht nur die heute so genannten „Endverbraucher“, sondern die instrumentalisierten Produkte selber: vorab das „Instrument an sich“, der Staat, aber auch jeder Betrieb, der Arbeitskräfte und know how konsumiert, sowie die Wohnung und die dauerhaften Gebrauchgüter, insbesondere die technischen Geräte, die Wasser, Energie und die Erhaltungs-, Renovierungs- und Wiederbeschaffungskosten konsumieren. Das Auto ist heute schon teurer und wichtiger als Kinder (die tendentiell zu „unnützen Essern“ werden: Grund der sinkenden Geburtenrate). Wir füttern die Maschinerie, die uns ernährt, und ihre Unterhaltung wird langsam so teuer, daß die Frage, wie lange wir sie uns noch leisten können, nur deshalb nicht gestellt wird, weil keine Alternative sichtbar ist. Sofern es daran liegen sollte, daß etwas den Blick verstellt (Grund des Verblendungszusammenhangs), wäre auf den Inbegriff der instrumentalisierten Produkte hinzuweisen: auf den Begriff der Welt. Transzendentales Subjekt dieser Welt ist die subjektlose (gleichsam tierische, behemothische) Maschinerie, nachweisbar an der logischen Konstruktion des Wertbegriffs, den Robert Kurz nur deshalb mit dem „schlechthin Guten“ in Verbindung bringen kann, weil er das Subjekt zu dem im Wertbegriff versteckten Urteil: die Welt, nicht sieht.
    Nochmal Ri 1414: Kurzfassung der Kritik der politischen Ökonomie des Faschismus.

  • 21.03.92

    Sprachen, Völker und Nationen: Wie heißen diese Begriffe im Urtext, und welche Differenzen drücken sich in diesen Begriffen aus? Verdankt sich die Neigung, Sprachen mit Völkern (vgl. Sumerer, Hebräer, Indogermanen u.ä.) gleichzusetzen, nicht der gleichen Logik, der sich jegliche Verdinglichung, bis hin zur Atomphysik, verdankt (Futur II als innersprachliche Voraussetzung der Hypostasierung, des hypokeimenon)?
    Zum Fall Drewermann: Unter christlichen Prämissen lassen sich aus dem Opfer-Sein ohne blasphemische Konsequenzen keine Rechte ableiten. Die Vergöttlichung des Opfers ist nicht übertragbar, weder auf die Natur, noch auf das leidende Subjekt.
    Drewermann ruft die Welt zum Zeugen seiner Anklage gegen die Kirche, die in seinem Falle allerdings nicht nur Täter ist, sondern zugleich Produzent der Welt, an die er appelliert.
    Sündenfall, Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen, Urteilsform, Objektivation und Instrumentalisierung, Inertialsystem, Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit. Und das Licht ist das erste und das einzige Erschaffene, das rein durchs Wort erschaffen worden ist.
    Es gibt einen Trost, der einen Angriff auf die Würde des Menschen darstellt: es ist der Trost, der davon ausgeht, daß den Menschen die Wahrheit nicht zugemutet werden darf (der Trost der Ärzte und der Theologen).
    Die Frage der Frauen: Wer wälzt den Stein vom Grabe? hat auch einen geschichtstheologischen Aspekt.
    Der Logos konstituiert sich in seiner Beziehung zur Sünde der Welt. Wird Gottes Wort gelesen, nicht gehört, ist es Schrift, nicht gesprochenes Wort? Was trennt das Angesicht Gottes von dem der Menschen (seinem Abbild), und worin liegt die tödliche Gefahr des „von Angesicht zu Angesicht“? (Was unterscheidet das Antlitz vom Angesicht? – Vgl. das „Antlitz deines Gesalbten“, Ps. 8410, „Denn deinetwegen trage ich Hohn, hat Schande bedeckt mein Antlitz“, Ps. 698, und das Angesicht Gottes, des Herrn, Adams u.ä.)
    Die Ersetzung der „Übernahme“ (der Sünde der Welt) durch „Hinweggenommen“ ist eine Konsequenz aus der Bekenntnislogik, ein Teil ihrer verdinglichenden Gewalt. Es begründet zusammen mit der Opfertheologie, zu der es gehört, die Bekenntnisbindung, die sich aus der Bekenntnislogik herleiten läßt. Ist es diese Bindung, deren Lösung der Kirche heute aufgegeben ist (gordischer Knoten und Weltbegriff).
    Hegels Satz „Das Eine ist das Andere des Anderen“ ist nur dann wahr, wenn der Bruch, der darin sich ausdrückt, festgehalten wird. Es stimmt: Das Eine ist das Andere des Anderen, aber es geht darin nicht auf (außer als Totes: Deshalb „Laßt die Toten ihre Toten begraben“).
    Wer am positiven Begriff des Rechts festhält, ist hilflos dem Selbstmitleid (der Klage, der objektlosen Anklage) ausgeliefert, dem er verfällt, wenn ihm selber Unrecht geschieht. Adornos Satz: „Heute fühlen sich alle ungeliebt, weil keiner zu lieben fähig ist“, bezieht sich genau auf diesen Sachverhalt.
    Das Ewige ist versprengt, und der Sprengsatz war die Trinitätslehre als Statthalter der Subjektivität im Ewigen.
    Die kantische Lehre von der Subjektivität der Form der äußeren Anschauung gehorcht, ohne es zu wissen, dem Nachfolgegebot („Nehmt euer Kreuz auf euch …“).
    Kants Philosophie ist eine Wasserscheide im Sinne des zweiten Schöpfungstages.
    Konstantin ist insoweit der Erbe Alexanders, als auch er mit seinem Eingriff im Konzil von Nizäa (?) den „gordischen Knoten“ (der hier näher bestimmt wurde, als das homousia in die Theologie eingeführt wurde) nachmals durchschlagen hat.
    Während in den Genealogien die Generationen-Beziehung auf die Zeugung reduziert wird, und die Mütter verschwiegen werden, sind sie in der Jesus-Geschichte vom Johannes wieder benannt worden im Begriff der Welt. Die Übernahme der Sünde der Welt reflektiert den mütterlichen Anteil an der Trinitätslehre. In der materia die mater heraushören, heißt den feministischen Anteil an der Philosophie und Theologie wieder in seine verlorene Würde einsetzen (vom „Weib, was habe ich mit dir zu schaffen“ bis hin zum „Siehe da deine Mutter“).
    Hegels Wort, daß die Idee die Natur „frei aus sich entläßt“ stimmt in mehrfacher Hinsicht:
    a) Historisch: Voraussetzung der Vergegenständlichung der Natur, des Ursprungs der Naturwissenschaften, ist die Geschichte der Vergegenständlichung, die sich durch die Geschichte der Philosophie und Theologie hindurchbewegt. Und
    b) Begrifflich-strukturell: Das, was dann als Naturbegriff hervortritt, hat Anteil am christologischen Vorurteil, in den Naturbegriff geht die Logik der Vergöttlichung des Opfers mit ein, die in der dogmatischen Theologie System geworden ist.
    Der Name des Logos ist auf die jüdische, nicht auf die griechische Tradition zu beziehen, auf die benennende Kraft der Sprache, nicht auf die objektivierende, subsumierende Gewalt des Begriffs.
    Ich habe die Richter eigentlich immer als das jüdische Pendant zu den griechischen Heroen verstanden. Und mir scheint, der „Triumph der Ironie“ ist die genaue jüdische Antwort auf auf die griechische Vergöttlichung des Heros.
    Zum theologischen Gebrauch des Begriffs der „gefährlichen Erinnerung“: Gefährlicher als die Erinnerung ist das Nicht-Erinnern, das Verdrängen.
    Die Ontologie – und vergleichbar ist das Kopenhagener Physik-Verständnis – läuft auf eine Beziehung zur Welt hinaus, die den Vorteil hat, daß sie den Betrachter (d.h. nur für sein eigenes Bewußtsein, als Schein) in den Stand der Unschuld versetzt: Daß man die Last der Verantwortung auf das Sein abwerfen und sogar das eigene Handeln in ein neutrales Geschehen, in ein Objekt des Zuschauens verwandeln kann. Das Sein ist der Sündenbock, und deshalb göttlich. Damit hängt die Funktion der Fundamentalontologie bei der Genese und Erhaltung des „pathologisch guten Gewissens“ und der Gemeinheitsautomatik zusammen; die Fundamentalontologie ist aus ihrer eigenen Logik heraus faschistisch und antisemitisch.
    Der „Kampf gegen den inneren Schweinehund“ war das subjektive Korrelat des Antisemitismus und der Endlösung. Wenn Israel der Augapfel Gottes ist, dann ist der Antisemtismus der Kampf gegen das eigene Gewissen.
    Heute ist schon das nackte Überleben blasphemisch.
    Gibt es eine innere Affinität des Derridaschen Konzepts der Dekonstruktion zum klerikalen Antiklerikalismus Drewermanns? Sind nicht beide abhängig von einem gleichsam „islamischen“ autoritären Text- und Wahrheitsverständnis, von einem schicksalhaften Autoritätsverständnis?
    Es gibt zwei Formen der Beziehung von Texten zu Handlungen („Theorie und Praxis“). Entweder die Texte eröffnen den Freiraum für die Umkehr, oder sie sind Rechtfertigungen vergangener Handlungen. Diese zweite Form der Beziehung wird fälschlich immer wieder (zuletzt bei Derridas Lektüre von Benjamins „Kritk der Gewalt“) als Kausalbeziehung von Texten zu Handlungen verstanden, die es jedoch so nicht gibt. Was so aussieht, ist nur die weiter wirkende Rechtfertigung von Handlungen, die sich aus anderen Ursachen: insbesondere aus undurchschauten Zwängen herleiten. Und was man solchen Texten vorwerfen kann, ist nur, daß sie nicht geeignet waren, diese Zwänge aufzulösen. Überzeugen ist unfruchtbar.
    Die Naturwissenschaften sind ein Korrelat der ohnmächtigen moralischen Urteilslust, der Empörung. Beide, die moralische Urteilslust und die Empörung, sind Instrumente der Rechtfertigung, der Exkulpation, des Schuldverschubsystems und der Gemeinheitsautomatik, und hängen insoweit mit den Naturwissenschaften zusammen

  • 13.03.92

    Das Kommen des Messias im „Zeichen der Fische“ (S. 183).
    Wie hängen
    – Welt, Mensch, Gott
    – Herrschafts-, Schuld- und Verblendungszusammenhang
    – Begriff, Urteil, Schluß
    – Verdrängung, Verschiebung, Projektion (das Instrumentarium des Verdachts)
    mit der Struktur des Raumes zusammen?
    SUPER und BILD scheinen die Funktion zu erfüllen, dem ungeheuren Entlastungsbedürfnis der zweiten Schuld die Opfer vorzuführen, an denen die Last per Projektion abgeführt werden kann, wobei in BILD das objektive Moment (die Präsentation der Bilder) anklingt, während SUPER das energetische Moment bezeichnet: SUPER erinnert nicht zufällig an Super bleifrei, Super plus, oder auch an Warenbezeichnungen für den gehobenen Konsum, oder einfach an das räumliche super im Sinne von Über: von Urteil, Empörung und Erhebung, an.
    Beziehung zu Tratsch und vergifteter Nachbarschaft, Zusammenhang mit den Serien, die künstliche Nachbarschaften für Voyeure produzieren.
    BILD und SUPER industrialisieren den Tratsch: die bewußte und organisierte Verletzung des achten Gebots (Du sollst kein falsches Zeugnis geben wider Deinen Nächsten); sie sind der vergeistigte Erbe der Gladiatorenkämpfe (hier werden die Opfer den wilden Tieren vorgeworfen, zu denen man selber gehört). Sie sind der zwangshaft immer wieder neu zu führende Beweis, daß Gemeinheit kein strafrechtlicher Tatbestand ist.
    BILD-Lesen und Jogging erfüllen vergleichbare Aufgaben.
    Hitler hat den Krieg durch seine Niederlage gewonnen; ähnlich scheint es jetzt mit der sogenannten Stasi-Diskussion, der BILD und vor allem SUPER zuarbeiten, zu laufen.
    Heute stellt die Kirche nicht nur ihr Licht unter den Scheffel, sie betet den Scheffel an.
    Die Vorstellung des unendlichen Raumes ist die Grundlage und das genaue Äquivalent dessen, was Heidegger das „Vorlaufen in den Tod“ nennt. Sie schafft die Identität von Empörung und Niedertracht, die die Heideggersche Geworfenheit zu einem Euphemismus der Verworfenheit macht.
    Nach Kopernikus und nach Kolumbus, d.h. nach der Entdeckung des heliozentrischen Systems und der empirischen Bestätigung, daß die Erde rund ist, wird mit dem Begriff des Innen nur noch die Hölle bezeichnet.
    Hängt der Ursprung der Vorstellung des Raumes mit der zweifachen Scheidung zusammen: des Lichts von der Finsternis und der Wasser oberhalb von denen unterhalb des Firmaments?
    Das „no pity for the poor“, das Adorno e.a. zufolge zu den Strukturmomenten des autoritären Charakters gehört, ist – theologisch gesprochen – Produkt der Verdrängung der rechten Seite (der Gnade und der Barmherzigkeit).
    In drei Bereichen scheint die naturwissenschaftliche Forschung irre Züge anzunehmen: in der Raumfahrt, in der Atomphysik und in der industriellen Chemie-Forschung (einschl. Genforschung). -Zusammenhang von Forschung und technischer Nutzung (Selbsterhaltung, Objektivation und Instrumentalisierung) an den Grenzen des Systems.

  • 03.03.92

    Der Kerub mit dem kreisenden Flammenschwert: Genesis des Hinter dem Rücken?
    In der Mathematik drückt sich der „Name“ im Bruch aus, im „Nenner“: in der Beziehung auf die Einheit, auf das Maß. Welche Bedeutung hat dieser Zusammenhang für die Sprache?
    Anzahl, Maß und Gewicht: Anzahl ist die auf sich selbst bezogene Einheit, das Maß die Einheit für andere; aber was ist das Gewicht? – Anzahl, Maß und Gewicht sind die Grundlage, das gegenständliche Korrelat des Tauschprinzips.
    In welcher Beziehung steht der Prophetenspruch des Jonas „Noch vierzig Tage und Ninive wird zerstört“ (34) zu seinem Auftrag „Geh nach Ninive, in die große Stadt, und droh ihr an! Denn die Kunde von ihrer Schlechtigkeit ist bis zu mir heraufgedrungen“ (12).
    Religion als Ablenkung.
    Das Angesicht oder das hörende Auge.
    Der Himmel ist im Anfang erschaffen; danach erschuf Gott die Feste, die das obere von dem unteren Wasser scheidet; und diese Feste nennt Gott Himmel (Einheit von Ding und Name).
    Die Person ist der Träger des Namens, die aber als Träger sich ausweisen muß, den Beweis führen muß, daß sie einen amtlich legitimierten Namen hat, deshalb einen Personalausweis bei sich führen muß; andernfalls läuft sie Gefahr, zur Feststellung der Identität in Verwahrung genommen zu werden. Was ist der Dogmatisierungsprozeß anderes als diese In-Verwahrung-Nahme zum Zwecke der Identitätsfeststellung? – Was du schwarz auf weiß besitzt, kannst du getrost nach Hause tragen: als Dogma ins Haus des Seins, den letzten Abkömmling des babylonischen Turms (des Tempels und der Kirche).
    Was du auf Erden binden wirst: Der Tempel oder der domestizierte Himmel. Kein Tempel ohne Opfer, kein Opfer ohne Priester.
    Das Sein ist der Inbegriff der Gewalt des richtenden Urteils und Fundament des Weltbegriffs. So hat es Teil am Gewaltmonopol des Staates.
    Die christologische Logik im Naturbegriff, die Logik der Vergöttlichung des Opfers, ist Teil der Schuld-Logik. Sie ist begründet in der Vorstellung von der reinigenden Kraft des Opfers: das Opfer entsühnt.
    Die Begriffe Natur und Welt als Totalitätsbegriffe unterstellen, daß es ein dem Subsumtionsverhältnis des Begriffs korrespondierendes Gesamt der Erscheinungen gibt, m.a.W. daß es ein Universum gibt. Und zwar ein Universum als ein dem Subjekt Gegenüberstehendes, das es dem Subjekt erlaubt, die Rolle des unschuldigen Zuschauers einzunehmen.
    Totalitätsbegriffe wie Welt und Natur enthalten ihre eigene Logik, die sich auch durchsetzt, wenn sie nicht reflektiert, nicht bewußt gemacht wird. Diese Logik wird auch (und gerade) dann adaptiert, wenn sie der Reflexion entzogen wird.
    So wie der Raum sich unter dem Zwang seiner eigenen logisch-mathematischen Struktur theoriebegründend ins Unendliche fortpflanzt und ausdehnt, pflanzt sich das Geld durch seine eigene Tauschlogik praxisbegründend nach allen Seiten fort, dehnt sich als Markt ins Unendliche aus und ergreift alle Dinge. Es sind diese Logiken, die durch die Totalitätsbegriffe Natur und Welt stabilisiert und gegen die Reflexion abgeschirmt werden.
    Daß die Sonne Homers auch uns bescheint, ist wahr und falsch zugleich: Die Sonne Homers war weder die Sonne des Kopernikus noch die des Carl Friedrich von Weizsäcker.
    Das Christentum: eine philosophische Religion, oder die Philosophie Jesu?

  • 02.03.92

    Die historische (altorientalische) wie auch die geologische (vor- bzw. naturgeschichtliche) Chronologie scheinen beide dem Wunsch sich zu verdanken, die dramatischen, wenn nicht katastrophischen Elemente in der Vor- wie in der Naturgeschichte nicht wahrnehmen zu müssen. Die Dehnung der Zeiten verharmlost sie zugleich, gleicht die dynastisch und nach dem Paradigma des späten Nationalismus konzipierten Reichsgeschichten den darwinistischen Zeiträumen der Erd- und Lebensgeschichte an und entstellt beide zur Unkenntlichkeit. Beide partizipieren an der projektiven Sicht, die dem Wunsch der zivilisierten Welt sich verdankt, den vulkanischen Untergrund der nur mit Gewalt befriedeten Verhältnisse zu verdrängen, während es die gleichen objektiven und realen Verdrängungsmechanismen sind, die heute zugleich als Katastrophenbeschleuniger wirksam sind. Keiner wagt hinzusehen, was im letzten Jahrhundert in Bewegung geraten ist, und mit welcher Beschleunigung und in welche Richtung dieser Apparat sich bewegt. Unvermeidbar ist dieses Wegsehen aufgrund des Schuld- und Verblendungszusammenhangs, der den Apparat gegen sein Wahrgenommenwerden schützt. Grund ist der dem Schuld- und Verblendungszusammenhang zugrundeliegende Herrschaftszusammenhang, der das Subjekt in den eigenen blinden Fleck gerückt hat (die Erkenntnis des Guten und Bösen, das Bekenntnissyndrom oder die Gewalt der subjektiven Form der äußeren Anschauung).
    Wer hat wann die Chronologie der Erdgeschichte „entdeckt“, und mit welchen Gründen wurde ihr wissenschaftlicher Erfolg begründet?
    Unsere Theologen scheinen keinen Ausweg aus dem Dilemma zu finden, wenn sie die Theologie als Schauspiel beschreiben, in dem wir gleichzeitig Schauspieler und Akteure sind.
    Jesus werden seine Feinde als Schemel unter die Füße gelegt; Gott selbst aber hat die Erde als Schemel seiner Füße (Ps 1101 und Jes 661).
    Hängt das Wort „Ich bin der Weg“ mit dem Namen der Hebräer zusammen? (Vgl. hierzu die Bemerkung zu Apg 92 in der Neuen Jerusalemer Bibel.)
    Das Angesicht und der Name enthalten den Schlüssel zur Sprachphilosophie.
    Sadok ist der Gerechte, Dan respräsentiert das Recht. So wird der Gerechte vom Richter unterschieden.
    Sind die Wasser oberhalb des Firmaments schon durch die Sintflut abgegolten, so daß vom haschamajim nur noch das Feuer bleibt?
    Wittgensteins Satz „Die Welt ist alles, was der Fall ist“ verweist auch darauf, daß in der Welt das Angesicht bedeutungslos ist. Hierbei ist der Fall das unter den Allgemeinbegriff Subsumierbare, das, was unter einen Allgemeinbegriff „fällt“. Daraus folgt, daß die Welt der Inbegriff aller objektiven Urteile, aller begründeten Prädikate ist. Oder anders: Die Begriffe Welt und Natur gehören zum transzendentalen Apparat, zur Organisation der transzendentalen Logik.

  • 15.02.92

    Ist die Astronomie (die Mathematik, die Entfaltung der Raumvorstellung) die Wasserscheide der Sprachgeschichte (das Zählen ist die Voraussetzung des Begriffs)?

  • 04.02.92

    Haben die „Wolken des Himmels“, auf denen der Menschensohn wiederkommen wird, etwas mit den Wassern oberhalb des Firmaments zu tun?
    Sind die biblischen Nahrungsgebote nicht vielmehr Nahrungsfreigaben; und hat die Freigabe der tierischen Nahrung etwas mit Sintflut und Arche (und mit der vorausgegangenen Bedeckung der Nacktheit des Menschen mit Tierfellen und dem (Tier-)Opfer Abels) zu tun? Gibt es einen vergleichbaren Grund für den christlichen symbolischen Kannibalismus (für das finstere Geheimnis der christlichen Sakramentenlehre)? Ist diese ganze Geschichte ein Teil der historischen „Auseinandersetzung mit der Natur“?
    Die Moralität des Handelns, auch des politischen Handelns, bemißt sich nicht an den Zielen, sondern an den Mitteln. Dem widerspricht die Vorstellung, die Technik (und die ihr zugrundeliegende instrumentalisierte Struktur der Natur) sei „wertneutral“, nur scheinbar; sie verweist vielmehr auf den realen gesellschaftlichen Schuldzusammenhang, in den Natur und Technik heute verstrickt sind, und der nur durch „Übernahme der Sünde der Welt“ zwar nicht sich lösen, wohl aber sich durchsichtig machen läßt.
    Die Naturwissenschaften betrachten alle Dinge von allen Seiten hinter dem Rücken (Schrecken um und um): Was bedeutet hier „Umkehr“?

  • 28.01.92

    Hängt die Unterscheidung von Rechts und Links nicht auch mit der von Plus und Minus (Erfindung der Null als Voraussetzung des Inertialsystems) und mit dem Schuldenproblem in der Geldwirtschaft zusammen (Schuldknechtschaft, doppelte Buchführung)? Erst mit der Vorstellung des unendlichen (homogenen und isotropen) Raumes setzt sich die Herrschaft des Tauschprinzips endgültig durch, wird der letzte Widerstand beseitigt. Im Inertialsystem werden die Dinge von allen Seiten von hinten betrachtet, und mit dem Gravitationsgesetz ist in jeder Richtung unten, gibt es kein Oben mehr, das die Gegenbewegung zum Fall anzeigen würde. Seitdem sind die Gottesfurcht und die Gnade (die Barmherzigkeit) grundlos geworden, und ist die Welt alles, was der Fall ist.
    Die Reversibilität der Richtungen im Raum ist die Grundlage der mathematischen Gleichung. Und die Gleichheit ist eigentlich die von Vergangenheit und Zukunft, die vermittelt ist durch die Vorstellung des unendlichen, homogenen und isotropen Raumes. Hierbei bedeutet die „Unendlichkeit“ des Raumes letztlich, daß die Endlichkeit der Dinge kein Ende hat, und daß alles, was ist, endlich ist.
    Muß nicht die Interpretation der Mikrophysik im Sinne der Kopenhagener Schule (oder zumindest ihrer deutschen Varianten) metaphysiziert, theologisiert werden, um den Widerspruch zu verdecken, der eigentlich einer des (physikalischen und gesellschaftlichen) Systems ist.
    Sind nicht die aristotelischen Topoi (seine Lehre vom natürlichen Ort der Dinge) notwendige Elemente seiner Metaphysik, d.h. einer Metaphysik, die den Begriffsrealismus zur Grundlage hat. Auch der Unbewegte Beweger ist ein topologischer Begriff, die Vergeistigung des Falles, Produkt jenes Kurzschlusses, der das Denken des Denkens vergöttlicht, indem er es zum Gegenstand der Theoria, des Schauens, macht (Ursprung der christologischen Logik).
    Was wir aufgrund einer schlechten Übersetzung die Schriftgelehrten nennen, sind in Wahrheit die Schreiber gewesen, die allerdings zugleich auch Schriftgelehrte waren. Die Trennung beider Funktionen, der Kopisten von den Scholaren, ist mittelalterlichen Ursprungs und setzt die Kanonisierung der Schrift (und der anderen Autoritäten) voraus. War nicht Esra ein „Schriftgelehrter“?
    Die Elemente der Selbstinstrumentalisierung im Tierreich: Der Mensch hat diese Mittel der Selbstinstrumentalisierung (die Hörner, Klauen, Zähne, aber auch die Fisch- oder Vogelgestalt) in seinem Verstand verinnerlicht und in der Hand universalisiert. Sind nicht die Fische und Vögel auf eine sehr viel mathematischere Weise lateral-symmetrisch als beispielsweise die Säugetiere und erst recht die Menschen?
    Bei den Pflanzen ist vorne, rechts und oben identisch: sie kennen eigentlich nur oben und unten (Blüte und Wurzel; sie wurzeln im Grunde und „streben zum Licht“). Bei den Tieren wird die Unterscheidung von vorne und hinten bzw. rechts und links erkauft durch die Unfreiheit noch oben, während für den Menschen oben, rechts und vorne getrennte Dimensionen sind.
    Die Subjektivierung der sekundären Sinnesqualitäten ist nur ein Aspekt der Sache: Die Subjektivierung der räumlichen Dimensionen ist der verdrängte Grund des gesamten Subjektivierungsprozesses. „Da gingen ihnen die Augen auf, und sie erkannten, daß sie nackt waren“: Diese Scham ist der erste Ursprungsreflex des unendlichen Raumes; er hat zur Voraussetzung die Erkenntnis des Guten und Bösen, die Vorform der instrumentalisierenden, vergegenständlichenden Erkenntnis.
    Für die Fische ist das Wasser das Medium der vollendeten Öffentlichkeit: die Fische kennen keine Scham und keine Privatsphäre; die Vögel dagegen haben ihre Nester und ihr Federkleid. (In welcher Beziehung stand die Vogelschau zur Unterscheidung von Rechts und Links?)
    Die Fische und die Vögel bewegen sich in einem dreidimensionalen Medium: im Wasser und in der Luft.
    Weshalb werden bei der Sintflut die Tiere gerettet und dann zu Nahrung freigegeben?
    Im Angesicht, das ist etwas anderes als von Angesicht zu Angesicht. Der Satz „Laß dein Angesicht leuchten über uns“ drückt eher aus, was mit dem „Im Angesicht“ gemeint ist.
    Wer eine Sache hinter ihrem Rücken untersucht (wer „über“ eine Sache forscht), muß mit der Verdachts- und Beweislogik arbeiten und dann auch „hinter“ der Sache nach dem Grund suchen. Alle Hypostasierungskonzepte (imgrunde die ganze Philosophie, die Suche nach den archä) verdanken sich dieser Logik und treiben sie in die Dialektik hinein. Diese Hypostasierungslogik ist ein Motor der naturwissenschaftlichen Aufklärung, sie wirkt nach bis hinein in die Kopenhagener Schule: Die Hypostasierung der „Rätsel“ der Mikrophysik dient nur der Stabilisierung dieser Logik, die ihre letzte Stütze in der Vorstellung des unendlichen Raumes hat. Und diese Logik ist die Herrschaftslogik.
    Wer „eine Frage in den Raum stellt“, sucht keine Antwort, sondern eine „Lösung“: Grundlage des Verwaltungsdenkens (Zusammenhang mit dem Personbegriff).
    Was hat der Caesar, der wie der König (der Gesalbte) in der Heros- und Opfertradition steht, mit der Durchsetzung des Raumes und des Weltbegriffs zu tun, mit der Gewalt, die beide repräsentieren? Wo liegt der Unterschied zwischen der königlichen und der kaiserlichen Gewalt (Zusammenhang mit dem Fernhandel, der Stabilisierung des internationalen Marktes, mit dem Pantheon und der neuen Gestalt und Funktion der Religionen)?

  • 22.01.92

    Hängt der Schicksalsbegriff mit der Zirkulationssphäre (Vorstufe des Begriffs der Ware: „Einsammeln, Lagern und Verteilen“ -Wilfried Nippel: Griechen, Barbaren und „Wilde“, S. 127) zusammen? Vgl. die Bedeutung des Tempels in der Antike, den Begriff des daimon (Zuteiler des Schicksals), den Ursprung des Geldes, schließlich die Verinnerlichung des daimon im Ursprung der Philosophie und der Wissenschaft (Abstraktion, Identität, Vergleich: die „verandernde Kraft des Seins“).
    Verletzt die Theologie heute nicht das Gebot „Du sollst kein falsches Zeugnis geben wider Deinen Nächsten“?
    Hängt die Scheidung der Wasser (durch das Firmament) mit dem Ursprung der Mathematik zusammen. Benannt wird das Firmament! Ist das Wasser (zusammen mit dem Feuer) das eigentlich mathematische „Element“? „Finsternis lag über der Urflut. Und der Geist Gottes schwebte über den Wassern“. Der Himmel (schamajim) ist die Einheit von Feuer und Wasser. Nachdem die Sintflut schon gewesen ist, beim nächsten Mal Feuer? Verhält sich das Licht zum Feuer wie die Schwerkraft zum Wasser (im Schöpfungsbericht kommt das Feuer nicht vor, außer im Namen des Himmels)?
    Liefen die Positionen des bayerischen Staatssekretärs (in der Sendung über Vergewaltigungen am 21.1. abends in hr 3) nicht auf die Verteidigung der Gewalt gegen ihre Diskriminierung hinaus: Seine These, die Strafbarkeit der Vergewaltigung in der Ehe würde die Männer schutzlos gegen unbeweisbare Vorwürfe der Frauen machen, übersieht, daß die Frauen schutzlos der Gewalt von Männern ausgeliefert sind; aber das war unerheblich und interessierte ihn nicht, weil er sich damit nicht identifizieren konnte. Die Gefahr der Diskriminierung von männlicher Gewalt erschien ihm schlimmer. Wahrscheinlich war ihm bewußt, daß damit auch die Legitimierung der staatlichen Gewalt in Gefahr geriet.

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