Die Bewußtseinsgeschichte ist in die politische Geschichte eingebunden: Bezieht sich nicht die große Prophetie auf die Geschichte des Ursprungs der (assyrischen und babylonischen) Großreiche? Die Verinnerlichung des Opfers (und das Ende der Prophetie) ist ein Teil des politisch determinierten Ursprungs des Weltbegriffs.
Bekenntnisfragen sind Machtfragen. Deshalb ist Überzeugen unfruchtbar.
Doppelbedeutung des Seins (und Doppelbedeutung des Sinns, die in der des Seins begründet ist): Die verandernde Kraft des Wörtchens „ist“ gründet darin, daß es das An-sich zu einem Für-mich macht; und das läuft über das Prädikat und den Begriff: seine Eigenschaften machen das Ding (so wie der Begriff das Objekt) verfügbar.
Wenn der speziellen Relativitätstheorie zufolge die Zeit richtungsbezogen ist, wären dann nicht drei (sich wechselseitig durchdringende) Chronologien anzusetzen: durchsetzt mit katastrophischen Zeitbrüchen? Bezieht sich nicht die Geschichte der drei Leugnungen auf diese Zeitbrüche?
Die subjektiven Formen der Anschauung sind Formen der Selbstzerstörung ihrer eigenen Grundlagen: die Form der äußeren Anschauung zerstört das Licht und das Sehen, die der inneren Anschauung die Erinnerung. Beide sind Produkte der Instrumentalisierung des Todes (der Opfertheologie).
Ist nicht die Opfertheologie der Greuel am heiligen Ort (und das Substantiv ein Produkt der Opfertheologie)?
Hängt nicht der Begriff der Allseitigkeit in der marxistischen Tradition mit der Herrschaft des Tauschparadigmas zusammen?
Es gibt keine Verwaltung ohne Kollektivschuld. Die Kollektivschuld ist das Subjekt-Objekt der Verwaltung.
Der Unterschied zwischen Himmel und Erde und der Welt drückt sich auch in ihrer Beziehung zur Schöpfungsvorstellung aus: „Im Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde“. Der Schöpfungstheologie zufolge aber „hat Gott die Welt erschaffen“. Es ist der Unterschied zwischen Imperfekt und Perfekt.
Ziel des „Rechtsstaats“ ist nicht die Gerechtigkeit, sondern die Entsühnung der Welt: die Exkulpation der Bürger.
Wenn nicht Ham, sondern Kanaan vom Fluch wegen der Sünde Hams getroffen wird, ist das nicht das Urteil über die „freie Marktwirtschaft“, aber auf keinen Fall eine Begründung der Apartheid, des Rassismus? Hängt Kanaan mit Merkur und Hermes zusammen?
Der jüdische Tempel war das Haus des Namens Gottes: Rührt nicht die Idee des Heiligen an den Grund der Sprache, an den Grund ihrer Beziehung zur Logik der Schrift? In welcher Beziehung stehen die Ideen des Heiligen und des Ewigen?
Die Vertauschung von Genitiv und Dativ ist an bestimmte Konstellationen, insbesondere an ihre Verknüpfung mit bestimmten Präpositionen gebunden. Kann es sein, daß es hierbei um die Gewinnung eines Begriffs der Objektivität geht, die gegen Begründungsforderungen als immun sich erweist? Für die Medien spaltet die Sprache sich auf in das bloß feststellende, konstatierende Sein und die Meinung dazu. Die Meinung wird aber erst zur Meinung, wenn sie den Anspruch auf eingreifende Kraft leugnet. Die Meinung läßt die Dinge, wie sie sind. Die feststellende Gewalt der kommunikativen Wahrnehmung hebt die Veränderbarkeit (das Flüssige) nicht auf, sondern verdrängt sie bloß. Der Indikativ (die durch die ästhetische Grenze von den Dingen getrennte Sprache des Zuschauers) stabilisiert das Herrendenken, entzieht der Kritik den Boden. Die Trinitätslehre macht Gott zu einem ästhetischen Objekt.
Wenn die Sprache im Namen Gottes gründet, dann hat Gott in der Sprache uns sich selbst offenbart.
Die Ontologie ist die Leugnung der Idee des Heiligen und der des Ewigen zugleich.
Kant
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9.8.1995
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7.8.1995
Die Heiligung des Gottesnamens ist das Korrelat des Leuchtens Seines Angesichts.
Wir haben die ganze Schrift zu einer jenseitigen, schicksalhaften Sache gemacht, während die Schrift insgesamt, einschließlich der Apokalypse, in Wahrheit unters Nachfolgegebot fällt.
Die Bildung des Neutrum hängt mit der Vergegenständlichung des Vergangenheit (der Bildung der Vergangenheit, die dann die Bildung von Futur und Präsens nach sich zieht) zusammen. Hier entspringt zusammen mit dem Begriff des Wissens der Objektbegriff (und in seiner Folge das Substantiv).
In den Medien breitet ein grammatischer Fehler sich aus, dessen sprachlogische Analyse ein Licht wirft auf das journalistische Weltverständnis (und auf einen anderen „Strukturwandel der Öffentlichkeit“): die epidemische Ausbreitung der Verwechslung von Genitiv und Dativ. In einem Fernsehbericht am 6.8.95 zum 50. Jahrestag des Atombombenabwurfs auf Hiroshima wurde „den“ Toten der Katastrophe (anstatt der Toten) gedacht. Das Objekt des Gedenkens erscheint im Dativ anstatt im Genitiv. Es gibt ähnliche (auch umgekehrte) Fälle insbesondere bei der Verwendung von Präpositionen wie trotz, wegen u.ä. Auffällig ist der wie es scheint systematische Effekt: Der Genitiv wird durch einen Dativ, der Dativ durch einen Genitiv ersetzt. Die Verwechslung betrifft generell den Adressaten einer Handlung. Sie scheint mit einer veränderten Beziehung von Schenken und Eigentum zusammenzuhängen: Der Genitiv drückt eine Eigentumsbeziehung, ein Besitzverhältnis, aus, der Dativ nennt den Adressaten einer Gabe, eines Geschenks. Gegenüber Unmündigen wird aber die Gabe, das Geschenk gern als Verpflichtung, als Symbol eines Besitztitels gegen den Beschenkten gebraucht. Bezeichnet dieser Sachverhalt vielleicht eine Grundstruktur des medialen, kommunikativen Umgangs mit der Wirklichkeit? Verweist diese Verwechslung nicht auf einen Defekt in den Grundlagen der Kommunikationstheorie, die die Abstraktion, der die „subjektiven Formen der Anschauung“ sich verdanken, auf die Sprache überträgt? So wie im Begriff der Anschauung vom Gegenblick abstrahiert wird, so abstrahiert der kommunikative Sprachbegriff vom Dialog. Leben nicht die Medien von der Zerstörung des dialogischen Elements in der Sprache: Die Zeitung, das Radio, das Fernsehen sind Medien der Information, der „Nachricht“. Sie schließen die dialogische Beziehung zum Leser, zum Hörer, zum Zuschauer aus. Hier wird der Adressat in kollektive Isolationshaft genommen. Zur gleichen sprachlogischen Situation, der die Verwechslung von Genitiv und Dativ sich verdankt, gehört das fernsehübliche „In der nächsten Sendung sehen wir uns wieder …“, bei dem allen Beteiligten klar ist, daß der Moderator, der Sprecher, der „Ansager“ die Zuschauer niemals sehen wird (außer in der peinlichen einseitigen „Bekanntheit“ der Bildschirmperson auf der Straße, im Geschäft, im Restaurant). Der Film war die astrologische Vorstufe der kopernikanischen Wende der Medienwelt: des Fernsehens. Heute sind die „Stars“ aus den Himmeln des Films herabgestiegen und zu alltäglichen intimen Bekannten aller geworden, in deren Vorstellungswelt sie anfangen, die wirklichen Verwandten und Bekannten zu ersetzen.
In der monologisch gewordenen Sprache der Medien kehrt sich die Beziehung von Dativ und Genitiv um. Grund ist das Werden der Substanz zum Subjekt: die allgegenwärtige, alles durchdringende und alles beherrschende Gewalt des Neutrum.
Hier findet der wirkliche „Strukturwandel der Öffentlichkeit“ statt, der mit den Kategorien der Habermasschen Kommunkationstheorie nicht mehr zu fassen ist. – Paßt dazu nicht der Ausdruck „Wir Deutschen“ (in dem ein ganzes Volk sich selbst zum Objekt wird: und sie erkannten, daß sie nackt waren)?
Ist nicht das Fernsehen Kanaan, der weil Ham die Blöße seines Vaters schaute, zum Knecht seiner Brüder wurde?
Die Vertauschung von Genitiv und Dativ in der medialen Sprachlogik ist ein Ausdruck davon, daß Information, Unterhaltung und Manipulation und Beherrschung der Öffentlichkeit sich nicht mehr unterscheiden lassen (das Fernsehen kann kann Kriege an- und abstellen). Damit hängt es zusammen, daß die Medien immer mehr zur „Hofberichterstattung“ tendieren, offizielle Versionen nachbeten. Die Medien machen die Information zum Drachenfutter: Sie stellen den Staub her, den die Schlange frißt.
Die Vertauschung von Genitiv und Dativ ist eine Konsequenz aus der neutralisierenden Gewalt der Logik der Schrift (die Logik der Schrift und der Ursprung des Neutrum).
Die Abstraktion vom Gegenblick im Begriff der Anschauung, vom dialogischen Grund der Sprache, oder die Abstraktion von der Selbstreflexion im Andern: Zur medialen Sprachlogik paßt eine Theologie, die sich als „Rede von Gott“ versteht und das Evangelium zur „Guten Nachricht“ gemacht hat: Hier gibt es zum Reich der Erscheinungen keine Alternative mehr; hier ist der Name Gottes vergessen. Max Horkheimer hat einmal unter Hinweis auf Hegels „Phänomenologie des Geistes“ gesagt: Wenn das die Wahrheit ist, ist dies (sc. dieses Buch) der liebe Gott; hätte er nicht korrekterweise sagen müssen: so ist dies der Name Gottes?
Licht und Finsternis, oder das sprachliche Wesen des Lichts: Ist der Gegenblick, von dem die subjektiven Formen der Anschauung ebenso wie vom Licht abstrahieren, die Sprache? Und gründet darin nicht das „Leuchten Seines Angesichts“, die Heiligung des Gottesnamens? Ist der Gottesname der Grund der Sprache (und deshalb unnennbar)? – Vgl. Ezechiel, das Hören und Sehen und den Begriff der Vision.
Beitrag zum Weltbegriff, zur Passionsgeschichte und zur Opfertheologie: In der Sprachlogik der Medien erfüllt sich die Logik der Schrift.
Kritik der Schöpfungstheologie: Gibt es nicht eine Querverbindung zwischen der Sprachlogik der Medien und den Allmachtsphantasien der Verwaltung? Schafft nicht diese Sprachlogik (die Ausscheidung der Kritik aus der Sprache durch die Verabsolutierung des Indikativs, die zur Vertauschung von Genitiv und Dativ führt) den Freiraum für die Allmachtsphantasien der Verwaltung, ihre tatsachenschaffende, sprachzerstörerische Definitionsgewalt?
Identifikation mit dem Aggressor: Die Sprachlogik der Medien ist ein Indiz für ihre Selbsteinbindung in die verwaltete Welt. Die gleiche Kapitulation vor der Sprache hat in der Philosophie dazu geführt, daß der erkenntniskritische Impetus der kantischen Philosophie verdrängt worden und nur der affirmative Wissenschaftsbegriff, der durchs Interesse der Selbsterhaltung gestützt wird und zur Automatik der Selbstrechfertigung des Bestehenden gehört, übrig geblieben ist. Die Kräfte der Verdrängung waren stärker als der argumentative Gehalt der kantischen Texte.
Hängt die Vertauschung von Dativ und Genitiv mit der Beziehung von Feststellung und Begründung, Information und Meinung, mit der indikativischen Trennung von Sprache und Realität zusammen? -
6.8.1995
Die Sklaverei ist eine Vorstufe des Handels und der Geldwirtschaft. Die ersten Waren waren die bei Eroberungen erbeuteten Gefangenen. Zur Schöpfung gehört die Folge von Katastrophe und Rettung, erst das Christentum war die Rettung als Katastrophe. Zur Kritik des Tauschprinzips: Der Faschismus verweist auf ein ungelöstes Problem in der Marxschen Kapitalismuskritik. Die Identität des Objekts gründet in der Identität des Vergangenen: Das Wasser unter dem Himmel sammle sich an einem Ort, daß das Trockene sichtbar werde (Gen 19). – Aber verweist nicht die Einsteinsche Zeitdilatation, die auf die Richtungen im Raum getrennt sich bezieht, darauf, daß es diese Identität des Vergangenen nicht gibt? Die Zeitdilatation bezieht sich auf die Grenze zu einer Vergangenheit, die insgesamt nicht ist: auf das Moment des Nichtseins an der Vergangenheit. Zum Begriff des Gesetzes (des Inertialsystems): Verweist nicht die Gesetzesbindung der Verwaltung darauf, daß auch die Verwaltung eine Art Gericht ist: ein Standgericht, das seine Urteile unmittelbar vollstreckt? Die hoheitliche Tätigkeit des Beamten, deren Modell die Tätigkeit der Polizei ist, bezeichnet den Anteil der Verwaltung an einer richtenden Tätigkeit, zu der es in der Regel keine Verteidigungsmöglichkeit mehr gibt. Verwaltungsgerichte sind Revisionsgerichte. Für die einen ist das Recht ein Mittel der Selbsterhaltung, ein Instrument der Berechenbarkeit und Beherrschung gesellschaftlicher Prozesse, für die anderen ist es bloß Schicksal. Durch die Naturschutzmaßnahmen im Mönchbruch werden auch Handlungen als Vergehen definiert, die nicht die Natur, sondern nur die Allmachtsphantasien und das Gesetzesverständnis der Verwaltung berühren. Haben die Israeliten in den Geschichten der Eroberung Kanaans vielleicht erlittene Erfahrungen als eigene Handlungen beschrieben, um so diese Erfahrungen bearbeiten zu können? Ist nicht die ganze Schrift Erinnerungsarbeit (und kein normativer Text)? Sind die „drei Abmessungen“ des Raumes (wie Kant sie nannte) auf die Trinitätslehre versiegelt? Der Staat nimmt die Sünde der Welt hinweg: er erlaubt es seinen Bürgern, ihren Rachetrieb in der Justiz und in den Knästen auszuleben und nimmt die Schuld daran auf sich. So entsühnt er die Welt. Ding und deutsch: Wie hängt die Verdinglichung mit dem Nationalismus (in der Religion: mit dem Fundamentalismus) zusammen? Der Nationalismus ist (wie der Fundamentalismus) ein Schutz vor der Wahrnehmung der logischen Konsequenzen der Verdinglichung: ein Instrument der Verblendung. Ich bin gekommen, Feuer vom Himmel zu holen, und ich wollte, es brennte schon. Ist dieses Feuer das Symbol des Gegenblicks, das die Formen der Anschauung durchbrechende Element (das Feuer im hebräischen Namen des Himmels)? Und ist dieses Feuer die Verkörperung des „Wer“ (und das Wasser die des „Was“)? Und sind nicht die Formen der Anschauungen die logischen Formen des Deiktischen (der Grund des Heideggerschen „Daseins“)? War die Heinsohnsche Revision der Chronologie nur möglich bei gleichzeitiger Abstraktion von der Bedeutung dieser Revision für die Gegenwart? Das heißt: War sie nur möglich unter den Bedingungen des Konkretismus („Venus-Katastrophe“)? Wie hängt im christlichen Begriff der Liebe das passive, das Ich erweckende und konstituierende Element der Empfindung mit dem aktiven Element der tätigen Liebe (der Barmherzigkeit) zusammen? Liegt nicht dazwischen die Passion und Auferstehung? Zu Ez 412ff: Zu den Attributen der Hölle gehörte in der christlichen Tradition immer auch der Gestank. Der Gestank destruiert und vertreibt die Erinnerung. Haben das Riechen und der Geruch (die göttliche Wahrnehmung der Gebete der Heiligen) etwas mit dem ruach zu tun? Hängt nicht die Beziehung von Kot und Geld mit dieser die Erinnerung destruierenden und vertreibenden Gewalt zusammen? Steckt in der Menschenkot-Stelle bei Ezechiel nicht auch noch die Beziehung zur Geschichte des Opfers: zur Ablösung der Erstgeburt des Menschen durch das Rind (nicht der Armen: die wird ausgelöst durch die Taube, die dann zum Symbol des Heiligen Geistes geworden ist)? Das Exil hat den genealogischen und kollektiven Schuldzusammenhang gesprengt, die Verantwortung individualisiert. Der gesprengte Schuldzusammenhang reproduziert sich im Kontext des „dixi et salvavi animam meam“: Die individualisierte Verantwortung ist auf das Ganze bezogen. Gründet nicht die Kommunikationstheorie in der Trennung der Sprache von ihrer erkennenden Kraft, in der Aufzehrung ihres eigenen Grundes? Das war erst möglich im Banne einer vom Neutrum beherrschten Sprachlogik. Ist nicht die Hegelsche Philosophie, wie an der Dialektik von Herr und Knecht in der Phänomenologie des Geistes nachzuweisen wäre, „kanaanäisch“ (Gen 925)? In der Marxschen Transformation der Hegelschen Dialektik drückt sich das im Paradigma des Tauschprinzips aus. Vergewaltigung: Ist nicht die Orthodoxie (das Dogma, das Bischofsamt und das kirchliche Lehramt) eine Verletzung des Rates der Keuschheit, die auch durchs Zölibat nicht aufzuheben ist?
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4.8.1995
Kelch des göttlichen Zorns, das Inertialsystem oder der Ursprung der indogermanischen Sprachen: Wer sich zum Herrn des Raumes macht, wird zum Objekt der Zeit. Das Perfekt ist keine Qualität des Handelns mehr, sondern eine der Zeit: die „vollendete Vergangenheit“.
Transzendentale Ästhetik: Das Reich der Erscheinungen ist der Inhalt des Kelchs.
Wie der Begriff des Ewigen die Vergangenheit von sich ausschließt, so der des Heiligen die Eigentumsfähigkeit, die Verfügbarkeit, die Beherrschbarkeit. Die Idee des Ewigen konstituiert sich in ihrer Beziehung zur Zeit, die des Heiligen in ihrer Beziehung zum Raum. Deshalb gehört zur Heiligkeit die Umkehr. Heiligkeit hat mit den drei evangelischen Räten, mit Armut, Hören und Keuschheit, zu tun.
Die Heiligung des Gottesnamens ist das Abarbeiten der Ontologie in der Theologie. Die Ontologie bezeichnet das Moment der Selbstreferenz in der Philosophie.
Der Säkularisationsprozeß ist die Geschichte der Entfaltung des Eigentumsprinzips, er ist zugleich die Geschichte der Selbstlegitimation des Bestehenden.
Im Modernisiserungsschub des Faschismus ist der beschränkte Untertanenverstand zum Verwaltungsverstand geworden.
Heidegger hat mit seinem Begriff des „In-der-Welt-Seins“ die Distanz, die Kant mit dem Imperativ, daß der Mensch niemals nur als Mittel, sondern zugleich auch als Zweck zu behandeln sei, bezeichnet hat, endgültig aufgehoben, nivelliert, neutralisiert. Dann aber bleibt in der Tat nur das Vorlaufen in den Tod (das die Eigentlichkeit begründet: den verzweifelten Nachhall dessen, was einmal Würde hieß).
Die Paranoia gründet im Eigentumsprinzip.
Gotteserkenntnis, die Erkenntnis, daß Gott den Himmel aufgespannt und die Erde gegründet hat, schließt die Kritik eines Schöpfungsbegriffs, der den Staat und die Welt an einander bindet, mit ein.
Handel, Banken, Verkehr: Das Trägheitsgesetz wird durchsichtig am Modell der Zirkulation, das Gravitationsgesetz an dem des Kredits.
Wo kommt der Name des „Neuen Testaments“ erstmals vor? Wahrscheinlich (zusammen mit dem Begriff des Erben, der Erbschaft) bei Paulus? Wenn nach Paulus die Christen (als „Kinder Gottes“) „Erben des Reiches“ sind, so werden sie hier in die Passivität der Erwartung gebannt, dem Wort vom Binden und Lösen wird die Grundlage entzogen, das Lösen (oder genauer: jede Alternative zum Binden) wird ausgeschlossen. Das „Neue Testament“ steht unter dem Bann der Vergangenheit. Gründet nicht der Name des „Neuen Testaments“ in der Rezeption des Weltbegriffs?
Was bedeutet Hebr 916f: „Denn wo ein Testament ist, da muß der Tod dessen erfolgen, der es errichtet hat; denn ein Testament ist für den Todesfall fest, weil es keine Kraft hat, solange der lebt, der es errichtet hat“? Heißt das, daß Gott tot ist, oder daß Gott von uns durch eine Todesgrenze getrennt ist?
Die List der Vernunft bezeichnet den projektiven Anteil am Begriff der Erkenntnis und des Wissens: die List der Schuldverschiebung, die die Erkenntnis neutralisiert, sie „objektiv“, „für alle gültig“ macht. Die Idee der Wahrheit aber schließt die Fähigkeit zur Schuldreflexion mit ein (und so, im asymmetrischen Kontext der „Sündenvergebung“, auch das des Bekenntnisses).
Bekenntnis und Sündenvergebung: Nur wer zur Kirche (zur Nation etc.) sich bekennt, wird von der Sünde, nicht dazu zu gehören: von der Sünde der Trennung befreit. In dieser logischen Konstellation (die mit der Entstehung der Großreiche – mit dem Ursprung des Staates – sich bildet und in der Prophetie erstmals reflektiert wird) konstituiert sich der Glaube.
Herrendenken: Das Inertialsystem (Repräsentant des Staats in der Natur) trennt Täter und Opfer in der Katastrophengeschichte, trennt die Verursacher von den Objekten (vgl. die sprachlogische Diffenrenz von Sehen und Hören bei Ezechiel). -
22.7.1995
Gewalt verhält sich zur Schuld wie die Natur zur Welt (wie „Dynamisches“ zu „Mathematischem“ bei Kant). So gründet das Gewaltmonopol des Staates im Schuldzusammenhang des Staates, und genau das ist es, was die Nationalisten an den Staat bindet. Der Staat erweckt den Eindruck, er nähme „die Sünde der Welt“ hinweg.
Das Lamm nimmt die Sünde der Welt auf sich, nur der Wolf erweckt des Eindruck, er nähme sie hinweg.
Zu Joh 129: Einmal dem Fehlläuten der Nachtglocke gefolgt; es ist nicht wieder gut zu machen.
Die Physik ist die Grammatik des Inertialsystems.
Das Herrendenken ist die real existierende Blasphemie.
Die Idee der Auferstehung schließt die Vorstellung mit ein, daß alle Toten als unsere Ankläger auferstehen werden.
War nicht die wesentliche Botschaft der kopernikanischen Wende (die auch in der Natur Vergangenheit und Zukunft getrennt, damit den gordischen Knoten endgültig durchschlagen hat): Da ist kein Himmel, da ist kein Buch, in dem alles aufgezeichnet ist: Gott sieht nicht mehr, was wir tun; es gibt kein Eingedenken einer vergangenen Zukunft (nur „Maria bewahrte alles in ihrem Herzen“)?
Der Roman, die Säkularisation der „Spannung“, ist die ästhetische Konsequenz der kopernikanischen Wende, der Film, und dann das Fernsehen, die Erfüllung dieses Säkularisationsprozesses: Die Figur des Zuschauers, die darin sich vollendet, der Schleudersitz, der das Subjekt aus dem moralischen Zusammenhang mit der Realität herauskatapultiert und die Realität insgesamt ästhetisiert, hat die Religion endgültig zerstört.
Das Hebräische kennt kein Neutrum, dafür aber eine (durch ihre Grammatik determinierte) Logik, die die gesamte Erfahrung unter das Gericht der Barmherzigkeit stellte. -
10.7.1995
Die Bekenntnislogik
– ist ein Produkt der Vergesellschaftung von Herrschaft,
– sie instrumentalisiert die Religion, macht sie zur Religion für andere,
– sie verhindert damit apriori die Gotteserkenntnis.
Die Bekenntnislogik und der Weltbegriff begründen sich wechselseitig, zu ihren Ursprungsbedingungen gehören die Unfähigkeit zur Herrschaftskritik und eine rigide Sexualmoral, die die Stelle einnimmt, die die Herrschaftskritik zuvor geräumt hat (Produkt der Umkehrung des Schuldbekenntnisses). Die Bekenntnislogik ist der Kern eines jeden Fundamentalismus.
Die Bekenntnislogik entspringt in der Umkehrung des Schuldbekenntnisses (im Rechtfertigungszwang, in der Apologetik), einem Verfahren der Instrumentalisierung, sie begründet, indem sie das Schuldbekenntnis instrumentalisiert, es reversibel und so technisch beherrschbar macht, das Schuldverschubsystem: An die Stelle des wirklichen Adressaten der Barmherzigkeit oder der Versöhnung: des Armen, des Fremden, des Geschädigten, des Opfers, des „Schuldigers“, tritt eine kollektive Instanz, die Kirche, die Nation, eine Partei, ein Verein.
Die Bekenntnislogik erzeugt (durch Umkehrung der Logik des Schuldbekenntnisses) ihren eigenen Inhalt: Das christliche Dogma (die Opfertheologie, die Christologie und die durch beide definierte Trinitätslehre) ist ihr konsequentester Ausdruck, gleichsam der apriorische Inhalt ihrer transzendentalen Logik.
Das Christentum hat die Bekenntnislogik weder erfunden, noch hervorgebracht; es war ihr erstes, allerdings zugleich auch paradigmatisches Opfer.
Das Substantiv (Grab des gekreuzigten, gestorbenen und begrabenen „Wortes“, Repräsentant der Geschichte des Opfers und Realsymbol der Schuldknechtschaft in der Sprache) oder die Schrift als Spiegel der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen (vgl. Grammatologie, S. 208).
Wenn der Name der heilige Ort ist, dann ist das Substantiv der Greuel am heiligen Ort. (Haben männlich und weiblich etwas mit Begriff und Namen zu tun?)
Hat der „hebräische Sklave“ im Dt und bei Jer etwas mit der „hebräischen Schrift“ zu tun?
Die Dornen und Disteln symbolisieren zusammen mit dem „Gesetz der Profangeschichte“ die Logik der indoeuropäischen Sprachen, der Herrschaftssprache. (Haben nicht auch die Nahrungsgebote einen sprachlogischen Sinn?)
Sprachlogisch begründet die creatio mundi ex nihilo das Gewaltmonopol des Staates, seine „Allmacht“ (die jüdische Religion ist nicht „monotheistisch“, der Monotheismus ist der Erbe der Idolatrie mit universalem Anspruch).
Das Zugrundeliegende ist das Unterworfene (das Objekt der heideggerschen Geworfenheit), es ist reines Substrat von Herrschaft (der Gekreuzigte).
Bieten, beten, bitten: Verbot und Gebot leiten sich her vom Verbieten und Gebieten. Drückt nicht in den Präfixen ein Gestus sich auch?
– Das Präfix ge- bezeichnet den Gestus des Gewährens, des Schenkens;
– be- drückt das Handeln der Welt am Objekt aus: seine Veranderung, seine Verweltlichung;
– ver- ist der Gestus der Vernichtung, der Annihilierung (der „Reinigung“ im Sinne der chemischen Reinigung, der Herstellung von Laborbedingungen, oder auch ihrer gesellschaftlichen Entsprechung: der Subsumtion unter die Verwaltung);
– er-, wie in Erscheinung, Erzeugung, der Gestus des Hervorrufens;
– zer- annihiliert nicht nur, sondern zerstört, zernichtet, zerlegt: es beschreibt das Töten als Produktion von Materie (paradigmatisch ist die Ersetzung des Geistes durchs Gehirn in der herrschenden Sprache, Verkörperungen des zer- sind Institutionen wie Anatomie, Schlachthaus, Konzentrationslager).
Hat nicht die kopernikanische Wende das „prasselnde Feuer“ entzündet, in dem nach dem 2. Petrus-Brief (310) am Ende die Himmel vergehen werden (ist die kantische Philosophie der brennende, die Hegelsche der ausgebrannte Dornbusch)?
Zum Begriff der Blasphemie: Mit den Scheiterhaufen hat das Christentum (als Agent der Welt) den brennenden Dornbusch in eigene Regie übernommen. -
9.7.1995
Die Übersetzung von Kritik ins Konkretistische fällt zurück in das gleiche System, das selber Objekt der Kritik ist. Ist nicht die Barmherzigkeit der blinde Fleck der Schrift, und ist die Schrift das steinerne Herz der Welt, Verkörperung der richtenden Gewalt, das Tier? (Die Grammatologie ist ein apokalyptisches Buch, und es ist nicht auszuschließen, daß Derrida das weiß.) Die Totalitätsbegriffe, die in der kantischen Philosophie erstmals so klar und deutlich hervortreten, gründen in der Logik der Schrift, mit der sie gemeinsam entspringen. Die Logik der Schrift ist die Urteilslogik; deshalb konvergiert die Schrift mit dem „Naturgrund“ der Herrschaft (zu dessen Konstituentien sie gehört). Der Fluch über die Schlange gilt für die Logik der Schrift. Begriff der Theologie: Gottesgerede, Gottesgeschwätz? Dem Nachfolgegebot wurde durch die Vergöttlichung Jesu der Boden entzogen. Die Übernahme der Sünde der Welt ist die christliche Version der Furcht des HERRN, die der Anfang der Weisheit ist. Die Präsenz bei Derrida ist die Präsenz des Objekts im Urteil (das Urteil stellt das Objekt vor Augen: das Prädikat, der Begriff, „öffnet die Augen“). Der Inbegriff dieser Präsenz (deren grammatisches Äquivalent das Präsens ist) ist die Natur.
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8.7.1995
Fundamentalontologie: Der Rachetrieb, das „Wie du mir, so ich dir“, gründet in der Logik des Tauschs, deren Ontologisierung in den Faschismus hineinführt. Gefängnisse gibt es, seit es das Tauschprinzip gibt (seit es Eigentum zu erwerben und zu schützen gibt); der Faschismus hat die Welt insgesamt als das Gefängnis begriffen, in dem nur die Aufseher und Direktoren „frei“ sind. Wie hängt der Begriff der „Eigentlichkeit“ mit dem des Eigentums zusammen (und der Infinitiv „Sein“ mit dem Possessivpronomen „Sein“?
Anschlagsrelevante Themen: Zur Strategie der Diskriminierung von Gesellschaftskritik gehört es, wenn in raf-Prozessen (und in ihrer Folge in den Medien und in der Öffentlichkeit) die Taten der raf von ihrer Motivation getrennt werden, während die gleiche Motivation dann doch auf ebenso stumme wie wirksame Weise mit den Taten verurteilt werden.
Da gingen ihnen die Augen auf: Die subjektiven Formen der Anschauung entblößen die Dinge; … und sie erkannten, daß sie nackt waren: sie entblößen damit auch die Anschauenden, die in dem, was sie draußen erkennen, ohne es zu bemerken, sich selbst erkennen.
Laß leuchten, HERR, Dein Angesicht: Befreie uns vom Bann des Anschauens.
Logik der Schrift: „Ein solch geradezu partnerschaftlicher Umgang des Königs mit seinen Beamten war völlig neu.“ (Adelheid Schlott: Schrift und Schreiber im Alten Ägypten, S. 165) Kann es nicht sein, daß die schriftliche Notiz darüber, nicht aber die Sache, neu war?
Die Bemerkung Emanuel Levinas`, daß die Attribute Gottes nicht im Indikativ, sondern im Imperativ stehen, ist selbst indikativisch, die Beschreibung eines empirischen Sachverhalts: ein Schlüssel für das Begreifen religionsgeschichtlicher Phänomene. Die Bekenntnislogik, die die Theologie in den Indikativ versetzt hat, war seit je eine Exkulpationslogik; deren Ursprungsgeschichte ist die Ursprungsgeschichte des Mythos, in der die theologische Beziehung von Indikativ und Imperativ instrumentalisiert worden ist. Das christliche Dogma hat diese Instrumentalisierung durch die Bekenntnislogik irreversibel gemacht. Die Bekenntnislogik beschreibt das Inertialsystem, das dem Gravitationsgesetz der instrumentalisierten Theologie zugrunde liegt. -
30.6.1995
Die subjektiven Formen der Anschauung sind die Grundlagen der Logik der Schrift (der Vergesellschaftung der Logik der Sprache durch die Schrift) im Subjekt. Ihre formale Entfaltung: die Rekonstruktion der Dreidimensionalität des Raumes und der Linearität und Irreversibilität der Zeit, verdankt sich einem Abstraktionsprozeß, der auf die Herrschaftsgeschichte zurückweist, und in der Geschichte der Sprache(n), ihrer grammatischen Durchorganisation, sich manifestiert. Der Ursprung und die Entwicklung der indoeuropäischen Sprachen (die Bildung des Neutrum und die Subsumtion der Konjugationsformen unters Zeitkontinuum) …
Die unter christlichen Ökologen beliebte Parole „Erhaltung der Schöpfung“ drückt das Gegenteil dessen aus, was gemeint ist.
„Gottesbeweis“: Wenn die Namen Sache der gesellschaftlichen Vereinbarung sind, dann gibt es zur Anpassung an die Welt keine Alternative.
Corpus Christi mysticum: Wenn Theologie in der Sprache gründet (und nicht im Denken), dann gibt es zum Anthropomorphismus keine Alternative. Und dann ist in der Tat der Himmel Sein Thron und die Erde der Schemel Seiner Füße.
Der naturwissenschaftlichen Medizin geht es nicht mehr um Heilung, sondern um deren Nachweisbarkeit. Das gehört zu den logischen Zwängen des medizinischen Wissenschaftsbegriffs, von denen insbesondere Chirurgie und Chemotherapie profitieren. Medizin wird zur Einselsymptom-Therapie, verbunden mit einer spezifischen Art der Verdummung: Ausgeblendet wird die Erkenntnis von Zusammenhängen, die nicht klinisch-technisch, gleichsam unter Laborbedingungen, sich rekonstruieren lassen. Liegt hier nicht das medizinische Äquivalent des juristischen Sachverhalts, daß Gemeinheit kein strafrechtlicher Tatbestand ist, die der gleichen Logik sich verdankt: Nur das Beweisbare ist wirklich; im Rahmen des durch die Kriterien der Beweisbarkeit definierten Kontinuums ist alles erlaubt, man darf sich nur nicht erwischen lassen.
Himmel und Erde: Der Baum des Lebens gründet in der Kraft des Namens, der Baum der Erkenntnis in der Logik der Schrift. -
22.6.1995
Zur Geschichte des Bilderverbots: Die Entwicklung von der Judenkarikatur und von der Denunziation zur Sympathisantenhetze entspricht der vom Rundfunk zum Fernsehen. Das fotografierte Bild ist aus seinem eigenen logischen Grunde das Fahndungsbild; das gilt auch für die mediale Präsentation des Gesichts im Fernsehen. Deshalb ist das Angesicht zu unterscheiden vom „Ausdrucksgeschehen der Gesichter anderer Menschen“ (Zitat Brumlik?, vgl. die Rezension Brumliks in der FR von heute). Es geht nicht um „Wege aus dem Bilderverbot“, sondern darum, daß im Angesicht das Bilderverbot sich erfüllt (auch die Logik der Schrift, die in der genetischen Beziehung der Schrift zum Bild gründet, fällt unters Bilderverbot). Das Angesicht und der „Anthropomorphismus“ der Schrift verweisen auf den Sprachgrund der Schrift. Zur Logik der Schrift (und zu den Konstituentien des Weltbegriffs) gehören der Tempel und das Opfer; die Logik der prophetischen Vision hingegen, die im „Leuchten des Angesichts“ sich vollendet, gründet in einem sprachlichen, nicht in einem visuellen Sachverhalt (Ulrich Sonnemann hat einmal gegen die optische, aufs Anschauen verweisende Tradition der philosophischen Tradition auf die Notwendigkeit, mit den Ohren zu denken, hingewiesen): Sie sprengt den Weltbegriff.
Bemerkung zum Bilderverbot: Das Fahndungs- und das Paßfoto, die mehr miteinander zu tun haben, als uns lieb sein dürfte, leugnen nicht nur das Angesicht, sie machen es unkenntlich.
Die Autonomie des Subjekts ist allein noch durch die Idee der Barmherzigkeit zu retten, durch die Kraft, die „Autorität der Leidenden“, den Imperativ, der vom realen Leiden ausgeht, nicht mehr verdrängen zu müssen.
Der Autismus ist die Krankheit des Objekts, das aus dem Bann des Begriffs keinen Ausweg mehr findet.
Kritik der Unendlichkeit, oder die drei Grenzen des Weltbegriffs: Das Angesicht, der Name und das Feuer.
Hat die Autorität der Leidenden nicht etwas mit den Attributen Gottes, die Levinas zufolge im Imperativ, nicht im Indikativ stehen, zu tun?
Die Beziehung von Kant und Hegel läßt sich an ihrem Verhältnis zur Astronomie demonstrieren: Während Kant die kopernikanische Wendung, die Säkularisation des Planetensystems nicht nur akzeptiert hat, sondern zum Kern seines Konzepts gemacht hat, zugleich aber an der Erhabenheit des Sternenhimmels festgehalten hat, hat Hegel diese Erhabenheit des Sternenhimmels neutralisiert und verdrängt, ist jedoch durch seine Kepler-Rezeption in die Nähe des astrologischen Mythos geraten.
Kann es sein, daß die drei Leugnungen Petri als spiegelbildliche Reflexionen der drei Versuchungen Jesu sich begreifen lassen? -
19.6.1995
Logik der Schrift: Die Schrift erzwingt die Vergegenständlichung der Einsicht zur Erkenntnis (der Sprache zum Instrument der Mitteilung).
Leserbrief zu Metz „Religion und Politik …“ in der FR von heute (Prof.Dr.Thomas Feuerstein, FH Wiesbaden):
– „‚Die Autorität der Leidenden‘ ist nicht unmittelbar gegeben. Stellvertreter dieser Autorität stehen unter prinzipiellem Ideologieverdacht ‚im Lichte‘ diskursiver Vernunft“. Dieser Satz stellt verteidigendes Denken unter Ideologieverdacht („Ihr laßt die Armen schuldig werden“), macht Barmherzigkeit gegenstandslos, verwirft apriori jede Alternative zu der (bis in unsere Naturvorstellungen hinein) vom Selbsterhaltungsprinzip beherrschten Welt. Sie verschiebt den Begriff der Ideologie von der Bezeichnung des Verblendungszusammenhangs auf alles, was diesen Verblendungszusammenhang durchbrechen könnte. Ist nicht schon der Begriff der diskursiven Vernunft ein Instrument des Verblendungszusammenhangs: Gemeinheit ist kein strafrechtlicher Tatbestand, weil sie durch diskursive Vernunft nicht bestimmbar ist, weil sie der Beweislogik sich entzieht. (Zu den Grenzen der Beweislogik vgl. Kants Aporien der reinen Vernunft.)
– Es sollte nicht geleugnet werden, daß auch die memoria passionis instrumentalisierbar ist; nachzuweisen am Christentum, an der Opfertheologie und der damit systematisch verbundenen Orthodoxie (am Dogma und seiner Logik).
– Der prinzipielle Ideologieverdacht bleibt abstrakt, er verfällt der gleichen Logik, gegen die er sich wendet: Indem er das Problem von der sachlichen auf die Bekenntnisebene verschiebt, macht er aus einer Frage der Einsicht eine Bekenntnisfrage und gehorcht so der gleichen Bekenntnislogik, deren Folgen er kritisiert. So werden das reale Leiden, die Armut wie auch Unterdrückung und Verfolgung durch einen logischen Trick zum Verschwinden gebracht. Der prinzipielle Ideologieverdacht gründet in einem logischen Trick, der die Differenz zwischen der Realität des Leidens und ihrer Instrumentalisierbarkeit selber nochmal instrumentalisiert; dieser Logik zufolge wäre jedem Bettler zunächst einmal zu unterstellen, er habe hinter der nächsten Straßenecke seinen Mercedes stehen (soll er doch das Gegenteil beweisen).
– Zu reflektieren wäre die Instrumentalisierung des Leidens (liegt hier nicht der Kern der christlichen Opfertheologie und eine der christlichen Wurzeln des Antisemitismus?), und das wäre allerdings in der Tat die Aufgabe einer Theologie nach Auschwitz (wie auch Johann Baptist Metz sie fordert).
– Ein alltäglicher Ausdruck des „prinzipiellen Ideologieverdachts“ ist der Elternspruch: „Stell dich nicht so an“ (er unterstellt, der Schmerz sei nicht real, sondern nur ein Mittel, damit ein anderes Ziel zu erreichen).
– Der „prinzipielle Ideologieverdacht“ wird gleichsam zur Schufa der Philosophie; er verringert das Risiko, selber zum Opfer eines Betrugs zu werden, das aber zu dem Preis, daß er das reale Leiden ins Dunkel rückt, es unsichtbar macht. Hier wäre ein Beleg für Metz‘ Hinweis auf die Gewalt des Markt-Apriori auch in der Philosophie.
– Was hier ins Dunkel gerückt wird, ist schon in den Anfängen der Moderne an einer realprojektiven Verschiebung nachzuweisen: am Begriff des Wilden.
– Die Diskurslogik hat die Erinnerung an die Theologie bloß abgeschafft, anstatt, wie Adorno einmal die Intention Benjamins zu umschreiben versucht hat, alle theologischen Gehalte restlos zu säkularisieren.
– Der prinzipielle Ideologieverdacht vermittelt das erhebende Gefühl, über der Sache zu stehen, ohne zu bemerken, daß er damit aus der Sache heraus ist. Er ist in Wahrheit ein Instrument des mitleidlosen Herrendenkens. Im sicheren Bewußtsein, daß dieser Beweis nicht zu führen ist, legt er den Opfern die Pflicht auf zu beweisen, daß sie Opfer sind. Auch so schafft man, wenn nicht eine reale heile Welt, so doch ihren allgegenwärtigen Schein.
– Gehörte nicht die Sympathisantenjagd im Kontext des Terrorismus zu den manifesten Folgen des prinzipielle Ideologieverdachts: der Unfähigkeit, zwischen dem humanen Impuls der Empathie und ihrer politischen Instrumentalisierung zu unterscheiden? Ist nicht die Geschichte der (auf ihre juristischen Aspekte reduzierten) Auseinandersetzung mit der raf so unendlich mit den verhängnisvollen Folgen dieser Logik belastet (und hat nicht die raf selbst durch ihre Wendung zum Terrorismus diese Folgen mit zu verantworten)?
Der Metz’sche Versuch, das Konzept einer anamnetischen Vernunft zu entfalten, ist – weiß Gott – nicht schon „gelungen“; er ist weiterhin entfaltungsfähig und -bedürftig. Es ist überhaupt keine Hilfe, diesen Versuch gleichsam apriori abzuwehren. Der prinzipielle Ideologieverdacht (der heute aus sehr tiefen gesellschaftlichen Gründen so nahe liegt, daß er fast durch Reflexion nicht mehr aufzulösen ist) wird zur Quelle der Paranoia, deren erstes Opfer – zusammen mit dem Antijudaismus, der innerkirchlichen Quelle des Antisemitismus – die kirchliche Theologie selber einmal geworden ist.
In welcher Beziehung stehen die aufbrechenden Nationalismen und die Wendung zu fundamentalistischen Instrumentalisierungen der Religionen (auch dies ein Gegenstand einer politischen Theologie) zum derzeitigen Stand der Geschichte der politischen Ökonomie? (Ursprung der Einen Welt in der Geschichte des Marktes; Zerfall der Souveränität; Übergang von Regierung in Verwaltung, Abgabe von Regierungsaufgaben an die Verwaltung: Übergang der Souveränität an Institutionen wie Bundesverfassungsgericht, Bundesbank, EG, UNO, Weltbank und IWF.)
Wiederkehr der kantischen Antinomien der reinen Vernunft in der Politik:
– Die Verwaltung sprengt die Gewaltenteilung (durch Implosion): sie übernimmt zu den ihr obliegenden Aufgaben der Exekutive inzwischen auch die der Legislative und der Jurisdiktion – Angleichung von Rechtsprechung und Verwaltung; Verwaltung als Selbstorganisation des gesellschaftlichen Gewaltpotentials.
– Verwischung der Grenzen von Innen- und Außenpolitik: Folgen für den Begriff der Gewalt (der nach innen anders definiert ist als nach außen): Läßt sich das Gewaltmonopol des (nationalen) Staates auf internationale Organe übertragen (vgl. den Golfkrieg und die Probleme der UN-Blauhelm-Truppen im Jugoslawienkonflikt).
– Sonderstellung der Bundesbank und der Weltbank: Dekonstruktion des Prinzips der Gewaltenteilung; Teilhabe eines in der reinen Lehre nicht vorgesehenen Instituts an der Gewalt (an einer Quelle des Gewaltbegriffs: im Falle der Bundesbank im Bereich der Währungshoheit des Staates, der „Subjekt“-Länder; im Falle der Weltbank Eingriff in die Souveränität der „Objekt“-Staaten, der „Entwicklungsländer“).
– Neonationalismen gründen in dieser Krise des Gewaltbegriffs; sie sind rational und irrational zugleich: Nation als transzendentales Subjekt in einer Welt, die zur Selbsterhaltung keine Alternative mehr kennt.
– Fortschreitende „Privatisierung“ staatlicher Aufgaben; Folge der Expansion der Marktlogik in den Bereich der Souveränität; Begriff des Neofeudalismus zu harmlos. Ausdruck der Strukturänderungen im Gewaltbegriff (im „Begriff“: in der Herrschaftslogik des Ganzen wie in der Depotenzierung des Bewußtseins).
Sprache und Mathematik: Kant hat die Welt als mathematischen, die Natur als dynamischen Totalitätsbegriff definiert; spiegelt sich darin das Verhältnis von Mathematik und Sprache?
Auffallend, daß Habermas Horkheimers Skrupel hinsichtlich der Neuauflage der Dialektik der Aufklärung als Ausdruck eines offenen Problems verdrängt, sie statt dessen als „Beweis“ dafür nimmt, daß die Dialektik der Aufklärung überholt sei. Er nutzt Horkheimers Skrupel als Mittel der Neutralisierung der Dialektik der Aufklärung anstatt als Impuls ihrer Weiterentwicklung. -
14.6.1995
Die Blinden und die Lahmen: Gibt es nicht ein Erblinden und Erlahmen durch die Theologie?
Hängt Joh 129 zusammen mit der Antwort Jesu auf die Frage des Täufers, ob er es sei, der da kommen soll, und bezieht sich das in den Evangelien (Mt 33) auf Johannes bezogene Prophetenwort (Jes 403): „die Stimme eines Rufers in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn, machet seine Straßen gerade“, auf die Johannes-Apokalypse?
Gehört es nicht zum Begriff der Moderne, daß sie die „Wilden“ erfunden hat?
Der Garant der transzendentalen Logik ist das transzendentale Subjekte, das die Distanz zum Objekt herstellt, durch die es in den herrschaftsgeschichtlichen Prozeß verflochten ist: seine Einheit. Es ist kein Zufall, daß die Philosophie auf ihrer Spitze, in Hegels Logik und Staatsphilosophie, zur Selbstbegründung des Nationalismus geworden ist.
Bezeichnet nicht der Name der Basilika den unter den Bedingungen des Hellenismus säkularisierten, auf den König anstatt auf den nationalen Gott bezogenen Tempel (die Handels-, Bank-, Gerichts- und Versammlungsstätte)?
Die subjektiven Formen der Anschauung konstituieren das Objekt, und sie trennen den Namen, den sie zugleich depotenzieren, vom Begriff.
Die Person ist der Statthalter des Namens unter den Bedingungen des Staates (des Rechts).
Zu den Confessiones des Augustinus: Der Vater und die Geliebte bleiben namenlos, während die Mutter und der Sohn mit Namen genannt werden.
Ich und Du: Im Deutschen wird zwischen Antlitz und Angesicht unterschieden. Worin liegt der Unterschied, und ist dieser Unterschied nicht in der deutschen Sprachlogik (in ihrer Verarbeitung der christlichen Tradition) begründet? Bezeichnet nicht das Antlitz das Entgegenblickende, das Angesicht das Angesehene?
Zur Frage des Maimonides (ob nicht der Messias, wenn er am Ende erscheinen wird, das Antlitz dessen tragen wird, der schon einmal dagewesen ist) gibt es auch noch eine dritte Möglichkeit: Es könnte sein, daß der, der am Ende kommen wird, das gleiche Gesicht haben wird wie der, der im Stall geboren und am Kreuze hingerichtet worden ist; aber werden wir ihn wiedererkennen? Vgl. hierzu Theodor Haeckers Bemerkung über die Evangelien, in denen das Aussehen Jesu nicht überliefert wird, und den Zusammenhang dieser Bemerkung mit der unmittelbar nachfolgenden Verwechslung des Israeliten mit dem Hebräer. Ist nicht die Ikonographie Jesu, sein in der Kunst überliefertes Aussehen, selber schon ein Produkt der Theologie hinter dem Rücken Gottes, und ist dieses Antlitz nicht schon Ausdruck des kirchlichen Antisemitismus?
Was findet sich im Personalausweis und auf Fahndungsfotos: das Antlitz oder das Angesicht? (Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Kruzifix und dem Fahndungsfoto?)
Politische Theologie leistet keinen Beitrag zur Institutionenlehre, zur Begründung der Organisation des Staates. Politische Theologie ist Herrschaftskritik.
Der deutsche Schöpfungsbegriff hat die Welt insgesamt in den Kelch transponiert. Heideggers Dasein als In-der-Welt-Sein, Produkt des Vorlaufens in den Tod, ist der genaueste Ausdruck davon.
Ist nicht Heideggers Eigentlichkeit ein letzter Nachhall von Hegels Bewußtsein der Freiheit, das selber schon den Hinweis darauf mit einschließt, daß hier das Subjekt zum Opfer seiner eigenen List der Vernunft geworden ist? Hegels Bewußtsein der Freiheit ist Ausdruck der tiefsten Verzweiflung, der Heidegger mit seinem Begriff der Eigentlichkeit noch einen positiven Sinn abzugewinnen versucht: den Sinn von Sein. Die Eigentlichkeit hängt mit dem Sinn von Sein auch insofern zusammen, als sie daran erinnert, daß die Subjektqualität an die Funktion des Urteilens gebunden ist, dessen Kern die Kopula, das Sein, ist. Aber Eigentlichkeit konstituiert sich nur, wenn zugleich verdrängt wird, daß der Urteilende das Urteil auch über sich selbst aufrichtet, selber zum Objekt des Urteils wird (Ableitung der Schicksalsidee aus der Urteilsform). Wenn Kants erhabene Nüchternheit gegen den ontologischen Gottesbeweis an der Differenz zwischen dem realen und einem bloß gedachten Vermögen festhält, so rührt Kant damit an die im Weltbegriff selber verankerte Beziehung des Infinitivs Sein zum Possessivpronomen der dritten Person singular, männlich, das ebenfalls durch das Wort „Sein“ ausgedrückt wird.
Lassen sich nicht die Bemerkung aus der Dialektik der Aufklärung, daß „jedes Tier an ein abgründiges Unglück (erinnert), das in der Urzeit sich ereignet hat“, und der darauf bezogene Wunsch, „daß der Mensch, der durch Vergangenes mit ihm eins ist, den erlösenden Spruch findet und durch ihn das steinerne Herz der Unendlichkeit am Ende erweicht“ (Neupublikation 1969, S. 264), die ohnehin an prophetische Zusammenhänge erinnern, auf das apokalyptische Tier, auf die Kirche (das steinerne Herz der Welt) und auf das Wort vom Binden und Lösen beziehen?
Wenn man sieht, daß ein Kind in den Brunnen fällt, bedarf es keiner Autorität, die einem sagt, was zu tun ist. Aber gibt es nicht auch den andern Fall, daß einer in den Abgrund geschaut hat, in den nicht mehr nur ein Kind fällt, dem vielmehr die Welt, die ihn aus sich selbst erzeugt, zurast: Sind die Konsequenzen dann nicht ebenso zwingend und spontan wie im Falle des Kindes und des Brunnens? Ist es dann nicht ebenso wichtig, die Mechanik dieses Vorgangs zu studieren in der absurden Hoffnung, vielleicht doch noch die Stelle zu finden, an der ein Eingreifen möglich ist?
Die kopernikanische Wende hat die Voraussetzungen für den Kapitalismus geschaffen, sie hat den Weg freigemacht.
„Die Distanz des Subjekts zum Objekt, Voraussetzung der Abstraktion, gründet in der Distanz zur Sache, die der Herr durch den Beherrschten gewinnt.“ (Dialektik der Aufklärung, 1969, S. 19)
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