Kant

  • 05.08.92

    Auch Gewalt ist eine Gestalt der Kommunikation. Eine, die den Tod zitiert und „den Weg, die Wahrheit und das Leben“ leugnet. (Zusammenhang der Gewalt mit dem, was Levinas die „Asymmetrie“ des dialogischen Prinzips nennt. Gewalt und Konstituierung des Objekts, Zerstörung der Sprache.)
    An der Bitte „Geheiligt werde Dein Name“ läßt es sich demonstrieren: In der christlichen Tradition, in der diese Bitte in die Nähe der Majestätsbeleidigung gerückt wurde, ist das theologische Element geleugnet worden, die Herrschaftsmetaphorik hat sich durchgesetzt, und das im Kontext der Rezeption des Hellenismus und der Philosophie.
    Nach dem Jesus-Wort steht vor dem Opfer die Versöhnung, nicht umgekehrt.
    Der Satz Jesu „Ich bin das Licht der Welt“ ist von der Übernahme der Sünde der Welt nicht zu trennen (Zusammenhang mit dem ersten Schöpfungstag und Einsteins Relativitätstheorie).
    Newton hat die moderne Astronomie, das Realsymbol von Herrschaft in der Moderne, begründet und stabilisiert, Einstein hat die Himmel erschüttert.
    Ist nicht der medizinisch-industrielle Komplex ein ähnlich risikoloser und gewinnträchtiger Markt wie der militärisch-industrielle Komplex?
    Das Subjekt der aristotelischen Logik ist die (griechische) Sprache; diese Logik hat noch Anteil an der benennenden (und metaphorischen) Kraft der Sprache (die Beziehung der benennenden zur metaphorischen Kraft der Sprache wäre zu analysieren). Die kantische (transzendentale) Logik gründet in der Mathematik; sie hat sich von der benennenden (und metaphorischen) Kraft der Sprache gelöst; sie ratifiziert die Selbstzerstörung der Sprache. Aber die Kritik der reinen Vernunft ist noch nicht zum Ende durchgeführt. Die Erkenntniskritik wäre als Kritik des Herrendenkens weiterzutreiben, über den Zusammenhang von Objektivation und Instrumentalisierung zu einer Kritik des Welt- und Naturbegriffs und zu einer Kritik der Bekenntnislogik. In diesem Zusammenhang wäre auch die Kritik der Gewalt als logisches Problem zu begreifen und weiterzuführen, der Zusammenhang von Schicksal, Recht und Mythos konkreter zu bestimmen und u.a. abzuleiten, daß der Derrida’sche (und Wittgensteinsche) Begriff der Mystik ein Deckbegriff für den Mythos ist.
    Benjamins Definition des Kapitalismus als Kult ohne Dogma rückt den Kapitalismus in die genaueste Beziehung zur christlich-theologischen Tradition, insbesondere zur Opfertheologie.
    Das Inertialsystem, die transzendentale Logik und die mit der Funktion des Welt- und Naturbegriffs akzeptierte Logik setzt die Zukunft als vergangen, das Vergangene als zukünftig. Das Herrendenken gründet in der Umkehrung des der theologischen Erfahrung zugrundeliegenden Zeitsinns (der mit der räumlichen Metaphorik von Oben und Unten zusammenzuhängen scheint).
    Der Weltbegriff (und der der Natur) ist nur im Kontext von Schuld zu bestimmen: Schuld ist eine theoretische (und zugleich philosophiekritische) Kategorie. Deshalb erweist sich die Ethik als prima philosophia.

  • 31.07.92

    Jacques Derrida rührt in seinen Erörterungen über den „mystischen Grund der Autorität“ („mystisch“ im Sinne Wittgensteins) an den Grund des Dezisionismus („Gesetzeskraft“, S. 53ff), dessen Folgen Christian Graf Krockow schon vor Jahren anhand der Texte von Heidegger, Schmitt und Jünger genauestens beschrieben hat.
    Nachdem er vorher sich auf Wittgenstein bezieht, benutzt D. den Begriff des Mystischen später (S. 77ff) zur Bestimmung des Grundes der Gewalt. Darin manifestiert sich eine zentrale logische Konsequenz. Mystisch heißt der Bereich, in den die Argumentation nicht mehr hereinreicht: der gemeinsame Ursprung des Dezisionismus und der Gewalt. Das reale Thema ist nicht der „mystische Grund der Autorität“, sondern der mythische Grund der Gewalt; und vor diesem Hintergrund ließe sich vielleicht die „göttliche Gewalt“ tatsächlich anders – und möglicherweise genauer – bestimmen.
    Erstaunlich, daß bei dem erreichten Stand der Benjamin-Philologie niemand bereit oder in der Lage ist, den Grund der mit Händen zu greifende Fehlinterpretation der Benjaminschen Untersuchung „Zur Kritik der Gewalt“ durch Derrida zu benennen. Er liegt an dem gleichen Punkt, an dem Derrida am Begriff der Entscheidung (s.o.) seinen „Vorbehalt gegen alle Horizonte“ erläutert, „etwa gegen den der regulativen Idee Kants oder gegen den des messianischen Ereignisses, des messianischen Kommens“ (S. 53). Dieser Vorbehalt ist einer gegen die Idee der Geistesgegenwart, die in der Tat nicht zu halten ist, solange Philosophie zurückschreckt vor der Selbstreinigung, der sie zwangsläufig sich unterwerfen muß, wenn sie sich auf die Kritik der Naturwissenschaften einläßt. Ohne die Kritik der Naturwissenschaften ist aber die (messianische) Kritik der Vorstellung einer homogenen Zeit nicht mehr zu leisten. Es beweist das Ingenium Derridas, wenn er mit dem Hinweis auf die regulative Idee Kants und das messianische Element in Benjamins Werk genau die Punkte benennt, an denen es sich entscheidet, ob Geistesgegenwart noch denkbar und möglich ist.
    „Als Erfahrung der absoluten Andersheit ist die Gerechtigkeit undarstellbar“ (S. 57): Dieser Satz, der die Postmoderne mit so unterschiedlichen Denkern wie Horkheimer und Karl Barth verbindet, verdankt sich der Verwechslung des Andern mit dem Fremden. Das (und auch der) Andere ist Teil (wenn nicht Grund) des Systems (vgl. den für die gesamte Philosophie zentralen Satz der hegelschen Logik: das Eine ist das Andere des Anderen, und Rosenzweigs Hinweis auf die „verandernde Kraft des Seins“), erst der Fremde (der unaufgelöste Name der Barbaren und die Erinnerung an die Herbräer) sprengt das System (sprengt die erkenntnisbindende Gewalt des Natur- und Weltbegriffs), er ist ohne Rückgriff auf die Theologie: ohne die Idee der Schöpfung (Kritik des Weltbegriffs) und der Auferstehung der Toten (Kritik des Naturbegriffs) nicht zu halten. Und „billiger“ ist auch der Begriff der Geistesgegenwart nicht mehr zu haben (Zusammenhang mit Benjamins Definition des Kapitalismus als „Kult ohne Dogma“).
    Der Andere ist nicht der Fremde (zur Prophetie gehört neben dem Votum für die Armen das für den Fremden, nicht jedoch das für den Anderen; die Hebräer lebten als „Fremde im Lande“), das Andere ist systemimmanent, der Fremde (wie der Arme und das Antlitz) transzendent.
    D. setzt die Differenz zwischen „dem Nationalen und dem Internationalen, dem Öffentlichen und dem Privaten“ (S. 58) auf eine Stufe (nach dem Außen-/Innen-Pardigma, zu dem die Kategorie des Anderen gehört); er hat die Bedeutung des Antlitzes bei Levinas offensichtlich nicht verstanden (allerdings scheint auch Levinas die Differenz des Antlitzes zum Außen/Innen-Schema nicht realisiert zu haben: zum Antlitz gehört als Korrelat nicht das Außen, sondern das Hinter dem Rücken; erst diese Unterscheidung begründet die Ethik als prima philosophia).

  • 30.07.92

    Das Ganze ist das Unwahre. Dann schließt allerdings die Idee der Wahrheit die Unabgeschlossenheit der Vergangenheit: die Idee der Auferstehung der Toten, mit ein. Und die Toten werden unsere Richter sein.
    Die Pharisäer und die Sadduzäer unterschieden sich u.a. durch ihr Verhältnis zur Lehre von der Auferstehung der Toten. Droht nicht heute der Kirche die Gefahr, sadduzäisch zu werden (die Griechen leugneten die Idee der Schöpfung, der vollendete Kapitalismus die der Auferstehung von den Toten; das Judentum gründet in der Schöpfungsidee, das Christentum in der Auferstehungsbotschaft)? Und welche Bedeutung hat dann die Magd des Hohepriesters in der Geschichte der drei Leugnungen? Ist die erste Leugnung die opfertheologische Interpretation des Kreuzestodes und der Auferstehung?
    Hängt die Lehre von der Auferstehung der Toten mit der Geschichte von den sieben unreinen Geistern zusammen (Maria Magdalena, die erste Zeugin der Auferstehung)?
    Ist das nicht ein ungeheures Bild: die Frauen, die zum Grabe eilen, um den Leichnam des Gekreuzigten zu salben, ihm als Opfer die messianische Würde zu geben; und sie finden das Grab leer.
    Gibt es einen Unterschied zwischen dem johanneischen Passionsbericht (ohne Abendmahl) und den Passionsberichten der Synoptiker, insbesondere im Hinblick auf Frauen (die am Abendmahl nicht teilnehmen)?
    Hängt der Dualis, überhaupt die Vorstellung des Paares, mit einer Geschichtsphase zusammen, in der die Unterscheidung von Rechts und Links noch erheblich war? Und verweist das Ende des Buches Jonas (… die Rechts und Links nicht mehr unterscheiden können) nicht auf das Verschwinden des Dualis? Diese 120000 sind die, die glauben, sich selbst im Spiegel zu sehen, und nicht begreifen, daß sie sich spiegel-, d.h. seitenverkehrt sehen. Und ist das nicht der Inhalt des Reflexionsgesetzes, das der Hegelschen Logik zugrundeliegt: das Eine ist das Andere des Anderen? Aber ich sehe mich im Spiegel eben nicht so, wie die anderen mich sehen. Es ist das gleiche Reflexionsgesetz, das die Philosophie an die Ontologie bindet. Aus dem gleichen Grunde verfängt sich die Husserlsche Intentionalität in ihren eigenen Verstrickungen. Die Wahrheit ist niemals Gegenstand intentionaler Akte (vgl. 1 Kor 1312 und Jak 123). Die Folgen des Verschwinden des Dualis sind an der kantischen transzendentalen Logik ablesbar, es sind die Folgen, die aus der Hypostasierung des Raumes (die auch in der Gestalt der transzendentalen Ästhetik sich erhält) sich ergeben.
    Hegels Philosophie erhebt den Anspruch, nicht über der Sache, sondern in der Sache zu sein; aber in der Sache unterliegt sie der Gewalt der Reflexionsbegriffe, wird sie gleichsam seitenverkehrt. Darum ist sie eine Weltphilosophie und eine Philosophie des Weltgerichts.
    Als „subjektive Form der äußeren Anschauung“ hat Kant den Raum zugleich kritisierbar und unkritisierbar gemacht.
    Bezeichnet die kantische Unterscheidung von Welt- und Schulphilosophie das Verhältnis von protestantisch-bürgerlichem zum katholisch-feudalen Wissenschafts- und Philosophie-Verständnis?
    Schließt der Dualis und die Unterscheidung von Rechts und Links auch die Unterscheidung von Zukunft und Vergangenheit (oder auch von Himmel und Erde) mit ein? Der Dualis wird verdrängt in der Geschichte der Universalisierung der Welt.
    Der „Stern der Erlösung“ ist ein archäologisches Werk; darauf verweist vor allem der Rosenzweigsche Begriff der Vorwelt (und der des Mythos). Es käme heute darauf an, das archäologische Element auch an der Psychoanalyse zu begreifen, sie von ihrem „psychologischen“ Bann (aus dem Bann des Privaten) zu befreien: zu begreifen, daß die Verdrängung und der Begriff des Unbewußten nicht nur auf das psychologische Innere sich beziehen, sondern einen realen objektiven Anteil haben.
    Verdankt sich der indische Frauenmord der Verschmelzung der Friedmanschen Ökonomie mit vorkapitalistischen Religionsresten (Zusammenhang mit dem Ursprung der Fundamentalismen)? Hier bestätigt sich die Benjaminsche These, der Kapitalismus sei ein reiner Kult ohne Dogma: der reinste Opferdienst, der wegen seiner „Ideologiefreiheit“ sich mit allen Religionsformen verbinden kann, allerdings um den Preis ihrer Wahrheit. Ich glaube, die Kapitalismuskritik beginnt erst, sie ist nicht zu Ende. Nur war sie untauglich als Ideologie.
    Der moderne Bekenntnisbegriff entspringt genau an der Stelle, die Walter Benjamin bezeichnet hat, wenn er den Kapitalismus einen reinen Kult ohne Dogma genannt hat: es ist eine Leerstelle. Hier wird jede Religion, die auf die Kapitalismus-Kritik verzichtet, fundamentalistisch.
    Kriegszeiten sind Bekenntniszeiten: Der kalte Krieg wurde eingeleitet durch die MacCarthy-Ära, in der Bundesrepublik durch den Radikalen-Erlaß. Und die Bildzeitung hat es auf den Punkt gebracht, wenn sie die Frage, woran Eltern erkennen können, ob ein Kind in der Gefahr steht, Terrorist zu werden, damit beantwortet: Wenn es sich zu sehr um Gerechtigkeit kümmert. Die Terrorismus-Fahndung folgte immer schon der Methode: Haltet den Dieb. Sie selber ist der Terrorismus, den sie verfolgt, und dessen sie aus eben diesem Grunde nie habhaft wird.
    Die Blasphemie, die in der Bekenntnisforderung des Staates steckt, wird von den Kirchen deshalb nicht erkannt, weil sie selber die Erfinder, ersten Anwedner und ersten Nutznießer dieses blasphemischen Bekekenntnisbegriffs waren. Dieser Bekenntnisbegriff besetzt genau die Stelle, an der das wirkliche Bekenntnis real werden könnte: die benennende Kraft der Sprache. Es ist dieser Bekenntnisbegriff, der den Namen des Sohnes und mit ihm den Ursprung des Parakleten leugnet.
    Der liberale Ideologiebegriff entspricht genau der Benjaminschen Definition des Kapitalismus als Kult ohne Dogma. Jede Gestalt der Lehre wird angesichts dieses Kults zur Ideologie.
    Was muß erst passieren, bis auch die Kirchen begreifen, daß der „Sieg über den Kommunismus“ die bestehenden Probleme nicht gelöst, sondern nur verschärft hat, und daß eine der Triebkräfte, die zur Brutalisierung der Versuche, die ungelöstem Probleme zu lösen, geführt haben, in der blinden Regression der Rückkehr zu den traditionellen Religionen liegt. Der Jugoslawien-Konflikt sollte eigentlich auch die beteiligten Kirchen (u.a. die katholische) an ihre Mitschuld erinnern.
    Sind die lutherische Rechtfertigungslehre und das hobbessche „homo homini lupus“ nicht zwei Seiten ein und derselben Sache? Und richtet sich dagegen nicht auch das Wort: „Seht ich sende euch wie Schafe unter die Wölfe …“
    Die kirchliche Lehre von den Schafen und der Weideauftrag an Petrus (Joh 2115ff) werden sinnvoll und verständlich nur vor dem Hintergrund des Deuterojesaias, der Gottesknechts-Kapitel, und von Joh 129.
    Zum Verständnis der Lehre vom corpus Christi mysticum: Wer wird im liturgischen „agnus dei, qui tollis peccata mundi“ angesprochen: Christus oder nicht doch jeder Christ?
    Zum messianisch-parakletischen Element in der Einsteinschen Relativitätstheorie:
    – sie verleiht dem Inertialsystem (dem logisch-mathematischen Zentrum der gesamten naturwissenschaftlichen Aufklärung) eine Exzentrizität, sie rückt es aus dem erkenntnistheoretischen Zentrum, in das es die kantische Erkenntniskritik (die Lehre von den subjektiven Formen der Anschauung) gebracht hat, heraus.
    – Offen bleibt jedoch die Beziehung zu dem theoretischen Bereich, auf das die allgemeine Relativitätstheorie sich bezieht, die Gravitation. Ist hier nicht eine Lösung denkbar, die auch die zentralen Konstanten (die Lichtgeschwindigkeit und die Gravitationskonstante) in einen Beziehung wechselseitiger Abhängigkeit rückt, ihnen den Charakter der Konstanten nimmt.
    Zum solaren Mythos: Ist nicht auch das Matriarchat eine männliche Erfindung?
    Zum Begriff der arche und zum Thales’schen Satz „Alles ist Wasser“: Bezeichnet nicht der Begriff der arche die bis heute unaufgelöste, aber aufzulösende Bindung von Ursprung und Herrschaft (Schuld und Schicksal, das Wasser als realmythische Symbol)? Und worauf beziehen sich dann die paulinischen Archonten (die Herrschaften und Mächte)?
    Hängt der Stich in die Seite beim Kreuzestod Jesu mit der Erschaffung Evas (aus der Seite Adams) zusammen?
    Ist die Maria Magdalena-Geschichte insgesamt prophetisch, und bezieht sich die Geschichte mit den sieben unreinen Geistern auf die Kirche (als Korrelat zur Leugnungs-Geschichte)?

  • 25.07.92

    Nicht nur im Symbol des Taumelkelchs, sondern davor bereits in dem des Baums der Erkenntnis (der Erkenntnis des Guten und Bösen) findet die Philosophie ihre Stelle in der Prophetie.
    „Zum gemeinsamen Ursprung von moralischer Rechtfertigung und ästhetischer Lust“: Mit diesem Untertitel erschien in der FR vom 14.07.92 ein Beitrag von Birgit Recki, der leider das Versprechen dieses Untertitels nicht einlöste. Es wäre Anlaß gewesen, den Begriff des Ästhetischen, der die kantischen Formen der Anschauung genau so abdeckt wie den ganzen Bereich der Kunst, so auf seine systematischen Konnotationen (und auf seine Beziehung zum Bereich der Erkenntnis und des Wissens) hin zu prüfen und zu begreifen, daß in der Tat das Bedürfnis nach moralischer Rechtfertigung, der Exkulpationstrieb und damit diese besondere Beziehung zur Schuld Grund jedes Ästhetischen ist und seine Beziehung zur Wahrheit bestimmt.
    Wenn Goethe sich als „Weltbürger“ verstand, so sollte in diesem Namen weniger der politische Sinn (die Distanz zur eigenen Nation) als vielmehr der theologische mit gehört und verstanden werden: der antiparakletische, zutiefst heidnische Sinn des goetheschen Selbstverständnisses.

  • 04.07.-13.07.92

    Krankenhausaufenthalt:
    Ist nicht der Weltbegriff Produkt der Verletzung des gesamten Dekalogs (insbesondere des 4. und 8. Gebots)?
    Die Opfertheologie, die Vorstellung von der Wiederholbarkeit des einen Opfers, hat die christliche Theologie an den Mythos gebunden. Der Preis war die Vergöttlichung des Geopferten (und der Ursprung des modernen Naturbegriffs).
    Gesellschaftlicher Zusammenhang von Schuld: Täter – Opfer; Vater (Herr) – Sohn (Knecht); Schuld/Schulden; Schuld – Bekennntis -Rechtfertigung; Schuld gibt es nur vor jemandem (vor Gott); kann Robinson schuldig werden? Schuld ist ein gesellschaftliches Phänomen, auch als ontologisches.
    Vermittlung des christologischen Naturbegriffs durch den modernen Kunstbegriff (W.B. I 1, S, 64 – Novalis). Bedeutung des Naturschönen.
    Ist nicht die Religion gleichsam der verwesende Rest des mythischen Opfers, sein christlicher Umkehrpunkt das Martyrium (Zeugenschaft)? Verinnerlichung des Opfers im Bekenntnis (mythischer Ursprung des Bekenntnisses: Notwendigkeit einer letzten Summa contra gentiles).
    Außen und Innen: Auch die Funktionalität der modernen Architektur steht unterm Primat des Außen (Rasenmäher und Plätschern beim Krankenhaus nur für den zerstreuten Besucher (Betrachter), aber gegen die Bedürfnisse der Patienten, die ohnehin nur Objekte sind – Gewöhnung als Gewöhnung ans Objektsein, an die Entmündigung, die die Ärzte bereits voraussetzen – Ansätze beginnender Paranoia).
    Im Krankenhaus die Bedeutung des Satzes erfahren: Die Welt ist alles, was der Fall ist (die Hölle des Selbstmitleids).
    Die Stationsärztin, die bis heute kein Wort mit mir gesprochen hat, erklärt an meinem Bett mit allen Details meinen „Fall“ dem Chefarzt: So erfährt man, wie es um einen steht (vgl. die zweite Leugnung Petri).
    Außen und Innen: Naturwissenschaft als Produkt der Veräußerlichung und Verinnerlichung des Kosmos zugleich (= Weltanschauung). Das Innen ist das Außen des Außen.
    Ist nicht der Begriff der Weltanschauung im Sinne eines Genitivus subjectivus zu verstehen (Welt als Subjekt, nicht Objekt der Anschauung)? – Aus diesem Grund gibt es Weltanschauungen nur im Plural.
    Ist nicht die Anschauung die Leugnung des Angesichts?
    Erst die durchinstrumentalisierte Welt ist frei für nicht mehr kritisierbare subjektive Zwecke; sie ist „ideologiefrei“, weil es jedem offen steht, in ihr seine Interessen und Zwecke zu verfolgen. Hierbei wird nur die „Kleinigkeit“ übersehen, daß diese „Offenheit“ nur für den geringeren Teil der Menschheit real und gegeben ist; für alle anderen ist sie eine geschlossene Welt, ein Gefängnis, ein Irrenhaus, Grund des universalen Hospitalismus (Verhältnis von Raum und Geld!).
    Die Vorstellung des unendlichen Raumes und das Tauschparadigma verdrängen den Widerspruch (kein Reichtum ohne Armut, keine Materie ohne Energie).
    Pharao, das „große Haus“: Hängt der Name des Pharao mit der geschichtsphilosophischen Bedeutung des Hauses (der Architektur mit dem Toten im Innern) zusammen? Ist das „Haus des Seins“ pharaonisch und ontologisch (der babylonische Turm hingegen instrumental)?
    Benjamin zufolge können „Gestalten keiner Dichtung je der sittlichen Beurteilung unterworfen“ sein (I 1, S. 133). Gilt das nicht mit fortschreitendem Objektivationsprozeß auch bereits für die Lebenden?
    S. 189: „von Haus aus“.
    Pharao: Haben die Juden sowohl die institutionellen Grundlagen (Josef) als auch die äußere, architektonische Realisierung des Pharaonentums (das Sklavenhaus) geschaffen? Ist der Josef-Roman das früheste Dokument der Dialektik von Herr und Knecht (aber anders als die Hegelsche)?
    Walter Benjamin I 1, S. 332f: Der neudeutsche Kult der Trägheit des Herzens (acedia).
    Rührt Benjamins Theorie der Allegorie nicht auch an den Ursprung der Schrift (S. 339f, 351)?
    Schrift und Vergesellschaftung: Mit der Schrift beginnt die Zivilisation (Modell und Ursprung der Beziehung von Begriff und Gegenstand, des Objektivations- und Vergesellschaftungsprozesses).
    Schlange als Bild der Zeit (S. 346): Seid klug wie die Schlangen.
    Benjamin II 1, S. 351: die „fallende Sucht“; wie verhält sich die Epilepsie zum Mond und zur Mutter?
    S. 352: Dummheit und Bosheit bereits Grundlage der herrschenden Politik, der Herrschaft überhaupt (keine Alternative dazu?). Der subjektlose Gemeinheitskern der Öffentlichkeit: Ontologie der Strudel, in dem die Moral versinkt.
    Ist die Eucharistie nicht mehr nur Zeichen, sondern bereits Ersatz der Nachfolge? Bezieht sich darauf der Satz vom Zusammenhang des unwürdigen Essens mit dem Gericht (1 Kor 1127)?
    Die islamische Polygamie verweigert die Erfahrung des ehelichen Konflikts ebenso wie die Verarbeitung dessen, worauf sich das vierte Gebot bezieht (den Ödipuskonflikt).
    Sabotiert der Islam (die Ergebung in den „Willen Allahs“) die Spontaneität und die Aufmerksamkeit?
    Ist der Islam die verdinglichte Version des jüdischen „Monotheismus“ (die jüdische Religion als Fall), und deshalb gleichsam „von Haus aus“ fundamentalistisch? Kein Ausweg aus dem Sexismus (Pascha: Herrschaft und Selbstmitleid)? Islam als Gottesfurcht-Vermeidungsstrategie, als scheinhafter Ersatz der Gottesfurcht?
    Ist der Islam nicht auch Ausdruck einer erschütternden Hilflosigkeit (wie jeder Fundamentalismus, und jede zum Terrorismus neigende politische Bewegung, einschließlich der durch den unaufgearbeiteten Faschismus bestimmten herrschenden Politik)? – Läuft nicht die Art, wie die Kinder des Pakistani ihrem Vater jeden Wunsch erfüllen, noch bevor er ihn überhaupt äußern kann, auf eine ganz sublime Entmündigung (Infantilisierung) des Vaters hinaus? Er ist nicht mehr fähig, die einfachsten Dinge selbst zu tun. So rächt sich die Familie an ihrem „Oberhaupt“. (Oder: Die arme, klagende Kreatur rächt sich für das, was ihr angetan wurde, an ihrer Umwelt.)
    Der Islam scheint eine Erlösung der Welt nicht zu kennen (deshalb der Freitag als Wochenfeiertag: der Tag vor dem Sabbat). Der Islam kennt Erlösung nur als individuelle Erlösung (Belohnung oder Bestrafung); deshalb ist er mehr noch als das Christentum auf die unerlöste Sexualität (und damit an die Frauenfeindschaft) fixiert. Paradigma der Erlösung ist die unio mystica oder die Rückkehr ins Paradies (den Garten mit den Flüssen) als reine Regression. Wenn die Welt nicht erlösbar ist, ist es auch die Frau nicht (Zusammenhang des Weltbegriffs mit dem Patriarchat und der Frauenfeindschaft).
    Vgl. hierzu die Entrüstung, mit der der Autor von „Jesus starb in Indien“ auf die Salbung Jesu durch eine „Prostituierte“ reagiert (überhaupt die Empfindlichkeit gegen „Schande“, gegen eine Beeinträchtigung des Rufs, des öffentlichen Ansehens: deshalb darf Jesus nicht am Kreuz gestorben sein.)
    Zusammenhang von Nationalismus und Befreiungsbewegungen:
    – Konsequenz daraus, daß es ohne Geldwirtschaft (als subjektiver und objektiver Nationalitätsgrund) nicht geht, der Sozialismus hieran seine Grenze findet.
    – Grund des Wiederauflebens religiös-politischer Kräfte (Nordirland, Islam, Jugoslawien, GUS).
    – Grund für das theoretische Gewicht und die Bedeutung einer Analyse des Geld- und Bankenwesens.
    Die Vorstellung des unendlichen Raumes setzt die ganze Welt unter Laborbedingungen, sterilisiert sie gleichsam, unterwirft sie dem Herrenblick, bringt das Andere zum Verschwinden.
    Mit der Verdrängung des Sterbens aus der Erfahrung schwinden die Toten aus der Erinnerung. Die Welt wird vom Sterben und von den Toten nicht mehr berührt: sie wird steril (durchs Inertialsystem zum universalen Labor).
    Der Personalismus in der Philosophie trat auf, als die Seele (und mit ihr der Gedanke der Unsterblichkeit und des seligen Lebens) aus dem Bewußtsein verdrängt wurde. Aber niemand (auch die „Gläubigen“ nicht) hat’s gemerkt, weil alle andere Ziele haben.
    Ist die Erschaffung der „großen Seeungeheuer“ der Hinweis auf die Erschaffung des Bösen? Vgl. auch Hiob: den Ankläger und Behemoth und Leviatan.
    Hat die Sara (im Buch Tobit) etwas mit Maria Magdalena zu tun (die sieben in der Brautnacht verstorbenen Männer mit den sieben unreinen Geistern)?
    Die Trennung von Begriff und Objekt, Geist und Materie, dient auch der Erhaltung und Absicherung von Herrschaft, schließt den Gedanken einer Änderung der Gesellschaft (und der Natur) vom Grunde her aus. Kein Zufall, daß jede Namenslehre in Gefahr steht, magisch mißverstanden oder mißbraucht zu werden (Beziehung der Astronomie zur Schrift?).
    Was bedeutet es, wenn die Schrift der Magie das Ende bereitet hat (Ausnahme: das Verhältnis von Kabbalah und Magie)?
    Herrschaft ist Herrschaft über die Vergangenheit. Keine Änderung ohne Änderung der Vergangenheit (Beziehung der Herrschaft zur Sternenwelt).
    Man kann nicht die Menschheit, um sie zu befreien, abschaffen. Die Wahrheit ist nicht durch Unwiderleglichkeit (gegen die Häretiker), sondern durch ihre Ausbreitungsfähigkeit (daß alle in ihr sich als gemeint wiederfinden) zu bestimmen. Die alltägliche Erfahrung, daß die Menschen über ihr unmittelbares Eigeninteresse hinaus nicht mehr ansprechbar sind, ist kein Anlaß zur Empörung, sondern zur Trauer. Empörung verwandelt auch die Wahrheit in ein Moment des gleichen bornierten Eigeninteresses, über das sie sich empört, macht sie zur Ideologie, die dann keinen anderen Weg mehr kennt außer dem der Gewalt, die die Wahrheit durch Unwiderlegbarkeit zerstört.
    Es ist ein an der gegenwärtigen Konstruktion des Lebens geschulter böser Scharfsinn, der uns die Ursprünge des kirchlichen Christentums heute anders wahrnehmen läßt. Dagegen hilft keine Apologie.
    Zu Kants Bemerkung über das Verhältnis von Natur- und Weltbegriff die transzendentale Logik (Deduktion der synthetischen Urteile apriori) vergleichen: Der Ursprung der Unterscheidung und ihre Folgen sind hier ablesbar.
    In Benjamins Wort von der „Erektion des Wissens“ (I 1, S. 131) klingt sowohl die Erinnerung an der Turmbau zu Babel als auch ein Hinweis auf den Ursprung und die Geschichte der modernen Naturwissenschaften mit an. Diese Erektion des Wissens begründet den Weltbegriff.
    Gründet das Gefühl in der Trauer? (S. 139)
    Der Weltbegriff gründet in der gleichen objektiv vermittelten Abstraktion, der auch der Ursprung der Schrift sich verdankt.

  • 15.06.92

    Das Adornosche Konzept einer Säkularisation theologischer Gehalte ist zweideutig: Vergessen wird, daß der innere Motor des Säkularisationsprozesses selber bereits Produkt einer Säkularisation theologischer Gehalte ist, der christlichen Theologie-Geschichte sich verdankt. Mit der Folge, daß es heute generell (auch unter den Schülern Adornos) nur noch theologische Halbbildung gibt: nichts mehr, was sinnvoll auf seinen rationalen Gehalt sich zurückführen ließe. Das „theologische Erbe“, auf das Adorno sich bezog, war nicht mehr nur „klein und häßlich“, wie Benjamin schon notierte, sondern für die Nachkriegsgeneration schlicht inexistent. Übriggeblieben waren nur die „theologischen Mucken“ der Ware, und deren Säkularisation war ja wohl nicht gemeint.
    Das Schuldbekenntnis ändert ebensowenig die Tat wie das Glaubensbekenntnis die „Tatsachen“.
    Ist nicht bereits die Trinitätslehre das erste Resultat der falschen Säkularisation (Produkt der Brechung der Theologie im Medium des Weltbegriffs: der Philosophie und des Rechts) und deshalb nicht mehr säkularisierungsfähig? Und sind nicht diese Rechenkunststücke von ein Wesen und drei Personen, eine Person und zwei Naturen, Nebenfolgen dieser Brechung? Kommt man der Sache nicht näher, wenn man Begriffe wie Substanz, Person, Natur als im historischen Prozeß – in einer konkreten Situation und in einem genau bestimmbaren Kontext – entsprungene Begriffe begreift und diesen Ursprung in ihr Verständnis mit hereinnimmt. Genau diese Begriffe sind es, die als unreflektierte den unreflektierten Weltbegriff und mit ihm den geschichtlichen Schuldzusammenhang in die Theologie hereingebracht haben (und Ursache dafür sind, daß christliche Theologie heute zum Prototyp theologischer Halbbildung geworden ist).
    Die Trinitätslehre hat einmal dazu verholfen, den Weltbegriff zu stabilisieren, an den sie gebunden ist. Dagegen bedurfte es der Trinitätslehre nicht mehr, nachdem diese Aufgabe vom Inertialsystem übernommen wurden (d.h. nach Begründung der naturwissenschaftlichen Aufklärung). Und genau das Inertialsystem ist Produkt der Säkularisation der Trinitätslehre. In diesem Prozeß ist der moderne Naturbegriff entsprungen. Seitdem ist die Theologie leer, tot und stumm geworden wie der Raum. Die Trinitätslehre wäre wirklich obsolet, wäre sie nicht die versteinerte Erinnerung an eine bis heute unbegriffene Vergangenheit. Und genau daran hätte sich die Erinnerungsarbeit abzuarbeiten, die heute allein noch Theologie heißen darf.
    Die Selbstverfluchung (in der Geschichte von den drei Verleugnungen) ist ein Resulat jenes Prozesses, auf den sich das Gebot „Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet“ bezieht: In dem Maße, in dem die Kirche als richtende Instanz sich begreift, richtet sie sich selber. „Wer dieses Brot unwürdig ißt und diesen Wein unwürdig trinkt, der ißt und trinkt sich das Gericht.“
    Person und Schuld: Als Person bin ich freigesprochen vom gesellschaftlichen Schuldzusammenhang und nur für mein eigenes Handeln verantwortlich. Rührt dann nicht Auschwitz an die Grundlagen des Personbegriffs?
    Die Verdrängung der „Schuldgefühle“ dort, wo ich nichts ändern, nicht eingreifen kann (eigentlich in der gesamten beruflichen und politischen Sphäre, ebenso im Verhältnis zur Vergangenheit und zur Natur), ist der Tod der Sensibilität, der Tod der Erfahrungsfähigkeit: Grund der kollektiven Amnesie. Heideggers „Vorlaufen in den Tod“ ist imgrunde eine Flucht vor der Zumutung der Schuldreflexion, die sich dann faschistisch als Heroismus verkleidet. Die pompöse Vorstellung, die wir mit dem Begriff der „Übernahme der Sünde der Welt“ verbinden, täuscht uns selbst insbesondere darüber hinweg, daß es sich hier um den ganz schlichten Grund der Erfahrungsfähigkeit handelt. Die benennende Kraft der Sprache ist nicht zurückzugewinnen ohne die Fähigkeit zur Reflexion von Schuld.
    Das „Staub bist du und zu Staub wirst du wieder werden“ erinnert an das projektive Moment im Materiebegriff, wobei an den Namen der Materie, an den Zusammenhang mit „mater“, zu erinnern ist. Liegt hier der Grund für den Zusammenhang zwischen Rousseaus Naturbegriff und dem Inzestmotiv in seinen Bekenntnissen? Und verweist das nicht zugleich auf die Konstellationen, aus denen die Hexenverfolgung entstanden ist?
    Das katholische Schriftverständnis scheint der Tendenz nicht mehr sich entziehen zu können, alles ins Banale und Erbauliche übersetzen zu müssen, um nicht an das erinnert zu werden, worauf es eigentlich ankäme.
    Wenn bei Augustinus das Glück der Seligen im Himmel den Anblick der Leiden der Verdammten mit einschließt, so ist das die genaue Umkehrung des Realgrundes des Christentums: der Sensibilisierung durch die Übernahme der Sünde der Welt (vos estis sal terrae). Hier wird ableitbar und kritisierbar, weshalb Augustinus die Erbschuld in die sinnliche Lust verlegen muß. Auch die verdinglichende Trennung von Leib und Seele, mit den merkwürdigen Ursprungskonzepten im Hinblick auf die Einzelseele, überhaupt der objektivierende (und instrumentalisierende) Erkenntnisbegriff gehört hierher. Diese Trennung ist mit dem Ursprung der modernen Naturwissenschaften obsolet geworden; sie ist (mit der Trennung von Welt und Natur) in ihren Ursprung zurückgekehrt: in die Herrschaft des Raumes über die Erkenntnis und die Urteilsform, den Inbegriff der Erbschuld und die Verkörperung des Baums der Erkenntnis
    Die kantische Unterscheidung von Schul- und Weltphilosophie und sein (bei Hegel sich entfaltendes) Votum für die Weltphilosophie ist die Grundlage und die Voraussetzung für die Konzeption der transzendentalen Ästhetik, insbesondere für das Konzept der subjektiven Form der äußeren Anschauung. Genau darin, in der subjektiven Form der äußeren Anschauung, manifestiert sich die unreflektierte (und fast unreflektierbare) Gewalt des Weltbegriffs über das Denken. Die Form der äußeren Anschauung ist gleichsam der Statthalter des Urteils der anderen im Einzelsubjekt. Und dieser Statthalter des Allgemeinen ist kommunikativ oder – wie Kant selber nachgewiesen hat – mit den Mitteln der Beweislogik nicht mehr zu erschüttern. Das einzige, das Kant festgehalten hat, was dann aber gründlich verdrängt wurde – nicht zuletzt mit Hilfe der scheinbaren Auflösung des Problems durch Hegel -, findet sich in den Antinomien der reinen Vernunft. Hier begründet er die Subjektivität der Formen der Anschauung mit dem Nachweis, daß die Fragen, ob der Raum endlich oder unendlich ist, oder ob die Zeit einen Anfang hat oder auf eine unendliche Vergangenheit zurückweist, mit den Mitteln der Beweislogik nicht entscheidbar sind. Dieser Nachweis der Subjektivität eröffnet den Raum zur Begründung der Freiheit (im Gegensatz zum Naturbegriff) und damit der praktischen Vernunft.
    Freiheit, die mehr ist als das liberum arbitrium, läßt sich nur im Kontext der Reflexion von Schuld begründen.
    Jede Apologetik enthält dadurch, daß sie sich der Logik des Diskurses, der Beweislogik (Kommunikation und Öffentlichkeit) bedient, etwas von der Identifikation mit dem Aggressor, nimmt von ihm etwas in sich hinein. Unter diesem Aspekt wäre die Geschichte der Theologie als Teil der Geschichte der drei Leugnungen zu begreifen.
    Die Theologen: Sind das nicht die falschen Freunde Hiobs?
    Der Begriff der Welt definiert das Eine als das Andere des Anderen, er schließt die Leugnung des Einen mit ein.

  • 24.05.92

    Ist nicht (gegen Flasch, S. 94) die Biologisierung der Erbsünde gerade eine Konsequenz des augustinischen Personalismus?
    Augustinus behandelt die Geschichte mit Esau und Jakob als Fall, an dem man ein Gesetz (die Paradoxie des Gesetzes der Gnade) demonstriert.
    Zu Psalm 5811 (5711): In dem Psalm ist das Blut der Sünder das der „Frevler“, der Herren (bei Augustinus wird daraus das Blut der Aufsässigen, schließlich der Häretiker); und der Gerechte wäscht nicht (wie die Vulgata übersetzt) seine Hände in diesem Blut, sondern er watet im Blut.
    Gemeinheit ist kein strafrechtlicher Tatbestand, aber das Strafrecht läßt als Notwehr gegen die Gemeinheit des Rechts die Lüge zu. Vor diesem Hintergrund gewinnt die kirchliche Umformung des achten Gebots in „Du sollst nicht lügen“ den besonderen Sinn, die Menschen wehrlos zu machen. Konsequenz des dämonischen Gottesbegriffs. Zugleich hat sie die Gläubigen aggressiv gemacht.
    Das Gebot „Du sollst nicht lügen“ definiert Wahrheit durch die subjektive Ehrlichkeit; er schränkt Wahrheit damit apriori auf das Reich der Erscheinungen ein: er ist eine Konsequenz aus der Unfähigkeit zur Reflexion des Weltbegriffs (ein Mittel im Kampf gegen die Häeresien, die selber genau dieser Unfähigkeit sich verdanken, und der Grund, aus dem die Selbstverfluchung einmal zwangsläufig erwachsen muß).
    Die gar nicht so uninteressante Frage, ob nicht der emphatische Begriff der Wahrheit etwas mit einschließt, was im Kontext der Verblendung Lüge heißt, wäre zu prüfen. Daß Generationen von Philosophen, durch die Universitätsbildung schlau geworden, nichts dabei fanden, in welchem Zusammenhang und mit welcher Bedeutung in Hegels Philosophie der Begriff der List erscheint, hängt hiermit zusammen.
    Der Teufel, der Herr der Hölle ist auch der Vater der Lüge (und Subjekt des Gelächters). Wie hängen Lachen und Lüge zusammen? Ist nicht das Lachen die infamste (weil ohne Selbstdenunziation nicht widerlegbare) Gestalt des falschen Zeugnisses (Zusammenhang mit dem Raumbegriff)?
    Zur Ableitung der Sexualmoral und der Frauenfeindschaft: Augustinus opfert im Kampf gegen seinen bösen Trieb die Frau (die namenlose Mutter seines Sohnes „Adeodatus“: wer ist hier der „deus“?). Der Marquis de Sade hat dieses Verhältnis auf den Punkt gebracht.
    Kurt Flasch mißt Augustinus an der neopaganen Idee einer unschuldigen Natur (oder der natürlichen Unschuld); er hat offensichtlich seinen Freud nicht gelesen und kennt in dieser Sache nur die – aus der christlichen, der augustinischen Tradition stammende -Alternative: Urteil oder Freispruch.
    Im jüdisch-christlichen Schisma hat das Christentum die Gottesfurcht verdrängt; damit waren die Wurzeln eingepflanzt für Gnosis und Manichäismus.
    Nach dem Verrat der Gottesfurcht, wurde im Kampf gegen die Gnosis die Idee der Schöpfung, im Kampf gegen den Manichäismus die des Gerichts verraten.
    Zum Taumelkelch und seiner Beziehung zum Hegelschen Absoluten: Ist dieser Taumelkelch nicht schon zuvor über die Trinitätslehre in die Theologie aufgenommen worden?
    Im Dogmatisierungsprozeß wurde die Warntafel mißachtet, die Jesus selbst aufgerichtet hat: Das Wort „Richtet nicht …“ enthält doch auch die ganz schlichte Konsequenz: Die Wahrheit ist nicht Gegenstand des Urteils.
    Das Verbot zu lügen untergräbt die Logik und die Botschaft des Märchens; nur das Märchen eröffnet den Bereich, in dem der Teufel als dumm erkennbar wird: das aber ist das für ihn schlimmste Prädikat.
    Wo kommen Insekten in der Schrift vor? Und in welcher Beziehung stehen sie zu den Würmern, zum Gewimmel, zu den Kriechtieren -oder zur Schlange? (Und welche Blumen kommen in der Bibel vor?)
    „schuf“, „erschaffen“, „Erde“, „Himmel“.
    Zur Theorie des Feuers: das Aufspannen (des Himmels) hängt mit der Spannung zusammen, die beispielsweise auch einem Roman eignet, dessen Telos (nach Lukacs) der Tod ist. Waren die Scheiterhaufen die christlichen Erben der Moloch-Opfer? Bibel-Stellen zu „Feuer“, „Flamme“, „brennen“, „brannte“. Der Kreislauf des Wassers (der Wasser von unten und der von oben) oder der Zusammenhang von Schuld und Segen. Was bedeutet das Wort am Kreuze „Mich dürstet“ („Durst nach Gerechtigkeit“)? Hunger und Durst, Feuer, Asche und Staub. Die vierzig Tage Jesu in der Wüste, die Versuchung und am Ende die Engel, die seinen Hunger und Durst stillten. Wovon nährte sich Johannes der Täufer? Haben die Heuschrecken mit denen in der Exodusgeschichte zu tun?
    Die Orthogonalität des Raumes und die Reversibilität der Richtungen im Raum gehören zusammen. In dieser Reversibilität aber drückt die Macht des Unteren über das Obere, des Hinteren über das Vorne und der linken über die rechte Seite aus.
    Natur und Welt sind die beiden Gestalten des Für-andere-Seins als Totalität (Folge der Verirrung im Labyrinth der Mathematik: aber hat nicht die kantische Philosophie die Grenzen dieses Labyrinths abgesteckt, während die hegelsche Philosophie das Labyrinth von innen vermessen hat).
    Der Exkulpationstrieb hat seine Wurzeln in der Gewalt, die wir immer noch dem moralischen Urteil beimessen; diese Gewalt aber gründet in der christlichen Himmels- und Höllenvorstellung.

  • 22.05.92

    Wird nicht die Theologie des Augustinus erst dann durchsichtig, wenn man sein Konzept aus dem Referenzsystem der bürgerlichen Konkurrenz und Selbsterhaltung herausnimmt und auf das Problem der objektiven Erlösung der Welt bezieht, oder: wenn man die Gottesfurcht mit hereinnimmt, dazu dann allerdings auch den letzten Satz des Buches Jona. Ist nicht die Untersuchung über die Gnadenlehre von 397 ein nur leicht entstellter Traktat über die Gottesfurcht (Ausgangspunkt, daß man sich der Gnade nicht rühmen darf, mit der besonderen Problematik, daß das Thema an einen Bereich rührt, der einer „objektiven“ Darstellung nicht fähig ist)?
    Dämonische Züge gewinnt dieses augustinische Konzept aus den Prämissen, die eigentlich erst nach ihm sich durchgesetzt und verstärkt haben: aus dem Gemisch von Ohnmacht, Selbstmitleid, Konsumentenhaltung oder aus dem gleichen Grund, den Adorno einmal so zutreffend beschrieben hat: „Heute fühlen sich alle ungeliebt, weil keiner mehr zu lieben in der Lage ist“. Dieser Habitus der Ohnmacht im Entscheidenden, der zusammenhängt mit der Enttäuschung der Parusieerwartung, die Martin Werner als eine der Ursachen des Dogmatisierungsprozesses nachgewiesen hat. Er rührt her aus der Welterfahrung unter den Prämissen des Römischen Reiches. Zu untersuchen wäre generell, in welcher Gestalt und auf welchen Wegen der Weltbegriff in die Theologie sich einschmuggelt und zu welchen Folgen in der Theologie das geführt hat. Es ist die gleiche Ohnmacht, die im Weltbegriff sich vergegenständlicht und der die gleiche minimale Verschiebung sich verdankt, die dann die christliche Sexualmoral begründet und geformt hat, und zwar im Kontext jenes Problems, das in Begriffen wie iustificatio (Rechtfertigung oder Gerechtmachung?) und confessio (Problem der Bekenntnislogik) sich anzeigt.
    Am Ende wäre dann auch noch auf den postapokalyptischen Jonas zu verweisen, insbesondere auf den letzten Satzes des Buches Jona („Wie sollte ich mich nicht erbarmen …“). Und ist nicht in der Tat Jona die Kirche:
    – die von Anfang an sich geweigert hat, ihren prophetischen Auftrag an Ninive, „die große Stadt“, anzunehmen,
    – die nach Tarschisch fliehen wollte, ins Meer geworfen und vom Fisch gefressen wurde, in dessen Bauch sie ihren Lobgesang anstimmt, wieder ausgespien wird, nach erneutem Auftrag eine Tagesreise nach Ninive hereingeht und dort verkündet: „In vierzig Tagen wird Ninive zerstört“.
    Und dann kommt die ganze Nachgeschichte, Gottes Erbarmen und der Hader Jona’s mit Gott, den Gott mit seinem Hinweis auf sein Erbarmen beendet.
    Es geht beim Augustinus nicht um die Synthese von Gnade und Freiheit, und wer auf den manifesten Sinn der augustinischen Erörterungen sich einläßt, ist schon verloren.
    Sind nicht die Erörterungen des Augustinus in erster Linie Erörterungen zum Problem der Gottesfurcht, und werden sie nicht zwangsläufig mißverstanden, wenn man sie unter dem Stichwort Gnadenlehre liest?
    Das Problem des Augustinus scheint mir darin zu liegen, über das Nichtrühmen das „Richtet nicht …“ in die Gnadenlehre hereinzubringen.
    Kommt nicht das Problem auch dadurch, daß A. ein typologisches mit einem historischen Problem (oder ein prophetisches mit einem philosophischen) verwechselt?
    Die Ethik ist eine Richtschnur des Handelns; zu einem Element der Erkenntnis wird sie in dem Augenblick, in dem sie als Grund des moralischen Urteils nicht mehr verwendbar ist, d.h. wenn sie reflektiert und bewußt aufhört, Wertethik zu sein.
    Ich bin zweimal beim Versuch, eine Dissertation zu schreiben, gescheitert:
    – das erstemal an Max Schelers Wertethik, deren obszöne und blasphemische Strukturen herauszuarbeiten gewesen wären;
    – das zweitemal an einer Arbeit über Hume, an dessen radikalem Empirismus ich die Probleme des kantischen und hegelschen Erkenntnisbegriff noch einmal aufarbeiten wollte (Zusammenhang von Ich-Identität und Dingbegriff).
    An beiden bin ich gescheitert.
    Hat dieser Begriff des Scheiterns etwas mit dem Scheiterhaufen zu tun? Jedenfalls verdanke ich es Karl Jaspers, wenn ich das Scheitern nicht nur als etwas Negatives erfahren habe, wenngleich ich den gleichen Horror vor der jasperschen Heroisierung des Scheiterns habe. Mir scheint es käme eher darauf an, eine Theorie des Feuers aus dem Begriff des Scheiterns zu entwickeln, in dem Sinne, in dem Franz von Baader einmal die hegelsche Philosophie das Autodafe der bisherigen Philosophie genannt hat.
    Die Theorie des Feuers als Entfaltung einer Theorie der rettenden Kritik: Diese Theorie fände sich dann in der Theologie als Lehre vom Heiligen Geist wieder. Eines ihrer ersten Objekte wäre die verdinglichte Feuerlehre der vergangenen Theologie: die Lehre von der Hölle und vom Fegefeuer (vgl. Le Goff)
    Erinnerung an Karl Kraus, an „Die letzten Tage der Menschheit“, in denen er das Wiener Cafehaus zugleich als Logenplatz des Weltuntergangs und Produktionsstätte der Phrase, die die Welt in Brand gesetzt hat, vor Augen führt. Dieses Cafehaus definiert letztmals die Grenze von Fegefeuer und Hölle und markiert genau ihren historischen Ort. Und sind nicht „Die letzten Tage der Menschheit“ die Probe aufs Exempel jener Stelle im Jakobusbrief, die von der menschlichen Zunge handelt, und sind diese Zungen nicht wieder ein Exempel für die Feuerzungen im Pfingstereignis der Apostelgeschichte? Dazu das Jesus-Wort „Ich bin gekommen, Feuer auf die Erde zu bringen, und ich wollte, es brennte schon“.
    Die Logik des Schreckens ist die Logik des Bekenntnisbegriffes. Sie hängt zusammen mit der Beziehung von Lachen und Schrecken, und das wäre zu entfalten.
    Das Bilderverbot richtet sich gegen die Trägheit des Vorstellens, somit auch gegen die Mathematik: Läßt sich deren Beziehung zur Sprache vielleicht einer Theorie des Feuers bestimmen?
    Ursprung und Folgen der Sexualmoral: Verwechseln heut nicht alle den Kampf mit den Windmühlen mit dem Kampf gegen den Drachen?

  • 07.05.92

    Kelch und Kreuz: Ist mit dem Kreuz im Nachfolge-Rat schon das Kreuz von Golgatha gemeint? Muß, wer das Kreuz auf sich nimmt, den Kelch trinken?
    Die Unbelehrbarkeit (Produkt aus Schuld und Verstockung) ist eine Konsequenz aus der Sünde wider den Heiligen Geist. Sie kann weder in dieser noch in der kommenden Welt vergeben werden.
    Jungfrauengeburt und die sogenannte „Enttäuschung der Parusieerwartung“: In beiden spielen die Mechanismen eine Rolle, die man in dem Konzept von Objektivierung und Instrumentalisierung zusammenfassen kann.
    Alle Kosmogonien haben mit dem Urknall gemeinsam, daß sie sich um die Idee der Schöpfung herummogeln, den Naturbegriff als Totalitätsbegriff festhalten wollen.
    Zu den Confessiones des Augustinus:
    – Für ihn war das Bekenntnis als Symbolum in erster Linie etwas, das sich in seiner Beziehung zu Gott abspielte; es war esoterisch, der Gottesfurcht oder der Scham unterworfen.
    – Vor den Menschen war es vorab ein Schuldbekenntnis, ein Sich-wehrlos-Machen, ein „Akt der Demut“, und zugleich ein Bekenntnis der Befreiung, mit dem Anreiz für andere, es nachzumachen. Hierin ist der ursprüngliche Sinn des Bekenntnisses noch sichtbar, aber hier ist genau der Punkt bezeichnet, an dem es umkippt in ein konfessionelles Bindemittel.
    – Das zweite große Bekenntnis in der europäischen Geschichte, das des Rousseau, ist eigentlich nur noch exkulpatorisches Bekenntnis, Bekenntnis einer schuldlosen Schuld, das glaubt, im „Zurück zur Natur“ einen Fluchtweg aus dem Schuldbewußtsein, aus der Gottesfurcht gefunden zu haben, und das dann zwangsläufig in den christologisch instrumentierten Naturbegriff führt. Es kein Zufall, daß Rousseau, die Etablierung des modernen Naturbegriffs, diese zugleich ungeheure und subkutane Wirkung gehabt hat, in der gesamten Geschichte von Spinoza über den deutschen Idealismus bis hin zu Derrida.
    – Welche Sünden bekennt Augustinus:
    . die Gier und die Eifersucht des Säuglings,
    . den Diebstahl des Heranwachsenden und
    . die Sexualität des jungen Mannes, wobei er das moralische Problem nicht in der Trennung von der Frau, mit der er zusammengelebt hat, sieht, sondern nur in der sexuellen Beziehung, die er vor der Trennung gehabt hat. Diese Kälte ist die Kirche seitdem nicht mehr losgeworden. Indiz des Zusammenhangs der kirchlichen Unsterblichkeitslehre mit dem bürgerlichen Prinzip der Selbsterhaltung, das über diese Unsterblichkeitslehre (und durch die Aufnahme des Tauschprinzips in die bürgerliche Moral) gleichsam seine theologische Weihe erhält.
    – Beim Augustinus ist der Kontext des ungeheuerlichen Wortes vom Binden und Lösen noch mit Händen zu greifen. Hat nicht dieses Binden und Lösen nicht sehr viel mit dem gordischen Knoten zu tun: den Alexander, Schüler des Aristoteles und erster Welteroberer, nur durchschlagen und nicht gelöst hat? Alexander ist geradezu die historische Verkörperung jener Beziehung von Philosophie und Herrschaft, die dann durch die Rezeption der Philosophie und durch die Übernahme des Erbes Roms in der Konstantinischen Ära von der Kirche übernommen und verinnerlicht worden ist, mit all den Folgen, die das gehabt hat.
    – Im Anfang (im Zusammenhang mit dem Satz „inquietum es cor nostrum …“) kommt die Differenz zwischen dem Anrufen Gottes und der Kenntnis Gottes zur Sprache, ohne daß sie wirklich entfaltet wird. Ist nicht das „inquietum …“ ein Fluchtversuch aus dem Bereich der Gottesfurcht?
    – Ist nicht der augustinische Gott – wie der philosophische -stumm, und wird er nicht gerade durch die dogmatische Logos-Spekulation zum Verstummen gebracht? Was ist das für ein Gott, in dem ich ruhen könnte?
    Zur euklidischen Geometrie: Ein Dreieck in einer Ebene enthält sechs Bestimmungselemente: drei Längen und drei Winkel. Von diesen sechs Elementen müssen drei gegeben sein, um ein Dreieck eindeutig zu bestimmen, mit der einen Ausnahme: Durch drei Winkel werden nur ähnliche, nicht gleiche Dreiecke bestimmt (Grund ist u.a., daß aufgrund der mathematisch bestimmten Winkelsumme der dritte Winkel keine unabhängige Größe darstellt, sondern durch die Festlegung der beiden anderen mitbestimmt ist).
    Hat das Rosenzweigsche Konstrukt Gott Welt Mensch etwas mit dem Herrschafts-, Schuld- und Verblendungszusammenhang zu tun, oder auch mit dem Verhältnis von Raum und Umkehr: Oben/Unten, Rechts/ Links und Vorne/Hinten (und zwar genau in dieser Reihenfolge)? Und gründet die Ebenbildlichkeit des Menschen in der Abbildlichkeit, in der abbildlichen Beziehung des Vorne und Hinten zum Oben und Unten? Für Gott gibt es kein Hinten, für den Menschen kein für ihn gegenständliches Unten (aus diesem Satz läßt sich die gesamte Moral ableiten).
    Die Subjektivität der kantischen Formen der Anschauung wird bei Kant selber nachgewiesen durch die Antinomien der reinen Vernunft.
    Israel ist der Augapfel Gottes; deshalb entspringt mit dem Versuch, der Gottesfurcht zu entgegehen, gleichsam hinter den Rücken Gottes zu gelangen, der Antisemitismus.
    Es ist wahr: Mit dem Ursprung des Protestantismus war die häresienbildende Kraft in der Kirche erschöpft. Aber ist die Frage nicht interessanter: Wo und unter welchen Bedingungen ist die häresienbildende Kraft in der Kirche entstanden, wo ist sie entsprungen? Die Lösung dieser Frage würde die Lösung des Rätsels des Christentums mit einschließen.
    Die apologetische Bemerkung in der Einleitung zu den Minima Moralia über die Bedeutung der individuellen Erfahrung für die Philosophie wäre ihres apologetischen Charakters zu entkleiden und als schlichter sachlicher Quellpunkt einer neuen Selbstbegründung der Philosophie zu bestimmen.

  • 06.05.92

    Die Vergangenheit eröffnet sich erst, wenn wir die Geschichte nicht mehr nur als eine Geschichte der Dinge, sondern auch als eine Geschichte des Bewußtseins begreifen, d.h. wenn wir fähig sind, das eigene Bewußtsein, die Gestalt des eigenen Bewußtseins, selber als geworden, als bedingt zu reflektieren und zu begreifen. Nichts anderes bedeutet es, wenn es von Jesus heißt, er habe die Sünde der Welt auf sich genommen. Die Geschichte als eine Geschichte der Dinge zu begreifen, heißt die Geschichte als Weltgeschichte begreifen. Und diese Geschichte reicht nun in der Tat nicht vor die Entstehung der Welt oder des Weltbegriffs zurück.
    Der Begriff der Welt ist das Apriori, der der Natur das Aposteriori des verdinglichenden Denkens.
    Der Islam kennt kein Geschichtsdrama, weil er keine Erbsünde kennt.
    Das Im Angesicht Gottes ist die Antizipation des Jüngsten Gerichts (und nur innerhalb einer durchs Geschichtsdrama bestimmten Geschichte möglich). Nur so ist die Prophetie zu verstehen und ihr Zusammenhang mit dem Satz „Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet“.
    Anstatt die Schrift auf das Niveau von Seminararbeiten an deutschen Universitäten herabzuziehen, käme es darauf an, das Niveau von Seminararbeiten auf das der Schrift anzuheben.
    Die Konfliktunfähigkeit in der Kirche rührt her von dem fürchterlichen Mißverständnis des vierten Gebotes. „De mortuis nihil nisi bene“: Hat das nicht auch etwas mit dem kirchlichen Verständnis des Begriffs der Blasphemie zu tun (während die Idee der Heiligung des Gottesnamens auf etwas davon toto coelo Verschiedenes bezieht)?
    Die letzte Gestalt des Bekenntnisses: das Weinen des Petrus, nachdem der Hahn krähte. Das konfessionelle Bekenntnis liegt eher in der Nähe des trotzigen (stumme) Beharrens auf der Schuld; es ist das Modell jeglicher Unbelehrbarkeit und insofern mythisch.
    Zur Konstituierung und Absicherung des Trägheitsbegriffs und des Inertialsystems, und d.h. zur Konstituierung und Absicherung des Konzepts der modernen Naturbeherrschung gehören das Gravitationsgesetz und eine Theorie des Lichts, die die endliche Fortpflanzungsgeschwindigkeit des Lichts mit einschließt. Beide beziehen sich nicht nur auf Erscheinungen im System, sondern auf den Bestand des Systems selber (vgl. den Zusammenhang von Trennen und Benennen in der biblischen Schöpfungsgeschichte).
    If the future will be like the past, oder: Weshalb lassen sich die an vergangenen Erscheinungen gewonnenen Erkenntnisse auf die Zukunft übertragen? Diese Frage läßt sich mit ja beantworten nur im Kontext dessen, was Kant die subjektiven Formen der Anschauung nennt, objektiv im Kontext des Inertialsystems. Indiz ist der Begriff der Materie (der Trägheit), Voraussetzung der grammatische Zusammenhang von Futurbildungen und Hypostasierung (Substanzbegriff). Historische und logische Vorstufen dieses Konzepts sind die Idolatrie, der Sternendienst und die Opferreligion.
    Aufklärung verdankt sich nicht nur der Verinnerlichung des Opfers, sondern der Neutralisierung und Vergegenständlichung von Idolatrie und Sternendienst im Weltbegriff und seinen Absicherungen in der Geschichte der Philosophie und der Wissenschaft.
    Bemerkungen zum johanneischen Begriff der Sünde der Welt, oder über das Verhältnis von Philosophie und Theologie.
    Die Unfähigkeit zur Reflexion der subjektiven Form der äußeren Anschauung (des Raumes) ist die Unfähigkeit zur Reflexion des Patriarchats.

  • 10.04.92

    In seiner Antisemitismus-Studie übersieht Heinsohn offensichtlich, welche Bedeutung diese gesellschaftlichen Gesteinsverschiebungen, die die Entstehung der Hochkulturen begleiten, für die Geschichte des Bewußtseins haben; hier rächt es sich, daß er beispielsweise den Ursprung der Schrift und die Entwicklung der Sprachen aus seinen Überlegungen ausschließt. Die Darstellung der „Reaktionen der Betroffenen“ auf die „kosmischen Katastrophen“ (S. 31) behandelt diese Reaktionen so, als könnten sie sich auch heute – nach der Ausbildung des Welt- und Naturbegriffs – so abgespielt haben. Daß es eine Geschichte des Bewußtseins gibt, die mit der der Sprachen aufs engste verknüpft ist, scheint außerhalb seines Gesichtskreises zu liegen. Daß es sich hier um vorödipale Zeiten handelt, daß die Bewußtseinsidentität noch nicht vorausgesetzt werden darf, daß das Bewußtsein erst mühsam beginnt, sich aus den mythischen Zwängen zu befreien und welche Rolle dabei die Struktur der Sprachen und die Entwicklung der Schrift, der Ursprung des Privateigentums und des Geldes, die Entstehung des Rechts, aber auch die Institutionen der Religion und der embryonalen politischen Strukturen, insbesondere die Institution des Königtums, spielen, scheint ihn nicht zu interessieren. Daß z.B. erst in den indogermanischen Sprachen über die grammatischen Innovationen, insbesondere die Futurbildungen als Voraussetzung des objektiverenden, hypostasierenden Denkens, ein Weltbewußtsein sich bildet, dessen Vorläufer Mythos, Idolatrie und Opfer sind, die dann – paradigmatisch in der griechischen Philosophie und in deren Konsequenz in der christlichen Theologie – durch Verinnerlichung (durch den ödipalen Prozeß hindurch) zur Grundlage des zivilisatorischen Bewußtseins werden, entgeht ihm. In diesem Zusammenhang – und jedenfalls nicht nur in dem des Interesses an der Voraussage von Naturkatastrophen (vgl. S. 43) – wäre z.B. das Orakelwesen (das in Griechenland ganz erheblich zur Durchbildung der Sprache und zur Entstehung der Philosophie beigetragen hat) zu diskutieren. Velikovsky und seine Adepten lösen keine Rätsel, sondern schürzen neue (oder genauer: machen sie kenntlich). Die monokausale Ableitung des Neuen aus Naturkatastrophen verkennt, daß es auch gesellschaftliche Naturkatastrophen (zu denen Heinsohn selber mit seiner Geldentstehungstheorie entscheidende Hinweise gegeben hat) gibt; und hier scheint mir, stellt sich ernsthaft die Frage: handelt es sich bei dem Zusammentreffen kosmischer und gesellschaftlicher Naturkatastrophen (die formal dem Leibnizschen Begriff der prästabilisierten Harmonie zu entsprechen scheinen) um reinen Zufall, oder gibt es dazwischen auch vermittelnde Agentien?
    Wurden die Götter nach Einführung des Privateigentums durch die Statuen um ihre Opfer betrogen (vgl. Heinsohn, Antisemitismus, S.47)?
    S. 54: Keine „wissenschaftlich begründete Religionsüberwindung“, sondern eine prophetische. Der Unterschied ist bestimmbar.
    Im VIII. Kap., S. 72ff, führt Heinsohn den Antisemitismus allein auf seine theologischen Ursprünge zurück, ohne den Zusammenhang dieser Theologie mit dem Ursprung des Säkularisationsprozesses und des modernen Weltbegriffs zu begreifen. Aber hier wird es erst interessant. Washalb war beispielsweise der real existierende Sozialismus, insbesondere der Stalinismus, antisemitisch?
    Es ist schon ein wenig irrsinnig, wie sich bei Heinsohn die Dinge zu einem System zusammenschließen: Die Naturkatastrophen-Theorie ist nur zu halten, wenn er die Befreiung vom Opfer im Atheismus terminieren läßt und diesen Atheismus in Widerspruch setzt zu den altorientalischen, heidnischen Hebräern, verbunden mit der These, daß erst das (erneut opfertheologische) Christentum monotheistisch geworden sei; so wie er auch schon in seiner Geldtheorie das gesellschaftskritische Element herausoperiert hat, so muß er hier den damit notwendig verbundenen szientifischen Antisemitismus der Wellhausen et al. mit rezipieren, und ihn dann in den Sack reinstecken, den er „Hebräer“ nennt. Zugleich muß er den „Juden“ die Schöpfungsidee nehmen, die doch die Prophetie, der die Absage ans Opfer sich verdankt, erst ermöglichte. Und seiner Geldtheorie das erkenntnis- und gesellschaftskritische Element, das zwangsläufig aus seinem Schuldknechtschaftskonzept folgt, und damit das Moment der Barmherzigkeit nehmen, dem doch die Absage ans Opfer sich verdankt. Zusammen damit muß er die Juden in die Nähe der Philosophen rücken (mit Hilfe des einen Theophrast-Zitats): das aber geht nur, indem er den Juden in ihrer eigenen hebräischen Vergangenheit das Barbaren-Äquivalent verschafft. Das Problem bleibt unlösbar, solange Heinsohn das im Begriff des Begriffs (und schließlich in dem der Welt) säkularisierte und zugleich verdrängte Exkulpations- (und Opfer-) Konzept nicht durchschaut. Inzwischen geht der Verdrängungsapparat, der dem Universums-Konzept zugrundeliegt, zu Bruch.
    Der Weltbegriff konstituiert sich auf zwei Ebenen:
    a. auf der des Ursprungs und der Stabilisierung des Begriffs (des Referenzsystems der Philosophie), und
    b. auf der Ebene und im Rahmen der Stabilisierung der Produktions- und Austauschverhältnisse, des Ursprungs des Marktes, d.h. zusammen mit dem Ursprung des Rechtssystems, das das Privateigentum ermöglicht und garantiert.
    Ebenso wie die Philosophie ist der Weltbegriff vom Ursprung, vom Bestehen und von der Geschichte des Privateigentums nicht zu trennen. Hinsichtlich eines jeden Sozialismus-Konzepts wäre festzuhalten: Vergesellschaftung ist ein „naturwüchsiger“ Prozeß und durch Verstaatlichung nicht zu humanisieren. Auch das staatliche Eigentum ist Privateigentum, wobei der Staat aus leicht durchschaubaren Gründen der dümmste (und der gemeinste) Privateigentümer ist.
    Wodurch unterscheidet sich Moses von Hammurabi und Solon?
    Gegen Adorno: Nicht das Eingedenken der Natur, sondern das der Ursprünge wäre als Ziel der Philosophie zu bestimmen. Von Adorno zu Habermas ist es in der Tat nur ein kleiner Schritt, aber einer in die falsche Richtung. Das Konzept des Eingedenkens der Natur ist Adornos säkularisierte Theologie.
    Was bedeutet der Raum für das geschichtliche Eingedenken, für die Erinnerungsarbeit?
    Zur biblischen Zoologie: Wie ist das mit den Schafen und Wölfen und Schlangen und Tauben?
    Der neutestamentliche Begriff der Sünde der Welt bezeichnet das Konzentrat der Ursprungsgeschichte der Welt in Idolatrie, Sternendienst und Opferwesen. Auch das Menschenopfer steckt in den Fundamenten unseres Weltbegriffs. Daran erinnert der Kreuzestod (Problem der Ursprungsgeschichte der subjektiven Form der äußeren Anschauung: welches ungeheuerliche Problem hat Kant in diesem Begriff stillgestellt?).
    Einige Bemerkungen zum Problem einer christlichen Theologie nach Auschwitz.
    Der moderne Naturbegriff ist eine logische Konsequenz aus dem Weltbegriff.
    Begriff und Institution der Diktatur hängt mit der Funktion des Prädikats im Urteil und mit der der Predigt im Christentum zusammen.
    Bekenntnis und Dogma stammen aus der Sphäre des Rechts, oder sind Reflexionsbegriffe von Rechtsbegriffen.
    Es gibt eingreifende Bedenken gegen die Vorstellung der Möglichkeit, das Recht mit den Mitteln des Rechts zu humanisieren. Vgl. den Zerfallsprozeß des Rechts im Gefolge der beiden Weltkriege, die Systemwidrigkeiten, die nicht mehr zu übersehen sind (fehlender Friedensvertrag, Anwendung des Strafrechts auf zwischenstaatliche Delikte, Verdrängung des Gemeinheitsproblems, Fortleben des „gesunden Rechtsempfindens“, d.h. des Rachemotivs im Rechtsstaat, Frage der Gewalt: Gewaltmonopol und Kampf gegen die Privatisierung der Gewalt; kann es sein, daß die Kritik an Carl Schmitt ihr Ziel erst erreicht, wenn sie das Recht selber trifft, dessen ungeheuerliche Systemlogik Carl Schmitt nur ausgesprochen hat – vgl. Walter Benjamins „Kritik der Gewalt“ und die Bemerkungen von Jaques Derrida dazu).

  • 03.04.92

    Es hat Zeiten gegeben, in denen Eltern ihre Kinder und Könige ihre Untertanen in der dritten Person Singular anredeten. Umgekehrt durften die Untertanen den König nur in der dritten Person Plural ansprechen (ähnlich die Kinder ihre Eltern). Diese Anrede in der dritten Person Plural ist im Prozeß der Vergesellschaftung von Herrschaft mit vergesellschaftet worden. Steckt in dieser Kollektiv-Anrede nicht die (durch die Institution des Königs vermittelte, dann im Christentum institutionalisierte) Anerkennung der Welt (als Kollektivsubjekt aller objektiven Urteile).
    Im Englischen ist es das wechselseitige „you“, die zweite Person, die sowohl im Singular wie im Plural verwandt wird. Hängt das Kollektiv-Du mit dem englischen Empirismus zusammen?
    Was ist der Unterschied zwischen Kollege, Kamerad und Genosse?
    Das katholische pokerface, diese harten, verschlagenen Gesichter, Produkt eines Religionsverständnisses, das nicht mehr die Schuld auflöst, sondern nur noch das Schuldbewußtsein wegnimmt und deshalb der Reue, der Umkehr nicht mehr bedarf, sie – mehr noch – diskriminiert. Wer büßt, der muß es schlimm getrieben haben. Und Umkehr wird nur noch als Eingeständnis der Schuld verstanden (anders hätte es der Umkehr nicht bedurft), das aber darf um keinen Preis laut werden (Ursprung der Apologetik, mit deren Hilfe immer schon die schlimmsten Untaten gerechtfertigt, und d.h. im Nachhinein begründet wurden).
    Die subjektive Form der Anschauung ist
    – der Angelpunkt, um den sich die Welt dreht,
    – das firmamentum, das die Wasser über und unter dem Firmament scheidet,
    – der Balken, durch dessen Optik hindurch die Splitterforschung betrieben wird.
    Das Poe’sche Bild vom Maelstrom, das Adorno in seinem Kierkegaard-Buch zitiert, realisiert sich im Hegelschen Absoluten (Inbegriff und Modell der Isolationshaft des Denkens).
    Philosophie in Erfahrung übersetzen bedeutet heute insbesondere: endlich den Geburtsfehler der Philosophie begreifen. Die Philosophie ist der Balken im eigenen Auge.
    Vom Splitter und vom Balken: Der Balken, ist das der Baum der Erkenntnis?
    Die Person ist als Objekt, was die Persönlichkeit als Subjekt ist.
    Das Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit rührt von der anderen Seite her an den Begriff der Materie. Es bezeichnet gleichsam dessen Innenseite und macht damit die Naturwissenschaft zur Schale, die zu knacken ist, wenn man an den Kern herankommen will.
    Ist der (christologisch bestimmte) Naturbegriff der (gordische) Knoten, den Alexander bloß durchschlagen hat, und den es jetzt endlich zu lösen gilt?
    Ist der Hahn in der Geschichte der drei Leugnungen eine Metamorphose des über den Wassern brütenden Geistes, der auch vor der Morgendämmerung des ersten Tages erscheint?
    Haben die Wasser oberhalb und unterhalb des Firmaments etwas mit der Gravitation zu tun? Und hat die Feste, die die Wasser scheidet, etwas mit den kantischen subjektiven Formen der Anschauung oder mit dem Inertialsystem zu tun? Steckt nicht in dem kantischen Wort von dem erhabenen Sternenhimmel über mir und dem moralischen Gesetz in mir ein Hinweis auf diese Feste?
    Haben die Wolken des Himmels etwas mit den Wassern oberhalb des Firmaments zu tun?
    Der Balken im eigenen Auge wächst mit der Anpassung an die Welt: Die Welt ist alles, was der Fall ist; d.h. die Welt ist der Abgrund, der die Menschen voneinander trennt, und dem sie in dem Maße verfallen, in dem sie selber der Welt sich anpassen.
    Der descensus ad inferos hat mit der Lösung des Drachens am Ende des Millenariums zu tun (Signatur dieser Epoche).
    Der Unterschied zwischen Genitiv und Dativ ist bei „trotz“ und „wegen“ der Unterschied ums Ganze. (Nach der Duden-Grammatik, Nr. 641, ist der Dativ in der Regel veraltet, regional oder umgangsprachlich: Es wäre nun doch wohl an der Zeit, endlich einmal den Geist der Duden-Grammatik zu bestimmen.)
    Babylon, genauer Ur in Chaldäa (die Schuldknechtschaft), ist der Ursprung der Hebräer, Ägypten (das Sklavenhaus) ihr natürliches (unerlöstes) Telos.

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